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Farage tritt bei britischer Nachwahl voraussichtlich gegen Spaßkandidaten an
Der nach Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen von seinem Abgeordnetenmandat zurückgetretene britische Rechtspopulist Nigel Farage trifft in der von ihm angestrebten Nachwahl voraussichtlich auf einen einzigen Gegner - den Spaßkandidaten "Count Binface" (Graf Mülltonnengesicht). Alle anderen Parteien schlossen am Mittwoch aus, Kandidaten für die Nachwahl in Clacton-on-Sea aufzustellen. Der Komiker Jon Harvey, der seit Jahren als "intergalaktischer Weltraumkrieger" bei Wahlen antritt, könnte damit Farages einziger Herausforderer sein.
Die Regierung nahm am Mittwoch das Rücktrittsgesuch von Farage, dem Chef der Partei Reform UK, an. Binnen 35 Tagen dürfte nun eine Nachwahl stattfinden. "Wenn er den Sommer damit verbringen will, mit einem Mülleimer zu diskutieren, werde ich ihn nicht davon abhalten", schrieb Finanzministerin Rachel Reeves im Onlinedienst X. Die regierende Labour-Partei, die Konservativen, die Liberaldemokraten, die Grünen und die rechtsextreme Restore Britain wollen keine eigenen Kandidaten für die Nachwahl aufstellen. Noch könnte aber auch ein Unabhängiger seine Kandidatur erklären.
Farage hatte am Dienstag angekündigt, sein Abgeordnetenmandat niederzulegen. Im Anschluss werde er sich in einer Nachwahl unter dem Motto "Volk gegen Establishment" erneut zur Wahl stellen. "Ich habe entschieden, dass die Menschen in Clacton-on-Sea die Richter über meine Handlungen sein sollen", sagte der 62-Jährige mit Blick auf den Wahlkreis in Südostengland, den er seit zwei Jahren als Abgeordneter im britischen Unterhaus vertritt.
Farage sieht sich mit Vorwürfen wegen nicht offengelegter Zuwendungen konfrontiert. Die "Sunday Times" hatte am Sonntag berichtet, ein wegen Betrugs verurteilter Krypto-Unternehmer habe vor Farages Einzug ins Parlament für dessen Sicherheit und Mitarbeiter gezahlt. Gegen Farage läuft bereits eine Untersuchung wegen der nicht deklarierten Millionenspende eines anderen Krypto-Milliardärs.
Mit dem Rücktritt Farages ruhen die parlamentsinternen Ermittlungen gegen ihn bis nach der geplanten Nachwahl. "Er wird wahrscheinlich ins Parlament zurückkehren, aber dann beginnt die Untersuchung erneut", sagte der Politikprofessor Tim Bale der Nachrichtenagentur AFP.
Farages Partei Reform UK liegt derzeit in Umfragen vorn. Bei den Kommunalwahlen in England im Mai gewann sie fast 1500 Sitze. Bei einer wichtigen Nachwahl für einen Parlamentssitz im Nordwesten Englands im Juni unterlag ihr Kandidat allerdings deutlich dem Labour-Politiker Andy Burnham. Auch bei dieser Wahl war Graf Mülltonnengesicht angetreten und hatte 95 Stimmen (0,2 Prozent) erhalten.
P.Serra--PC