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Guterres-Nachfolge: Sechs Bewerber versprechen in Debatte UN-Reformen
Eine Woche vor Beginn des Auswahlprozesses für die Nachfolge von UN-Generalsekretär António Guterres haben sechs Kandidatinnen und Kandidaten in einer Debatte für ihre Prioritäten geworben. Der Leiter der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), Rafael Grossi, sprach sich für ein stärkeres Einschreiten der Vereinten Nationen in internationalen Konflikten aus. Wenn ein Mitgliedstaat einen Krieg beginne, sei dies "ernst genug, damit der Generalsekretär eingreift".
"Wir müssen die Glaubwürdigkeit der UNO als Gesprächspartner wiederherstellen", fügte der Argentinier Grossi hinzu. Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet erklärte, ohne die USA explizit zu erwähnen, sie werde sich nicht dem Druck mächtiger Geberländer beugen. "Ich werde deutlich sagen, was ich für meine moralische Pflicht halte", sagte sie.
Auch der ehemalige Präsident des Senegal, Macky Sall, warb für eine "agilere und effizientere" UNO. Neben den dreien bewerben sich auch die frühere Präsidentin der UN-Vollversammlung, María Fernanda Espinosa aus Ecuador, die Chefin der UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD), Rebeca Grynspan aus Costa Rica, und die Diplomatin Carolyn Rodrigues-Birkett aus Guyana.
Die sechs Anwärter für den Top-Posten bei den Vereinten Nationen ließen sich drei Stunden lang von Diplomaten, UN-Mitarbeitern und Vertretern der Zivilgesellschaft befragen. Nicht mit von der Partie war der angebliche Wunschkandidat von US-Präsident Donald Trump: Fifa-Chef Gianni Infantino.
Beobachter sehen die Vereinten Nationen vor ihrer größten Bewährungsprobe seit der Gründung vor rund 81 Jahren. US-Präsident Donald Trump hatte die Finanzmittel gekürzt und wirft der UNO regelmäßig vor, sie sei ineffizient und verschwende Geld. Er gründete im Januar einen eigenen "Friedensrat", der aber nur von relativ wenigen Staaten unterstützt wird.
Am 30. Juli steht die erste, anonyme Abstimmung der 15 Mitglieder des Sicherheitsrats an. Es folgen dann mehrere weitere, bis einer der Kandidaten die erforderlichen neun Stimmen erhält. Dabei haben die fünf ständigen Mitglieder - USA, Großbritannien, China, Frankreich und Russland - ein Vetorecht. Der Kandidat oder die Kandidatin wird formell von der UN-Vollversammlung ernannt. Die Amtsübernahme ist für den 1. Januar 2027 vorgesehen.
Mit Blick auf die traditionelle, aber nicht immer respektierte geografische Rotation erhebt Lateinamerika dieses Mal Anspruch auf den Posten. Sall ist der einzige Kandidat, der nicht aus der Region stammt. Viele Staaten fordern außerdem, dass eine Frau das Amt übernimmt - es wäre eine Premiere.
A.Motta--PC