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Zentralrat: Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland schwindet
Der Zentralrat der Juden hat eine schwindende Solidarität mit Jüdinnen und Juden in Deutschland beklagt. Auch wird jüdisches Leben aufgrund von Bedrohungen aus der Öffentlichkeit verdrängt, wie aus dem am Freitag vom Zentralrat in Berlin veröffentlichten Lagebild der jüdischen Gemeinden hervorgeht. Diese Entwicklungen seien "alarmierend".
Für das Lagebild wurden nach 2023 und 2024 zum dritten Mal Führungspersönlichkeiten von 102 jüdischen Gemeinden und Landesverbänden befragt. Nahmen demnach im Jahr 2023 noch 62 Prozent der Gemeinden eine Solidarität aus der Zivilgesellschaft wahr, fiel dieser Wert inzwischen auf nur noch 35 Prozent. Jüdische Gemeinden fühlen sich laut Umfrage zunehmend im Stich gelassen, "während Judenhass, oft getarnt als vermeintlich legitime 'Israelkritik', tief in der bürgerlichen Mitte Anschluss findet".
Die alltägliche Bedrohung führe dazu, dass mehr als zwei Drittel (68 Prozent) der jüdischen Gemeinden das Leben in Deutschland verglichen mit der Zeit vor dem Terrorangriff der radikalislamischen Palästinenserorganisation Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 als unsicherer wahrnähmen, heißt es weiter in dem Lagebild. Als Folge zögen sich Jüdinnen und Juden zunehmend aus dem öffentlichen Raum zurück, verheimlichten ihre Identität und verzichteten auf das offene Tragen von Symbolen wie dem Davidstern oder der Kippa.
In den vergangenen zwölf Monaten mussten zudem 21 Prozent der Gemeinden Veranstaltungen aus Sicherheitsgründen absagen. Nur noch 13 Prozent der Gemeinden schätzen die Zukunft für jüdisches Leben in Deutschland positiv ein.
"Nach dem explosionsartigen Anstieg des Antisemitismus in Folge des 7. Oktober hat sich eine 'neue Normalität' herausgebildet", erklärte Zentralratspräsident Josef Schuster. Der Ausnahmezustand für Jüdinnen und Juden in Deutschland sei zu einem Dauerkrisenzustand geworden. Jüdische Gemeinden müssten permanent geschützt werden, und der Antisemitismus habe als Teil des öffentlichen Raums eine Normalisierung erfahren. "Diese Zustände sind unhaltbar", erklärte Schuster.
J.Oliveira--PC