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Holocaustüberlebender Albrecht Weinberg im Alter von 101 Jahren gestorben
Der Holocaustüberlebende Albrecht Weinberg ist tot. Er sei am Dienstagvormittag im Alter von 101 Jahren "friedlich" gestorben, sagte seine Mitbewohnerin Gerda Dänekas der Nachrichtenagentur AFP in Leer. Weinberg hatte während der Nazizeit als Jugendlicher mehrere Konzentrations- und Vernichtungslager sowie Todesmärsche überlebt. Seine Eltern und zahlreiche weitere Verwandte wurden damals von den Nationalsozialisten ermordet.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wanderte der im ostfriesischen Rhauderfehn bei Leer geborene Weinberg in die US-Metropole New York aus, wo er jahrzehntelang lebte. 2012 kehrte er in hohem Alter in seine Heimat zurück und ließ sich in Leer nieder, um sich insbesondere in der Erinnerungsarbeit mit Jugendlichen zu engagieren. Rhauderfehn und Leer ernannten ihm zu Ehrenbürger, nach ihm ist auch eine Schule benannt.
Bundesweit für Aufsehen sorgte Weinberg im vergangenen Jahr, als er aus Protest gegen eine gemeinsame Abstimmung von Union und AfD im Bundestag sein Bundesverdienstkreuz zurückgab. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hatte zuvor noch vergeblich versucht, ihn umzustimmen.
Weinberg sagte AFP damals, er habe Sorge, dass sich Geschichte wiederhole. "Die Erfahrung, die ich gemacht habe als Jugendlicher, war sehr gefährlich und schrecklich für mich", betonte er.
In seiner Autobiografie "Damit die Erinnerung nicht verblasst wie die Nummer auf meinem Arm" hatte der einer jüdischen Familie entstammende Holocaustüberlebende beschrieben, wie rund 40 Angehörige von den Nazis ermordet wurden. Er selbst wurde 1943 mit 18 Jahren in einem Viehwaggon nach Auschwitz deportiert, wo er härteste Zwangsarbeit leisten musste. Das Kriegsende erlebte Weinberg im Konzentrationslager Bergen-Belsen in einem Zustand, den er als "mehr tot als lebendig" beschrieb.
Weinberg lebte nach Angaben der Stadt Leer mit seiner Mitbewohnerin Dänekas in einer kleinen Wohngemeinschaft. Die Stadt dankte bei der Verleihung der Ehrenbürgerschaft an Weinberg 2023 deshalb ausdrücklich auch ihr. Ohne ihre Unterstützung wäre dessen Wirken gar nicht möglich, hieß es.
P.L.Madureira--PC