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Marokkanische NGO fordert Untersuchung der Ursachen für die Geschehnisse in Ceuta
Die marokkanische Menschenrechtsorganisation AMDH dringt nach dem Ankommen zehntausender Migranten in der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika auf eine Untersuchung zum Auslöser des Geschehens. Eine "seriöse und unabhängige Untersuchung" sei nötig, um "vollständige Klarheit über die Umstände und Ursachen" zu gewinnen, erklärte die Nichtregierungsorganisation (NGO) am Samstag. Auch müssten "Verantwortlichkeiten" festgestellt werden.
Die AMDH spricht von "fast 130 Opfern" und Dutzenden Vermissten im Zuge der Geschehnisse in der an Marokko grenzenden spanischen Exklave. Nach Angaben der spanischen Regierung kamen mindestens 67 Migranten auf dem Weg nach Ceuta ums Leben. Seit Wochenbeginn waren bis zu 60.000 Menschen von Marokko auf dem Land- oder Seeweg in das Gebiet gekommen, wie der spanische Innenminister Fernando Grande-Marlaska sagte. Nach Angaben seines Ministeriums kehrte mittlerweile "fast die Gesamtheit" der angekommenen Migranten nach Marokko zurück.
Was genau den Ansturm der Migranten auslöste, war vorerst unklar. Die marokkanischen Behörden gaben keine offizielle Erklärung dazu ab. Der spanische Ministerpräsident Pedro Sánchez machte von der "Schleusermafia" verbreitete Gerüchte über eine angeblich geöffnete Grenze für die Geschehnisse verantwortlich.
Die oppositionelle marokkanische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD) forderte ihrerseits die Einsetzung einer "nationalen Kommission" zur "unparteiischen und transparenten Untersuchung" der Ereignisse. Die gemäßigt konservative Partei des früheren Regierungschefs Abdelilah Benkirane verurteilte "mit Nachdruck das Schweigen der Regierung angesichts dieser schmerzhaften und bedauerlichen Ereignisse".
Die dramatischen Geschehnisse in Ceuta ließen zuletzt zunehmend Gräben in der EU bei der Migrationspolitik zutage treten. Die große Mehrheit der Mitgliedstaaten forderte eine Dringlichkeitssitzung der Innenminister per Video, um "massenhafte und unkontrollierte Grenzübertritte" künftig zu verhindern. Die Sitzung soll am Dienstag stattfinden. Spaniens Regierungschef Sánchez warf seinerseits einigen EU-Ländern eine "egoistische" und "rechtswidrige" Reaktion vor.
US-Präsident Donald Trump hatte das Eintreffen der Migranten in Ceuta mit einer "Invasion" verglichen und von einer "Katastrophe" gesprochen. Er leitete daraus eine Warnung für die US-Kongresswahlen am 3. November ab: "Dasselbe wird bei uns passieren, wenn die Republikaner nicht gewählt werden – nur noch schlimmer, in noch größerem Ausmaß."
E.Paulino--PC