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Hunderte Tote bei schweren Erdbeben im Südwesten Marokkos
Bei einem schweren Erbeben im Südwesten Marokkos sind mindestens 820 Menschen ums Leben gekommen. Das Innenministerium in Rabat meldete am Samstag zudem 672 Verletzte. Das Beben der Stärke 6,8 ereignete sich laut der US-Erdbebenwarte USGS in der Nacht zum Samstag in einer bergigen Region rund 70 Kilometer südwestlich der Touristenhochburg Marrakesch. Die Auswirkungen waren bist in die Küstenstädte Rabat, Casablanca und Essaouira zu spüren. Aus aller Welt kamen Hilfsangebote und Beileidsbekundungen.
Laut Berichten der marokkanischen Medien war es das stärkste Erdbeben in der Geschichte des Landes. Menschen rannten in Panik aus ihren Häusern und verbrachten aus Angst vor Nachbeben die Nacht im Freien. Der Strom und das Telefonnetz fielen vorübergehend aus. Zahlreiche Häuser stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.
Mehr als die Hälfte der Todesopfer wurde laut dem Innenministerium aus den Provinzen Al Haouz und Taroudant gemeldet. Weitere Opfer gab es demnach in den Provinzen Ouarzazate, Chichaoua, Azilal und Youssoufia sowie in Marrakesch, Agadir und in der Region Casablanca.
Zu deutschen Todesopfern lagen am Samstag zunächst keine Angaben vor. "Wir stehen zu dem Erdbeben und der Lage in Marokko in engem Austausch mit den örtlichen Behörden", erklärte eine Sprecherin des Auswärtigen Amts auf Anfrage der Nachrichtenagentur AFP. Das Team der deutschen Botschaft in Rabat habe eine Notrufnummer eingerichtet.
Bilder und Videos in sozialen Netzwerken zeigten die verheerenden Schäden in mehreren Städten der Region. In der bei Touristen beliebten Altstadt von Marrakesch lagen Gebäudetrümmer auf den Straßen, zahlreiche Autos wurden beschädigt. An der Moschee auf dem zentralen Marktplatz Jemaa el-Fna stürzte ein Teil des Minaretts ein und verletzte zwei Menschen.
Mindestens zehn Mitglieder ihrer Familie seien in der Provinz Al Haouz ums Leben gekommen, sagte Anwohnerin Houda Outassaf der AFP. "Ich kann es nicht glauben, vor weniger als zwei Tagen war ich noch bei ihnen."
Eine 25-jährige Touristin aus England erzählte, sie habe mit Freunden auf der Terrasse eines Restaurants gesessen, als "die Tische anfingen zu wackeln". Die Teller seien vom Tisch geflogen und sie seien in Panik geraten.
Zahlreiche Staats- und Regierungschefs sowie Organisationen sprachen den Opfern und Angehörigen ihr Beileid aus und sicherten dem Land ihre Unterstützung zu, darunter auch die Weltgesundheitsorganisation, die Afrikanische Union und die Organisation für Islamische Zusammenarbeit. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) erklärte im Onlinedienst X, ehemals Twitter: "In diesen schweren Stunden sind unsere Gedanken bei den Opfern des verheerenden Erdbebens."
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan, dessen Land in diesem Jahr ebenfalls ein verheerendes Erdbeben mit zehntausenden Toten erlebte, sicherte seinen "marrokanischen Brüdern" seine Unterstützung zu. Der britische Außenminister James Cleverly erklärte, sein Land sei bereit, Marokko "auf jede mögliche Weise" zu helfen, Hilfsangebote kamen zudem unter anderem aus Frankreich, Israel und Spanien.
Im Jahr 2004 waren bei einem Erdbeben im Nordosten Marokkos mindestens 628 Menschen getötet und 926 weitere verletzt worden. 1980 erschütterte ein Beben der Stärke 7,3 das benachbarte Algerien. Dabei kamen 2500 Menschen ums Leben.
L.Carrico--PC