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USA setzen Angriffswelle auf Iran fort - Teheran attackiert Ziele in der Golfregion
Am Tag der Beisetzung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei hat die US-Armee ihre massive Angriffswelle gegen den Iran fortgesetzt. In der Nacht zum Donnerstag nahm die US-Armee die zweite Nacht in Folge nach eigenen Angaben 90 militärische Ziele im Iran ins Visier. Teheran erklärte daraufhin, erneut US-Stützpunkte in der Golfregion angegriffen zu haben. Iranischen Behördenangaben zufolge wurden seit Mittwoch 14 Menschen durch die US-Angriffe getötet und dutzende weitere verletzt.
Mit der zweiten Angriffswelle innerhalb von 24 Stunden wollten die USA die Fähigkeit des Iran, "die Handelsschifffahrt und unschuldige zivile Seeleute in der Straße von Hormus anzugreifen, weiter schwächen", erklärte das zuständige US-Regionalkommando Centcom. Es verwies dabei auf die jüngsten Angriffe auf Schiffe in der für den Welthandel wichtigen Meerenge, für die Washington die Führung in Teheran verantwortlich machte.
US-Präsident Donald Trump erklärte, die US-Angriffe seien Vergeltung für vorangegangene iranische Attacken auf Schiffe. "Wenn das noch einmal passiert, wird es noch viel schlimmer werden!", drohte er in Onlinediensten. Am Mittwoch hatte Trump am Rande des Nato-Gipfels in Ankara die mit dem Iran vereinbarte Feuerpause für beendet erklärt und neue Angriffe angeordnet. "Wir werden sie heute Nacht richtig hart treffen." Mit Blick auf die Waffenruhe erklärte er: "Was mich betrifft, ist sie vorbei." Zugleich ließ er die Tür für weitere Verhandlungen aber offen.
Teheran zufolge wurden bei den US-Angriffen seit der Nacht zum Mittwoch bereits mehr als 14 Menschen getötet und 78 weitere verletzt. Dutzende Verletzte würden in Krankenhäusern behandelt, teilte das iranische Gesundheitsministerium mit.
Die jüngsten US-Angriffe trafen iranischen Angaben zufolge den äußeren Bereich des einzigen zivilen Atomkraftwerks des Iran in Buschehr. "Mehrere Gebiete in der Provinz Buschehr wurden heute angegriffen, darunter der äußere Bereich des Atomkraftwerks, ein Armeestützpunkt in der Stadt Tschoghadak und ein Pier im Süden der Provinz", zitierten iranische Staatsmedien den stellvertretenden Gouverneur von Buschehr, Ehsan Dschahanian. Zuvor hatten Anwohner Explosionen in dem Gebiet des Akw gemeldet.
Dem iranischen Staatsfernsehen zufolge wurde infolge der US-Angriffe außerdem der Zugverkehr zwischen Teheran und Maschhad im Nordosten des Landes eingestellt. Die iranische Eisenbahn sprach von einem "kriminellen Angriff des US-israelischen Feindes" auf die Strecke. Reparaturteams seien entsandt worden, für festsitzende Reisende werde ein Weitertransport auf der Straße organisiert. Das iranische Außenministerium verurteilte die US-Angriffe auf iranische Infrastruktur, darunter auf Eisenbahnbrücken, als "eklatantes Kriegsverbrechen".
In Maschhad sollte Chamenei am Donnerstag beigesetzt werden. Am Morgen traf ein Flugzeug mit den sterblichen Überresten des getöteten obersten iranischen Führers in dessen Heimatstadt ein. Die Beisetzung sollte im Mausoleum des Imams Resa stattfinden, dem wichtigsten schiitischen Heiligtum im Iran. Der 86-Jährige war am ersten Tag des Iran-Krieges durch einen israelischen Luftangriff getötet worden.
Die Führung in Teheran reagierte auf die neuen US-Angriffe nach Angaben von Staatsmedien mit Attacken auf mehrere Golfstaaten. Im Zuge von Angriffen "gegen amerikanische Stützpunkte in der Region" habe die iranische Armee ein Patriot-Raketenabwehrsystem in Kuwait, ein Frühwarnsystem in Katar und Treibstofftanks in Bahrain mit "einer großen Zahl von Kamikaze-Drohnen verschiedener Typen" ins Visier genommen, berichteten iranische Staatsmedien.
Die kuwaitische Armee erklärte im Onlinedienst X, dass sie "feindliche Raketen- und Drohnen-Attacken" abwehre. Bei den iranischen Angriffen mit vier Raketen und zehn Drohnen wurde dem kuwaitischen Verteidigungsministerium zufolge ein Mensch verletzt. Auch die jordanische Regierung meldete iranische Raketenangriffe. Die jordanische Armee habe die Raketen abgefangen, sagte der Regierungssprecher Mohammed Momani dem staatlichen Sender Al Mamlaka.
Die iranischen Revolutionsgarden warnten zugleich, dass sie bei weiteren US-Attacken ihre Angriffe auf andere Stützpunkte in der Region ausweiten würden. Auch Teherans Chefunterhändler Mohammed Bagher Ghalibaf drohte Washington: "Die Vereinigten Staaten haben immer noch nicht begriffen, dass Einschüchterung und Wortbruch nicht mehr ohne Folgen bleiben", schrieb er im Onlinedienst X. "Lassen Sie mich eines klarstellen: Wer angreift, wird selbst angegriffen."
Seit Anfang April galt in dem US-israelischen Krieg gegen den Iran eine brüchige Waffenruhe. Am 17. Juni einigten sich der Iran und die USA auf ein Rahmenabkommen, das weitere Verhandlungen zu einer dauerhaften Beendigung des Krieges vorsieht.
F.Cardoso--PC