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Stars und Fans strömen zum Filmfestival in Venedig - Ehrenpreis für Werner Herzog
Zum Filmfestival von Venedig sind am Mittwoch Stars und Fans in die italienische Lagunenstadt geströmt. Bereits vor dem Beginn des ruhmreichen Wettbewerbs um den Goldenen Löwen am Abend wurden unter anderen Hollywoodstar George Clooney und der italienische Regisseur Paolo Sorrentino gesehen, dessen Film als erstes gezeigt werden sollte. Zudem sollte bei der großen Eröffnungsgala der deutsche Regisseur Werner Herzog für sein Lebenswerk geehrt werden.
Der Goldene Löwe sollte Herzog von seinem US-Kollegen Francis Ford Coppola überreicht werden. Die beiden Regie-Legenden gehören zu den vielen Stars, die zu dem Festival erwartet werden. Regisseur Sorrentino, der seinen neuen Film "La Grazia" über einen italienischen Präsidenten im Konflikt um Sterbehilfe zeigen wollte, fuhr am Dienstagabend stilgerecht mit dem Boot in die Lagunenstadt ein. Auch George Clooney und seine Ehefrau Amal wurden gesehen, wie sie aus einem Wassertaxi stiegen.
Clooney wird am Donnerstag am Roten Teppich erwartet: Er spielt in "Jay Kelly" einen berühmten Schauspieler in einer Identitätskrise - unter der Regie von Noah Baumbach, der zusammen mit seiner Ehefrau und Kollegin Greta Gerwig ("Barbie") das Drehbuch verfasste.
Erstmals zu Gast in Venedig wird Julia Roberts sein, sie kommt anlässlich der Premiere ihres neuesten Films "After the Hunt" von Regisseur Luca Guadagnino nach Italien. Der Film mit Roberts in der Hauptrolle erzählt die Geschichte eines sexuellen Übergriffs an einer renommierten US-Universität und läuft außerhalb des Hauptwettbewerbs.
Einer der politischsten Filme des Festivals dürfte "The Voice of Hind Rajab" von der tunesischen Regisseurin Kaouther Ben Hania sein. Er rekonstruiert die Geschichte eines sechsjährigen palästinensischen Mädchens, das im Januar 2024 zusammen mit sechs Angehörigen während eines israelischen Militäreinsatzes getötet wurde, als die Familie aus der Stadt Gaza floh.
Der Gazakrieg wurde am Mittwoch auch durch mehrere pro-palästinensische Demonstranten an den Lido gebracht, die vor dem Festivalpalast ein "Free Palestine"-Plakat entrollten. Zudem rief eine Gruppe von italienischen Filmschaffenden die Organisatoren des Festivals auf, den israelischen Einsatz im Gazastreifen klar zu verurteilen.
"Wir haben nie gezögert, unsere große Trauer und unser Mitgefühl angesichts der Geschehnisse im Gazastreifen und Palästina klar zum Ausdruck zu bringen", sagte Festivaldirektor Alberto Barbera am Mittwoch vor Journalisten. Er schloss jedoch aus, Israel unterstützenden Schauspielern die Einladung nach Venedig zu entziehen.
In der Hauptkategorie der Festspiele, in der 21 Spielfilme um den begehrten Goldenen Löwen konkurrieren, ist unter anderem der britische Schauspieler Jude Law als Russlands Präsident Wladimir Putin in "The Wizard of the Kremlin" von Regisseur Olivier Assayas zu sehen. Als weiterer hochkarätiger Preisanwärter gilt das neue Werk der Oscar-prämierten US-Regisseurin Kathryn Bigelow - in dem Thriller "A House of Dynamite" sieht sich das Weiße Haus mit einer unmittelbaren atomaren Bedrohung konfrontiert.
Auch der Film "Father Mother Sister Brother" von US-Regisseur Jim Jarmusch mit Adam Driver und Cate Blanchett in den Hauptrollen wird bei der Spekulation über den Sieger des Festivals hoch gehandelt, ebenso wie eine viel diskutierte Neuinterpretation von "Frankenstein" des mexikanischen Regisseurs Guillermo del Toro. Am 6. September wird der beste Film mit dem Goldenen Löwen geehrt, Jurypräsident ist in diesem Jahr Starregisseur Alexander Payne ("Sideways").
Der Eröffnungsabend aber sollte erst einmal im Zeichen von Herzog stehen, dessen jüngste Dokumentation "Ghost Elephants" über eine Herde mystischer Elefanten im Dschungel von Angola während des Festivals außerhalb des offiziellen Wettbewerbs gezeigt wird. Der 82-Jährige gehört seit Jahrzehnten zu den international bekanntesten deutschen Regisseuren. Zu seinen stilprägenden Filmen gehören unter anderem "Aguirre, der Zorn Gottes" (1972), "Nosferatu - Phantom der Nacht" (1979) oder "Fitzcarraldo" (1982).
Als legendär gilt Herzogs Zusammenarbeit mit dem Schauspieler Klaus Kinski, der in fünf seiner Filme auftrat. Der produktiven wie konfliktgeladenen Partnerschaft widmete Herzog 1999 das Filmporträt "Mein liebster Feind". Daneben drehte der in München geborene Filmemacher international vielbeachtete Dokumentarfilme wie "Grizzly Man" (2005) oder "Encounters at the End of the World"(2007), der für einen Oscar nominiert wurde.
F.Carias--PC