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Ungarische Staatsanwaltschaft nimmt Ex-Zentralbankchef und Orbán-Vertrauten fest
In einem der spektakulärsten Korruptionsfälle des Landes hat die ungarische Staatsanwaltschaft den früheren Zentralbankchef György Matolcsy festnehmen lassen. Dem ehemals engen Vertrauten von Ex-Regierungschef Viktor Orban sowie weiteren Beschuldigten werde unter anderem Wirtschaftsbetrug vorgeworfen, teilte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mit. Die Beschuldigten seien vernommen worden und befänden sich in Gewahrsam. Matolcsys Anwalt Pal Batki bestätigte eine Festnahme wegen Wirtschaftsbetrugs und Urkundenfälschung, machte jedoch keine weiteren Angaben.
Matolcsy sei "im Rahmen eines laufenden Ermittlungsverfahrens wegen des Delikts des Wirtschaftsbetrugs mit besonders erheblichem finanziellen Schaden sowie weiterer Straftaten" als Tatverdächtiger befragt worden, hieß es in einer Erklärung der Zentralen Ermittlungsoberstaatsanwaltschaft. In Zusammenarbeit mit anderen Strafverfolgungsbehörden wurden demnach zudem mehrere Orte durchsucht und Beweise sichergestellt. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verweigerte der 71-Jährige eine Aussage.
Anwalt Batki sagte dem ungarischen Nachrichtenportal Telex, es sei sehr schwierig, die fünfseitige Anklageschrift und die darin enthaltenen Angaben zu verarbeiten. "Solange wir nicht sehen, auf welche Beweise sie sich stützt, können wir darauf nicht reagieren", betonte er.
Während Matolcsys Amtszeit zwischen 2013 und 2025 waren durch Immobilien- und Investitionsgeschäfte mit von ihm gegründeten Stiftungen rund eine halbe Milliarde Euro an öffentlichen Geldern verschwunden. Recherchen der Investigativplattform Direkt36 und weiterer ungarischer Medien zufolge profitierten von den Geschäften vor allem Unternehmen aus dem Umfeld von Matolcsys Sohn Adam. Der ungarische Rechnungshof deckte den massiven Vermögensverlust im vergangenen Jahr auf.
Matolcsy galt als Schlüsselfigur in Orbans Wirtschaftspolitik und als einer seiner engsten Vertrauten. Der rechtsnationalistische Regierungschef bezeichnete ihn einst als seine "rechte Hand". Im Zuge der Korruptionsvorwürfe gegen den heute 71-Jährigen hatte sich die Beziehung in den vergangenen Jahren jedoch verschlechtert.
Ungarns derzeitiger Regierungschef Peter Magyar, der Orbans Amtszeit im April nach 16 Jahren ein Ende bereitet hatte, warf der Staatsanwaltschaft wiederholt vor, die Korruptionsermittlungen in dem Fall zu langsam voranzutreiben. Angesichts der nun erfolgten Festnahme erinnerte Magyar an frühere Aussagen von Orban über Matolcsy. So habe der ehemalige Regierungschef einst betont, eine "sehr starke emotionale Bindung" zu dem Zentralbankchef zu haben und ihm "sehr viel zu schulden".
Orbans Fidesz-Partei forderte die Behörden indes auf, das Verfahren "unparteiisch und ohne politischen Druck" zu führen.
Ferreira--PC