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UN-Generalsekretär Guterres: "Sehr konstruktive Treffen" auf geteilter Insel Zypern
Neun Jahre nach gescheiterten Friedensgesprächen unter Schirmherrschaft der Vereinten Nationen hat UN-Generalsekretär António Guterres auf der geteilten Mittelmeerinsel Zypern neue Gespräche auf beiden Seiten geführt. Er sprach am Dienstag von "zwei sehr konstruktiven Treffen". Das Präsidialamt der griechischsprachigen Republik Zypern erklärte, Ziel bleibe eine zweiteilige Föderation. Der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Tufan Erhürman, warb um "Vertrauen". Er befürwortet anders als der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan eine Wiedervereinigung auf der Insel.
Guterres besuchte Zypern als erster UN-Generalsekretär seit Ban Ki Moon im Jahr 2010. Zunächst traf er Nikos Christodoulidis, den Präsidenten der Republik Zypern, die Mitglied der EU ist. Anschließend begab er sich auf die türkische Seite der geteilten Hauptstadt Nikosia, um dort den im Oktober gewählten Staatschef der selbst ausgerufenen Türkischen Republik Nordzypern, Erhürman, zu treffen.
Anschließend wollte der UN-Generalsekretär mehrere Stunden lang Vertreter der Zivilgesellschaft und andere Gruppen treffen, ehe er die Anführer der türkischen und griechischen Seite zu einem gemeinsamen Abendessen einladen wollte. Am Mittwoch ist ein trilaterales Treffen geplant.
"Ich möchte meine Solidarität mit dem zyprischen Volk und mein Engagement für die Suche nach einer Lösung bekräftigen", sagte Guterres nach seinen Gesprächen - "sowohl mit den Zyprern als auch mit den Garantiemächten". Zum Auftakt seines Besuchs hatte Guterres im Onlinedienst X erklärt, die UNO könne "keinen Frieden aufzwingen". Nur die Zyprer könnten diesen "durch ihre Anführer schaffen".
Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals marschierte die türkische Armee auf der Insel ein. Zuvor hatten Putschisten den amtierenden zyprischen Präsidenten abgesetzt - mit dem Ziel, Zypern an Griechenland anzuschließen. 1983 wurde die Türkische Republik Nordzypern ausgerufen. Diese wird ausschließlich von der Türkei anerkannt. Die griechischsprachige Republik Zypern trat 2004 der EU bei. Die UNO bemüht sich seit langer Zeit um eine Vermittlung, bisher allerdings ohne Erfolg.
Das Präsidialamt der Republik Zypern sprach nun von einer "substanziellen und aufrichtigen Diskussion" von Christodoulidis und Guterres. In der Folge solle ein informelles Gesprächsformat einberufen werden, das dann als Sprungbrett für neue Verhandlungen dienen könne. Diese sollten möglichst bis Jahresende und damit zum Ende der Amtszeit von Guterres zu konkreten Entwicklungen führen, sagte ein Sprecher. Die Haltung "vor allem der Türkei" sei "entscheidend".
Auch Beobachtern zufolge ist die Unterstützung der türkischen Regierung entscheidend für echte Fortschritte in den Friedensgesprächen. Die Regierung in Ankara hatte ihre Position in den vergangenen Jahren jedoch verhärtet. Vor dem Besuch von Guterres auf Zypern hatte der türkische Außenminister Hakan Fidan die Haltung Ankaras bekräftigt, dass "die realistischste Lösung der Zypernfrage in der Koexistenz der beiden Staaten auf der Insel liegt".
Der Präsident der Türkischen Republik Nordzypern, Erhürman, befürwortet indes die Wiedervereinigung und hat auf eine Wiederaufnahme der Gespräche mit der griechischen Seite gedrungen. Erhürman hatte bei der Präsidentschaftswahl vor neun Monaten den von Ankara unterstützten Amtsinhaber Ersin Tatar geschlagen, der eine Zwei-Staaten-Lösung befürwortet. Nach dem Treffen mit Guterres sagte Erhürman, er wolle nach den 2004 und 2017 gescheiterten Friedensgesprächen "die Dinge diesmal anders angehen".
J.Pereira--PC