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Holocaust-Gedenktag für Sinti und Roma: Besserer Schutz für Minderheit angemahnt
Der Antiziganismusbeauftragte der Bundesregierung, Michael Brand, hat größere Anstrengungen zum Schutz von Sinti und Roma in Deutschland angemahnt. Der Umgang mit Minderheiten zeige, wie es um eine Demokratie bestellt sei, sagte Brand am Sonntag im Deutschlandfunk anlässlich des europäischen Holocaust-Gedenktages für Sinti und Roma. "Die Sinti und Roma sind Teil von Deutschland", hob der CDU-Politiker hervor.
Zwischen 1933 und 1945 waren bis zu 500.000 Sinti und Roma von den Nationalsozialisten ermordet worden. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden die letzten rund 4300 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau verbliebenen Sinti und Roma getötet. Seit 2015 ist der 2. August daher Holocaust-Gedenktag für diese Volksgruppe.
In der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau fand an diesem Sonntag eine Gedenkfeier statt, an der auch Brand teilnahm. "Die Stimmen der Überlebenden werden über 80 Jahre nach dem Ende des Nazi-Regimes weniger", erklärte Brand im Anschluss. "Es liegt jetzt an uns allen, die Erinnerung wachzuhalten, die Geschichte weiterzutragen und jeder Form von Antiziganismus, Rassismus und Menschenverachtung gemeinsam entschieden entgegenzutreten."
Als Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland erklärte Weihbischof Matthias Heinrich, die Verfolgung und Ermordung der Sinti und Roma während des Zweiten Weltkriegs "mahnt uns heute, sensibel zu sein für alle Formen von Antiziganismus und diesen entschieden entgegenzutreten". Die Deutsche Bischofskonferenz arbeitet derzeit an einer Erklärung zum Verhältnis zu den Sinti und Roma, die sich auch mit der Frage der Schuld der Kirche befassen soll. Die Erklärung soll im kommenden Jahr veröffentlicht werden.
Brand warnte im Deutschlandfunk, Minderheiten würden heute wieder vermehrt "zur Zielscheibe gemacht" und Stereotype über sie verbreitet. "Diskriminierung findet an ganz vielen Stellen auch heute weiter statt und sie hat zugenommen", sagte der CDU-Politiker.
Laut dem Jahresbericht der Melde- und Informationsstelle Antiziganismus (MIA) hat die Zahl der Bedrohungen und Diskriminierungen von Sinti und Roma in Deutschland im vergangenen Jahr erneut deutlich zugenommen. Dokumentiert wurden 2025 demnach insgesamt 2076 antiziganistische Vorfälle. Verglichen mit dem Vorjahr mit 1678 fällen ist das ein Anstieg um 24 Prozent.
Die Bundesregierung beschloss Anfang Juli, eine Aufarbeitungskommission zum Unrecht an Sinti und Roma in der Zeit nach 1945 einzusetzen. "Das ist unglaublich spät", räumte Brand im Deutschlandfunk ein. Er sei aber "froh, dass das jetzt gelungen ist". Es sei "notwendig, dass man das aufarbeitet", denn Diskriminierung aus der NS-Zeit habe sich danach vielfach in anderer Form fortgesetzt - etwa beim Umgang mit Behörden oder bei der Wohnungssuche.
J.V.Jacinto--PC