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Nach Selenskyjs Appell an Musk: Ukraine meldet bessere Starlink-Verbindung
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den US-Technologieunternehmer Elon Musk zur Wiederherstellung des Satelliten-Kommunikationsdienstes Starlink in der Ukraine aufgefordert - kurz darauf meldete das ukrainische Verteidigungsministerium eine Verbesserung der Verbindungen. "Wenn die Angriffe weitergehen und Starlink nicht funktioniert, werden natürlich Menschen sterben", sagte Selenskyj am Mittwoch in einem Interview mit dem Journalisten Piers Morgan.
Die Verbindung habe sich bei Empfangsgeräten, die sich mit bis zu 160 Kilometern pro Stunde bewegen, verbessert, teilte das Ministerium mit. SpaceX halte aber an einer Geschwindigkeitsgrenze von 161 Stundenkilometern fest. Die Regierung stehe mit SpaceX in Kontakt, um einen stabilen Betrieb sicherzustellen.
Musk verwies unterdessen auf die Verantwortung der US-Regierung für das militärisch genutzte Satellitensystem Starshield. "Starshield-Systeme gehören der US-Regierung und werden von ihr kontrolliert", erklärte er auf X. "Alle Begrenzungen bei Geschwindigkeit oder Nutzung werden vom US-Militär und letztlich vom POTUS (Präsidenten der Vereinigten Staaten) entschieden." Beide Systeme wurden von Musks Unternehmen SpaceX entwickelt: Starshield dient der militärischen Kommunikation, Starlink laut Musk zivilen und defensiven Zwecken.
Der Technologieberater des Verteidigungsministeriums, Serhij Beskrestnow, hatte erklärt, Starlink sei in der Nacht zum Mittwoch stark eingeschränkt gewesen. Dies habe ukrainische Angriffe scheitern lassen.
Das Satellitennetz nutzt die ukrainische Armee zur Kommunikation an der Front und zur Steuerung von Drohnen. Bei zu hoher Fluggeschwindigkeit kann die Verbindung abbrechen. Der frühere ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte, Angriffs- und Abfangdrohnen könnten bei Geschwindigkeiten bis 160 Stundenkilometern wieder fliegen.
Wegen angeblich fehlender Warnungen vor russischen Luftangriffen warf ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter den USA vor, Russland im Krieg gegen sein Land zu unterstützen. Es sei "offensichtlich", dass Russland "aus irgendeinem Grund" geholfen werde, sagte er AFP.
"Es war bereits zweimal so, dass uns die Amerikaner nicht über den Start russischer Raketen informiert haben, als unser Energiesektor attackiert wurde", sagte der Regierungsvertreter. "Obendrein haben sie die Geschwindigkeit von Starlink gedrosselt." Selenskyj beklagte, die Ukraine sei "wieder einmal" nicht rechtzeitig gewarnt worden.
Die Ukraine ist in ihrem Abwehrkampf gegen russische Angriffe stark auf US-Geheimdienstinformationen angewiesen. Medienberichten zufolge hatte Washington mit deren Einstellung gedroht. Ein ranghoher ukrainischer Regierungsvertreter bestätigte nun eine solche Drohung. US-Präsident Donald Trump bestritt dies am Dienstag.
Ein US-Regierungsvertreter bestritt eine Änderung von Washingtons Haltung zum Austausch von Geheimdienstinformationen. Nato-Generalsekretär Mark Rutte verwies auf Trumps Zusicherung, dass der Austausch weitergehe. Auch die EU sah "keine Anzeichen" für einen Stopp. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erkannte keine "substanzielle Verringerung" der US-Unterstützung.
Selenskyj beklagte bei einem Treffen mit dem britischen Premierminister Andy Burnham in London Schwierigkeiten mit Starlink und den Geheimdienstinformationen. Dennoch setze die Ukraine auf eine "Partnerschaft mit den Vereinigten Staaten". Burnham kündigte eine beschleunigte Lieferung britischer Flugabwehrraketen an.
Selenskyj bejahte im Interview mit Morgan zudem die Frage, ob er sich durch Trumps Diesel-Abkommen mit Russland verraten fühle. "Es ist schmerzhaft, wenn Präsident Trump sich für eine Seite entscheidet, nicht für unsere", sagte er. Es gehe "nicht um mich, sondern um das Überleben meines Landes".
Wegen der infolge des Iran-Kriegs stark gestiegenen Kraftstoffpreise steht Trump kurz vor den US-Kongresswahlen unter Druck. Er verlangte ein Ende ukrainischer Angriffe auf die Energieinfrastruktur in Russland und kündigte Dieselimporte aus Russland trotz Sanktionen an. Zudem verkündete er eine "Energie-Waffenruhe" Russlands und der Ukraine, von der Selenskyj nach eigenen Angaben nichts wusste.
Der Kreml rechnet nach eigenen Angaben vom Mittwoch "in den nächsten Tagen" mit ersten Diesel-Lieferverträgen mit den USA. Zwölf US-Senatoren, darunter sechs Republikaner, warfen Trump wegen des Deals "Verrat" am ukrainischen Volk vor.
Russland setzte derweil seine Angriffe auf die Ukraine fort. In Kiew wurden nach Behördenangaben sechs Menschen getötet und dutzende weitere verletzt. In zwei aufeinanderfolgenden Nächten schlugen dort Raketen ein, bevor rechtzeitig Luftalarm ausgelöst werden konnte. Ein getroffenes Heizkraftwerk führte zu Strom- und Wasserausfällen. Im westukrainischen Luzk starben sechs Menschen, in den Regionen Dnipropetrowsk und Saporischschja drei weitere.
Russland warf der Ukraine seinerseits Drohnenangriffe auf Raffinerien in Saratow und Rjasan und damit einen Verstoß gegen die angebliche "Energie-Waffenruhe" vor. Selenskyjs Berater Dmytro Lytwyn wies die Vorwürfe zurück. Im südrussischen Balakowo wurde laut einem Medienbericht ein Rechenzentrum der Sberbank von einer Drohne getroffen; dabei sei ein Mensch getötet worden.
G.Machado--PC