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Keine Deeskalation in Sicht: Erneut US-Angriffe auf Iran und Gegenschläge Teherans
Im Iran-Krieg scheint eine Deeskalation nicht in Sicht, im Gegenteil: Die US-Streitstreitkräfte haben erneut Angriffe auf Ziele im Iran gestartet, im Gegenzug meldete die Armee der Islamischen Republik in der Nacht zum Donnerstag Attacken auf US-Stützpunkte in der Region. Inmitten der Spannungen ließ Teheran eine seit mehr als anderthalb Jahren im Iran festgehaltene US-Staatsbürgerin ausreisen.
Das US-Regionalkommando Centcom begründete die neuerlichen Angriffe damit, dass iranische Fähigkeiten zur Bedrohung der freien Schifffahrt in der Straße von Hormus ausgeschaltet werden sollten. Ein US-Kampfflugzeug habe zudem auf einen unbeladenen Öltanker geschossen, der versucht habe, die US-Blockade gegen iranische Häfen zu durchbrechen. Es war das erste Mal, dass die US-Armee seit der Wiedereinsetzung der Blockade iranischer Häfen am Dienstag ein Schiff gewaltsam stoppte. Das US-Kampfflugzeug habe "Hellfire-Raketen in den Schornstein des Schiffs abgefeuert", teilte Centcom mit.
Iranische Medien meldeten Explosionen in mehreren Städten. Auch in Teheran seien am Donnerstagmorgen die Luftabwehrsysteme aktiviert worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. Opfer seien zunächst nicht gemeldet worden. Explosionen waren den Angaben zufolge im Westen und Norden des Iran zu hören. Betroffen seien die Provinzen Lorestan und Semna.
Der Iran reagierte nach eigenen Angaben mit Drohnenangriffen auf US-Militäreinrichtungen in Jordanien. Dabei seien Radar- und Kommunikationssysteme sowie Treibstofflager auf dem Luftwaffenstützpunkt Al-Asrak ins Visier genommen werden.
Auch Kuwait meldete iranische Angriffe auf sein Territorium. Die Luftabwehr bekämpfe Drohnenangriffe des "ruchlosen iranischen Aggressors", erklärte die Armee. In Bahrain wurde derweil erneut Luftalarm ausgelöst. Das Innenministerium rief die Menschen auf, "Ruhe zu bewahren und den nächstgelegenen sicheren Ort aufzusuchen". Die iranischen Revolutionsgarden erklärten, sie hätten die in dem Golfstaat stationierte US-Flotte angegriffen.
Die Staaten der Region fordern von Washington seit Beginn des Iran-Krieges und den damit verbundenen Angriffen auf ihre Territorien mehr Unterstützung bei der Luftabwehr. Die US-Regierung gab nun grünes Licht für den Verkauf von Rüstungsgütern im Wert von knapp zwei Milliarden Dollar (gut 1,7 Milliarden Euro) an Saudi-Arabien. Damit solle vor allem die Luftverteidigung des Landes verbessert werden, erklärte das Außenministerium in Washington.
Auch in der nordirakischen Kurdenmetropole Erbil waren am Mittwochabend mehrere Explosionen zu hören, sie ereigneten sich in der Nähe des US-Konsulats. Wie AFP-Journalisten berichteten, waren zunächst mehrere Drohnen über Erbil sichtbar gewesen, ehe sie von der Luftabwehr abgeschossen wurden.
Die Situation in der gesamten Region eskaliert seit einigen Tagen wieder. Eigentlich hatte seit Anfang April im Iran-Krieg eine Waffenruhe gegolten, die aber zusehends brüchig wurde. In der vergangenen Woche wurde sie von Trump dann für beendet erklärt.
Am Dienstag drohte der US-Präsident dann mit einer nochmaligen Ausweitung der Angriffe auf den Iran, falls die Verhandlungen mit Teheran über ein Kriegsende und die Nutzung der Straße von Hormus scheitern sollten. "Nächste Woche wird es für sie richtig schlimm, denn nächste Woche sind die Kraftwerke dran. Nächste Woche sind die Brücken dran", sagte Trump dem US-Sender Fox News.
Der US-Präsident will am Donnerstagabend in Washington eine Fernsehansprache an die Nation halten. Dabei dürfte eines der großen Themen die erneute militärische Eskalation mit dem Iran sein. Beide Seiten hatten eigentlich Mitte Juni ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen führen sollte. Trotz der jüngsten Eskalation dauern die Vermittlungsbemühungen an.
Einen diplomatischen Hoffnungsschimmer in dem Konflikt brachte am Mittwoch, dass eine seit mehr als anderthalb Jahren im Iran festgehaltene US-Staatsbürgerin das Land verlassen konnte. "Sie befindet sich nun sicher außerhalb des Iran und ist wohlauf", erklärte Trump. "Die Vereinigten Staaten von Amerika wissen diese Geste des guten Willens von Seiten des Iran zu schätzen!"
A.Aguiar--PC