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Gedenken in Nizza am zehnten Jahrestag des Lkw-Anschlags mit 86 Toten
Am zehnten Jahrestag des islamistischen Lkw-Anschlags von Nizza gedenkt die südfranzösische Stadt am Dienstag der 86 Todesopfer. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron wird am Abend zu der offiziellen Gedenkfeier erwartet, an der auch seine beiden Vorgänger François Hollande und Nicolas Sarkozy teilnehmen wollen sowie mehrere amtierende und ehemalige Minister und der monegassische Fürst Albert II. Bei dem Attentat waren auch drei Deutsche getötet worden - zwei Schülerinnen und ihre Lehrerin - die aus Berlin mit einer Klassenfahrt nach Nizza gereist waren. Mehr als 400 Menschen wurden damals verletzt.
Am Abend des 14. Juli 2016 war nach dem Ende des Feuerwerks zum französischen Nationalfeiertag der 31-jährige Tunesier Mohamed Lahouaiej-Bouhlel mit einem Lkw durch die feiernde Menge auf der Strandpromenade von Nizza gerast. Er fuhr dabei absichtlich Zickzack, um möglichst viele Menschen in den Tod zu reißen und zu verletzen. Die Polizei erschoss den islamistischen Angreifer noch am Tatort. Unter seinen Todesopfern waren auch zwei Schülerinnen und eine Lehrerin der Berliner Paula-Fürst-Gemeinschaftsschule in Berlin.
Lahouaiej-Bouhlel soll sich erst knapp zwei Wochen vor der Tat radikalisiert haben. Zwei Bekannte, die ihm bei der Vorbereitung des Anschlags geholfen hatten, wurde 2024 zu je 18 Jahren Haft verurteilt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) hatte den Anschlag für sich beansprucht. Eine Verbindung des Täters zu irgendeiner Organisation hatte sich jedoch nicht nachweisen lassen.
In Nizza begann am Dienstagmorgen eine Parade zum französischen Nationalfeiertag, zu deren Ehrengästen auch Familien von Opfern des Lkw-Anschlags gehörten. Der rechtsgerichtete Bürgermeister von Nizza, Eric Ciotti, hatte zudem die mit ihm verbündete rechtspopulistische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen eingeladen, was im Vorfeld für Unmut in der linken Opposition gesorgt hatte. Ein Teil der Gäste applaudierte Le Pen jedoch.
Die offizielle Gedenkfeier für die Opfer des Lkw-Anschlags soll um 18.00 Uhr in Nizza beginnen. In einem Video sollen zunächst Augenzeugen schildern, was sie vor zehn Jahren erlebten. Anschließend sollen 43 Kinder und 43 Vertreter der Sicherheitskräfte 86 leere Stühle im Gedenken an die Toten aufstellen. Danach werden Vertreter von Organisationen von Opferangehörigen, die die Gedenkfeier gemeinsam mit dem Rathaus von Nizza vorbereitet hatten, das Wort ergreifen. Danach sollen der Bürgermeister und der französische Präsident Macron sprechen.
Der Himmel über der Stadt am Mittelmeer wird nach einer Drohnenshow um 22.34 Uhr mit 86 blauen Laserstrahlen erhellt - zu dieser Uhrzeit stand der Lastwagen nach seiner Todesfahrt vor zehn Jahren still.
In Paris war das traditionelle Feuerwerk am Eiffelturm zum französischen Nationalfeiertag um einen Tag auf Montagabend vorgezogen worden. Dies geschehe, um das landesweite Gedenken an die Opfer des Anschlags zu ermöglichen, hatte die Stadt Ende Mai erklärt.
Vor dem am Abend ausgetragenen Halbfinale der Fußball-WM zwischen Frankreich und Spanien soll im Stadion im texanischen Arlington eine Schweigeminute für die Opfer von Nizza abgehalten werden. Macron bedankte sich bei der Fifa, dass sie einer entsprechenden Bitte Frankreichs nachgekommen war. "Wir werden das nie vergessen", schrieb Macron am Montag im Onlinedienst X.
Die französische Nationalmannschaft hatte sich vor ihrem Abflug zu dem Turnier mit etwa 70 Kindern getroffen, die den Anschlag miterlebt hatten. Bereits seit zehn Jahren applaudieren Anhänger des Fußballvereins von Nizza, OGC Nice, in jedem Spiel in der 86. Minute im Gedenken an die Opfer.
Die Gedenkfeierlichkeiten für die Opfer des Anschlags hatten am Sonntag mit einem Schweigemarsch begonnen, dessen Teilnehmer die Route der Todesfahrt abschritten. Am Montag war bei einem interkonfessionellen Gottesdienst der Toten gedacht worden.
L.Henrique--PC