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Super-Dänen zu stark: Handballer verpassen EM-Krönung
Gold-Traum geplatzt, Silber gewonnen! Deutschlands Handballer haben die Krönung ihres EM-Wintermärchens verpasst. Der Triumphzug der Mannschaft von Bundestrainer Alfred Gislason endete am Sonntagabend in der Hölle von Herning trotz einer irren Paraden-Show von Torhüter Andreas Wolff und einer mitreißenden Teamleistung gegen Olympiasieger und Weltmeister Dänemark. Die 27:34 (16:18)-Niederlage in einem epischen und hochintensiven Endspiel schmerzte, mit dem Gewinn der Silbermedaille feierte das deutsche Team aber den größten Erfolg bei einer Europameisterschaft seit dem Titelgewinn vor zehn Jahren.
Die DHB-Auswahl bot dem nun dreimaligen Champion vor 15.000 lärmenden Zuschauern in der ausverkauften Jyske Bank Boxen, darunter neben Bundeskanzler Friedrich Merz auch seine dänische Amtskollegin Mette Frederiksen und Dänemarks Königin Mary, einen aufopferungsvollen Kampf. Sie musste sich dem Highspeed-Handball der weltbesten Handballmannschaft am Ende aber geschlagen geben.
Bis zum 27:29 (55.) gestalteten Wolff und seine Mitspieler die Partie ausgeglichen, zum Ende drehte Dänemark mit seinen herausragenden Einzelkönnern aber auf. In der Schlussphase schwanden nach einem kräftezehrenden Turnier mit neun Spielen auch die Kräfte, zumal Abwehrspezialist Tom Kiesler nach einem groben Foulspiel an Welthandballer Mathias Gidsel früh die Rote Karte sah. Beste deutsche Torschützen waren Spielmacher Juri Knorr, Kapitän Johannes Golla und Marko Grgic mit je fünf Treffern.
Dänemark, das vor anderthalb Jahren schon das Olympia-Finale gegen Deutschland (39:26) gewonnen hatte, beendete dagegen seinen 14 Jahre dauernden EM-Fluch und holte als erster Gastgeber einer Europameisterschaft seit 2002 den Titel. Zudem machten die Skandinavier als zweites Team nach Frankreich (2010) den Golden Slam des Handballs perfekt und sicherten sich nach Olympia- und WM-Gold auch den EM-Titel.
Für Deutschland, das auf den ersten Pflichtspielsieg gegen Dänemark seit 2016 weiter warten muss, enden mit dem Finale von Herning zweieinhalb intensive Wochen, die der jungen Mannschaft trotz der Final-Niederlage reichlich Rückenwind geben dürften.
Kapitän Johannes Golla und Co. überzeugten nicht bloß mit sechs Siegen, darunter Erfolge gegen Spanien, Frankreich und Kroatien. Sie holten auch die insgesamt fünfte EM-Medaille für eine DHB-Auswahl. Neben den beiden Titeln 2004 und 2016 gewann ein deutsches Team 1998 Bronze sowie 2002 Silber. Zur neuerlichen Medaillen-Sause lud der Verband das Team am Sonntagabend ins Cafe HumleChok in Silkeborg zu Burgern und Bier ein.
Trainer Gislason gab sich trotz des kurzfristigen Ausfalls von Kreisläufer Julius Fischer (Infekt) kämpferisch. "Wir müssen eine überragende Abwehr hinstellen und eine sehr gute Torhüterleistung bringen", sagte der DHB-Coach unmittelbar vor dem Anpfiff im ZDF: "Wir sind ein krasser Außenseiter, ohne Frage. Aber wir wollen das Spiel gewinnen, dafür müssen wir ein perfektes Spiel machen." Kanzler Merz attestierte der deutschen Mannschaft schon vor der Partie ein "sagenhaftes Turnier" und freute sich auf "ein total spannendes Spiel".
Das bekam er. Das deutsche Team bestach von Sekunde eins mit ganz viel Leidenschaft und kühlte den brodelnden Hexenkessel mit der ersten Führung durch Knorr 5:4 (10.) erstmal runter. Als Kiesler wenig später raus musste und die Dänen durch einen Pytlick-Doppelpack nach einer Viertelstunde auf 10:7 stellten, drohte kurzzeitig Ungemach. Doch Golla traf acht Minuten später zum 13:13. "Jungs, wir haben sie genau da, wo wir sie haben wollen", lobte Gislason in der Auszeit: "Vorne ist das überragend, Juri, überragender Angriff. Wir spielen sehr gut über die Breite. Der Rückzug ist unglaublich wichtig."
Die Dänen blieben aber am Drücker. Und es war vor allem Keeper Wolff, der im Gegensatz zum verlorenen Hauptrundenspiel gegen die Dänen (26:31) von Beginn an ran durfte, dass der Halbzeitrückstand mit zwei Toren gering ausfiel. "In Dänemark ein Finale gegen den Gastgeber zu spielen, ist mega geil. Wir müssen die Halle noch mehr zum Pfeifen bringen", sagte Franz Semper in der Pause.
Die Dänen drückten weiter aufs Tempo. Zwar glich Golla beim 19:19 (35.) aus, doch offensiv leistete sich Deutschland gegen Dänemarks Schlussmann Kevin Möller immer wieder Fehlwürfe. Es half zunächst nur wenig, dass auch Wolff nun immer besser ins Spiel fand und sein Team mit teils spektakulären Paraden im Spiel hielt. Beim 22:26 (45.) wuchs der Rückstand dennoch erstmals auf vier Treffer.
Gislason reagierte, der Isländer nutzte erstmals im Turnierverlauf im Angriff die Variante mit einem siebten Feldspieler. Dies zeigte Wirkung: Deutschland robbte sich beim 24:26 (51.) wieder heran, Wolff war in dieser Phase beinahe unüberwindbar. Jannik Kohlbacher sah spät nach grobem Foulspiel Rot (57.), das Spiel war da allerdings gelaufen.
A.P.Maia--PC