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Mehr als 30 Raketen aus dem Libanon auf Israel abgefeuert
Einen Tag nach den gewaltsamen Zusammenstößen zwischen israelischen Polizisten und Palästinensern in der Al-Aksa-Moschee in Jerusalem hat Israel etliche aus dem Libanon abgefeuerte Raketen abgefangen. Fünf Raketen seien im Norden Israels eingeschlagen, 25 weitere abgefangen worden, teilte die israelische Armee am Donnerstag mit. Das Militär machte palästinensische Gruppen für die Raketen verantwortlich. Deutschland, die USA, Frankreich und die UN verurteilten den Beschuss.
Insgesamt seien mindestens "34 Raketen vom Libanon aus auf israelisches Gebiet abgefeuert" worden, erklärte die Armee. Zuvor hatten israelische Medien von einer "Salve" von Geschossen berichtet, nachdem die Armee zunächst von "einer abgefangenen" Rakete gesprochen hatte.
"Wir wissen mit Sicherheit, dass es sich um palästinensisches Feuer handelt", sagte Armeesprecher Richard Hecht. Es sei noch unklar, welche Gruppierung dafür verantwortlich sei - "aber es war nicht die Hisbollah", sagte er. Die libanesische Armee gab am Donnerstag an, in Südlibanon Abschussrampen entdeckt und zerstört zu haben.
Nach Armee-Angaben war infolge der Raketenangriffe in der Stadt Schlomi und in dem Dorf Betzet im Norden Israels Raketenalarm ausgelöst worden. Laut israelischen Rettungsdiensten wurden bei dem Raketenbeschuss am ersten Tag des jüdischen Pessachfestes zwei Menschen verletzt - ein Mann durch einen Granatsplitter und eine Frau auf dem Weg zum Schutzraum.
Bei der Begutachtung der Schäden in seinem Büro in Schlomi sagte der 46-jährige Schlomi Naaman der Nachrichtenagentur AFP, andere Bewohner hätten ihm von dem Einschlag einer Katjuscha-Rakete in den Räumen erzählt. "Ich hörte die Sirene, ich hörte den Knall, ich war in meinem Haus, es war sehr, sehr beängstigend."
Deutschland, Frankreich und die USA verurteilten den jüngsten Raketenbeschuss aus dem Gazastreifen und Libanon auf Israel am Donnerstag. "Er muss sofort aufhören. Es gilt besonders jetzt während der Feiertage, eine weitere Eskalation zu verhindern", erklärte das Auswärtige Amt im Onlinedienst Twitter. Auch Frankreich rief nach Angaben eines Außenministeriumssprechers dazu auf, während der Feiertage "jede Aktion zu vermeiden, die die Eskalation der Gewalt anheizen könnte".
Die USA bekräftigten ihren Einsatz für die Sicherheit Israels. Washington erkenne außerdem "das legitime Recht Israels an, sich selbst gegen alle Formen der Aggression zu verteidigen", erklärte das US-Außenministerium. UN-Generalsekretär António Guterres verurteilte laut seinem Sprecher "die zahlreichen Raketen, die heute aus dem Libanon auf den Norden Israels abgefeuert wurden" und forderte "alle Akteure" zu größtmöglicher Zurückhaltung auf.
In der Nacht zum Mittwoch hatte die israelische Polizei eigenen Angaben zufolge mehr als 350 Menschen festgenommen, nachdem sich "Unruhestifter" in der Al-Aksa-Moschee auf dem Tempelberg in Jerusalem verbarrikadiert hätten. Beamte seien mit Steinen beworfen und Feuerwerkskörper gezündet worden. Am Abend war es zu weiteren Zusammenstößen in der drittheiligsten Stätte des Islam gekommen.
Nach den Auseinandersetzungen waren am Mittwoch auch aus dem Gazastreifen Raketen auf Israel abgefeuert worden, woraufhin Israel mit eigenen Angriffen reagierte.
Zu den Raketenangriffen vom Donnerstag bekannte sich zunächst niemand. Zuvor hatte jedoch die pro-iranische Hisbollah im Libanon angekündigt, palästinensische Gruppen nach den gewaltsamen Zusammenstößen auf dem Tempelberg "mit allen Maßnahmen" gegen Israel zu unterstützen.
Armeesprecher Hecht erklärte allerdings, der Beschuss sei nicht auf die Miliz, sondern palästinensische Gruppen zurückzuführen. "Wir nehmen an, dass die Hisbollah davon wusste, und auch der Libanon trägt eine gewisse Verantwortung. Wir untersuchen auch, ob der Iran beteiligt war", sagte er am Donnerstag vor Reportern.
Die Hisbollah unterhält zum Iran, zur im Gazastreifen regierenden radikalislamischen Hamas und zur ebenfalls dort aktiven militanten Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad enge Verbindungen. Am Mittwoch war Hamas-Chef Ismail Hanijeh zu einem Besuch im Libanon eingetroffen.
Israel und der Libanon befinden sich offiziell im Kriegszustand. An der Grenze der beiden Staaten kommt es immer wieder zu Spannungen. Zu Raketenangriffen auf Israel bekannte sich in der Vergangenheit oftmals die Hisbollah. Zuletzt hatte die Hisbollah im April vergangenen Jahres Raketen auf Israel abgefeuert. Das israelische Militär hatte darauf mit Artilleriefeuer reagiert.
Unterdessen wies die israelische Armee Berichte libanesischer Staatsmedien über angebliche Angriffe auf Ziele im Südlibanon als Reaktion auf den Raketenbeschuss zurück. Israel habe "bisher" keine Vergeltungsmaßnahmen ergriffen, erklärte die Armee auf Anfrage der AFP.
R.J.Fidalgo--PC