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Erdbeben in Venezuela: Hoffnung auf Überlebende in La Guaira schwindet
Nach dem verheerenden Doppel-Erdbeben mit mindestens 920 Toten schwindet in Venezuela die Hoffnung, noch Überlebende in den Trümmern zu finden. In der besonders schlimm betroffenen Stadt La Guaira suchten die Menschen in den Überresten eines eingestürzten Wohnblocks teils mit bloßen Händen nach Verschütteten. Übergangspräsidentin Delcy Rodríguez wurde am Freitag in einem stark beschädigten Stadtteil der Hauptstadt Caracas ausgebuht. Landesweit wurden nach UN-Angaben noch mehr als 50.000 Menschen vermisst.
Das verheerende Doppel-Beben hatte sich am Mittwoch im Abstand von nur 39 Sekunden westlich von Caracas ereignet. Die beiden Erdstöße hatten eine Stärke von 7,2 und 7,5, es gab zudem dutzende Nachbeben. Zahlreiche Gebäude stürzten ein oder wurden schwer beschädigt.
Der Badeort La Guaira an der venezolanischen Karibikküste ist besonders schlimm betroffen und wurde von der Regierung zum Katastrophengebiet erklärt. Seit Freitagabend war der Zugang eingeschränkt, wie Innenminister Diosdado Cabello verkündete.
Von einer Wohnanlage in La Guaira, die aus vier Hochhäusern mit hunderten Wohnungen bestand, ist nur Schutt übriggeblieben. Die Häuser seien "vollständig" eingestürzt, sagte der Leiter eines chilenischen Rettungsteams, Nadiomar Polanco. Es bestehe "kaum eine Chance, noch Menschen lebend zu finden". Sein Rettungsteam, das zuerst an dem Unglücksort eingetroffen war, berge nun die Toten.
Andernorts suchten Menschen mit bloßen Händen und einfachen Werkzeugen nach verschütteten Familienmitgliedern, Nachbarn und Freunden. Männer schlugen mit Vorschlaghämmern auf Betontrümmer ein und baten zwischendurch immer wieder um "absolute Stille", um Hilferufe von Überlebenden hören zu können. Weil es kaum schweres Gerät gibt und die venezolanischen Behörden kaum Hilfe leisten, kommt die Suche quälend langsam voran.
"Ich suche meinen kleinen Gael, er war erst fünf Monate alt", berichtete die 40-jährige Marjosly Salazar, die auch ihre 16-jährige Tochter verloren hat. "Bitte, wir brauchen hier Unterstützung", klagte die verzweifelte Mutter. "Wir brauchen Maschinen, um Pfeiler anheben zu können. Wir haben hier keine Behördenvertreter gesehen, keinen einzigen."
Auch in einem wohlhabenden Stadtviertel von Caracas schlug Übergangspräsidentin Rodríguez am Freitag Verzweiflung und Wut über die mangelnde Hilfe entgegen. "Raus, raus", riefen Anwohner und Angehörige von Verschütteten, als Rodríguez das Katastrophengebiet besuchte. Sie warfen ihr vor, "nichts für das Volk" zu tun und aus der Katastrophe stattdessen politisches Kapital schlagen zu wollen.
Wie das UN-Büro für humanitäre Angelegenheiten (Ocha) erklärte, waren inzwischen Rettungsteams aus mindestens 17 Ländern unterwegs in die Krisenregion oder bereits dort eingetroffen, unter anderem aus Spanien, El Salvador, Kolumbien, Mexiko und der Schweiz.
Rodríguez sagte am Freitag, sie habe einen Anruf von US-Präsident Donald Trump und US-Außenminister Marco Rubio erhalten. Sie hätten zugesagt, "die Hilfsmaßnahmen zu unterstützen, indem sie Rettungskräfte, Spezialausrüstung, Unterstützung für Notunterkünfte und humanitäre Hilfe für die betroffenen Familien" bereitstellen.
Die venezolanischen Behörden gaben die Zahl der Toten am Freitag mit mindestens 920 an, die Opferzahl dürfte aber noch steigen. Nach Angaben der UNO wurden noch mehr als 50.000 Menschen vermisst. Die Suche in den Trümmern eingestürzter Häuser sei eine "kolossale Aufgabe", sagte der UN-Nothilfekoordinator Tom Fletcher.
A.P.Maia--PC