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Boris Johnson bekommt eine Kolumne in der Boulevardzeitung "Daily Mail"
Der skandalumwitterte britische Ex-Premierminister Boris Johnson kehrt zu seinen journalistischen Wurzeln zurück und schreibt ab sofort eine wöchentliche Kolumne in der Boulevardzeitung "Daily Mail". Er sei "begeistert" etwas zu "diesen berühmten Seiten" beitragen zu können, sagte der 58-Jährige in einem am Freitag von der Zeitung veröffentlichten Video. Die konservative "Daily Mail" gilt seit Langem als lautstarker und unkritischer Unterstützer Johnsons, der wegen einer Reihe von Skandalen vor einem Jahr sein Amt als Premier niederlegen musste.
Über politische Themen werde er nur schreiben, wenn es nicht vermeidbar sei, sagte Johnson. In seiner ersten Kolumne, die am Samstag erscheint und vorab online zu lesen war, sinniert der Politiker über seinen nicht enden wollenden Kampf gegen die Kilos. Der Leser erfährt, dass Johnson bereits mit Appetitzüglern experimentierte, um nicht nachts um halb zwölf über den Kühlschrank herzufallen und "Cheddar und Chorizo mit einer halben Flasche Wein herunterzuspülen".
Die Mitarbeit bei der "Daily Mail" bietet Johnson mediale Sichtbarkeit und große Reichweite - etwa auch, um gegen politische Gegner wie den amtierenden britischen Premier Rishi Sunak auszuteilen. Zudem ist die wöchentliche Kolumne eine zusätzliche Einnahmequelle. Dem Onlinemagazin "Politico" zufolge verdient Johnson damit mehrere zehntausend Euro pro Jahr.
Sein neuer journalistischer Nebenjob brachte dem ehemaligen Premier allerdings bereits Ärger ein. In Großbritannien müssen ehemalige Kabinettsmitglieder in den zwei Jahren nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung neue Beschäftigungen an ein eigens dafür eingerichtetes Beratungskomitee (ACOBA) melden. Johnson informierte das Komitee zufolge jedoch nur eine halbe Stunde bevor die "Daily Mail" mit dem prominenten Neuzugang an die Öffentlichkeit ging. Das sei ein "klarer Verstoß", sagte die Sprecherin des Komitees, das allerdings keine Strafen verhängen kann.
Johnson mache sich über das ACOBA lustig, sagte die stellvertretende Vorsitzende der oppositionellen Labourpartei, Angela Rayner. "Dieser in Ungnade gefallene ehemalige Premierminister glaubt wirklich, dass Regeln nur für die kleinen Leute gelten."
Erst am Donnerstag hatte ein Parlamentsausschuss festgestellt, dass Johnson das Parlament hinsichtlich der Partys an seinem Amtssitz während des Corona-Lockdowns belogen hatte. Vor einem Jahr war Johnson als Premierminister zurückgetreten, in der vorigen Woche hatte er zudem sein Amt als Abgeordneter des Unterhauses niedergelegt.
L.E.Campos--PC