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Weitere Eskalation im Iran-Krieg - Teheran meldet acht Tote nach neuen US-Angriffen
Bei den bislang schwersten gegenseitigen Angriffen seit Wiederaufflammen des Konflikts zwischen den USA und dem Iran sind nach Angaben aus Teheran acht Menschen getötet worden. Laut Staatsmedien wurde im Iran am Freitag unter anderem Verkehrsinfrastruktur getroffen. Der Iran reagierte mit Gegenangriffen auf US-Ziele etwa in Bahrain, im Oman und in Kuwait. China und Pakistan wie auch die Bundesregierung forderten beide Seiten auf, wieder Gespräche aufzunehmen.
Die USA flogen die sechste Nacht in Folge Angriffe auf die Islamische Republik. Ziel war nach Angaben des zuständigen Regionalkommandos Centcom, "die militärischen Fähigkeiten des Iran weiter zu schwächen". Genauere Angaben wurden zunächst nicht gemacht.
Iranische Medien berichteten zunächst von US-Angriffen rund um die Golfinsel Keschm nahe der Straße von Hormus sowie die Hafenstadt Bandar Abbas. Zudem habe es Explosionen in Buschehr gegeben, wo sich das einzige aktive Atomkraftwerk des Landes befindet.
Später berichteten iranische Staatsmedien von Angriffen auf Brücken, einen Bahnhof und einen Flughafen nahe der Straße von Hormus, die für den weltweiten Handel mit Öl und Gas von entscheidender Bedeutung ist und die einer der Hauptstreitpunkte bei den stockenden Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran ist. Der Flughafen Iranschahr im Südosten des Landes wurde demnach ebenfalls getroffen.
Mindestens acht Menschen seien bei den Angriffen im Süden und Westen des Iran getötet worden, meldete die staatliche Nachrichtenagentur Irna. 20 weitere Menschen seien verletzt worden. Das Energieministerium rief die Bevölkerung wegen "Angriffen auf Stromversorgungsanlagen" im Süden des Landes zum Stromsparen auf.
In seiner Rede an die Nation sagte US-Präsident Donald Trump am Donnerstagabend zum Iran-Krieg lediglich, die Vereinigten Staaten siegten im Iran, und die Bürger würden "die Früchte dieser Arbeit schon sehr sehr bald sehen". Trump hatte kürzlich mit einer Ausweitung der Angriffe gedroht, falls die Verhandlungen mit Teheran über ein endgültiges Ende des Krieges scheitern sollten. In diesem Fall werde es auch Angriffe auf Kraftwerke und Brücken geben, sagte er. Teheran warnte daraufhin vor Gegenangriffen in der gesamten Region.
Nach den US-Angriffen in der Nacht zu Freitag attackierte der Iran unter anderem US-Hubschrauber und -Flugzeuge auf einem Luftwaffenstützpunkt in Bahrain. Dies geschehe "als Reaktion auf die feindselige Handlung des Gegners, städtische Infrastruktur und unschuldige Menschen anzugreifen", hieß es im iranischen Staatsfernsehen. Das bahrainische Militär erklärte, es habe "mehrere iranische Luftangriffe abgewehrt."
Laut dem iranischen Staatsfernsehen wurden zudem US-Militäreinrichtungen in Kuwait angegriffen. Das kuwaitische Stromministerium erklärte, in einem Kraftwerk sei durch einen iranischen Angriff ein Brand ausgelöst worden.
Die iranischen Revolutionsgarden zerstörten nach eigenen Angaben zwei US-Radaranlagen im Oman. Zudem hätten sie "mehrere" in Jordanien stationierte Flugzeuge der US-Armee bei Angriffen zerstört. Die Revolutionsgarden sind die ideologische Armee des Iran und eine wichtige Stütze der Islamischen Republik. Die jordanische Armee fing nach eigenen Angaben drei Raketen ab.
Auch Katar wurde angegriffen. Laut Verteidigungsministerium wehrten die Streitkräfte eine Raketenattacke ab. Die Revolutionsgarden erklärten, sie hätten Radarsysteme und Militärflugzeuge der Vereinigten Staaten angegriffen.
Zudem attackierten die Revolutionsgarden nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens den Militärstützpunkt Al-Tanf im Südosten Syriens. Aus syrischen Militärkreisen wurde dies dementiert. Die USA hatten im Februar bekanntgegeben, sich von dem Stützpunkt zurückgezogen zu haben.
Vor der Küste des Oman wurde nach Angaben der britischen Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) ein Tanker von einem "unbekannten Projektil" getroffen und beschädigt. In der jüngsten Vergangenheit waren wiederholt Schiffe im Bereich der Straße von Hormus angegriffen worden.
Die Situation in der gesamten Region eskaliert seit einiger Zeit wieder. Seit Anfang April galt im Iran-Krieg eine Waffenruhe, die aber zusehends brüchig wurde. In der vergangenen Woche erklärte sie Trump dann für beendet.
Beide Seiten hatten Mitte Juni ein Rahmenabkommen unterzeichnet, das binnen 60 Tagen zu einem Friedensabkommen führen sollte. Trotz der Eskalation der vergangenen Tage dauern die Vermittlungsbemühungen an. Ein Durchbruch scheint nicht in Sicht.
Die als Vermittler auftretenden Länder China und Pakistan riefen die USA und den Iran nach einem Treffen ihrer Außenminister in Shanghai dazu auf, die Verhandlungen wieder aufzunehmen, wie das Außenministerium in Peking mitteilte. Die Bundesregierung rief Teheran "dringend" dazu auf, die Angriffe einzustellen. "Alle Beteiligten" sollten die Verhandlungen fortsetzen, sagte Vize-Regierungssprecher Sebastian Hille in Berlin.
A.Santos--PC