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Hitzewelle hat weite Teile Westeuropas im Griff - Neue Temperaturrekorde in Frankreich
Eine Hitzewelle von großem Ausmaß hat Teile Westeuropas fest im Griff: In Deutschland, Frankreich, Spanien und Italien gab es am Dienstag Hitze-Warnungen und -Rekorde; in zahlreichen Regionen galt die höchste Warnstufe, die mit extremen und potenziell gesundheitsschädlichen Temperaturen verbunden ist. Frankreich meldete am Dienstag die heißeste Nacht sowie den heißesten Tag seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Für Belgien und Großbritannien wurden weitere Hitze-Rekorde vorhergesagt.
Es ist bereits die zweite Hitzewelle in Westeuropa in nur knapp einem Monat. Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte am Dienstag Warnungen vor extremer Hitze für weite Teile Nordrhein-Westfalens sowie für Teile von Rheinland-Pfalz und Baden-Württemberg. Eine einfache Hitze-Warnung galt fast im gesamten Rest des Landes, nur nicht im Norden von Brandenburg, im Großteil von Mecklenburg-Vorpommern und dem Norden von Schleswig-Holstein. Das Wasser des Rheins und der Mosel erwärmte sich stellenweise auf mehr als 25 Grad, was das ökologische Gleichgewicht der Gewässer stört.
In Frankreich waren mehr als die Hälfte des Landes von der höchsten Hitzewarnstufe Rot betroffen, in zahlreichen weiteren Départements galt die zweithöchste Warnstufe. Damit waren etwa 90 Prozent der Bevölkerung betroffen. Wegen der extremen Hitze wurde das südfranzösische Atomkraftwerk Golfech heruntergefahren. Der Eiffelturm und das Louvre-Museum schlossen bereits am Nachmittag.
Premierminister Sébastien Lecornu verstärkte die Bereitschaft des medizinischen Personals. 1800 Schulen im ganzen Land waren wegen der Hitze am Dienstag geschlossen. Während der Hitzewelle wurden in Frankreich in den vergangenen Tagen mehrere Höchstwerte übertroffen worden: Am Dienstag wurde mit 29,8 Grad Landesdurchschnitt der Tages- und Nachttemperaturen an 30 Messstationen der höchste Wert seit Beginn der Aufzeichnungen 1947 registriert. Auch die Nacht zum Dienstag war mit 21,6 Grad Durchschnittstemperatur die wärmste in Frankreich seit Aufzeichnungsbeginn.
Die spanische Wetterbehörde Aemet rief am Dienstag die höchste Alarmstufe Rot für Gebiete rund um das südspanische Córdoba sowie im Norden des Landes für Bilbao und Teile der Region Kantabrien aus. Für weite Teile von Zentral- und Nordspanien galt die zweithöchste Alarmstufe Orange, für fast den gesamten Rest des Landes die Hitze-Warnstufe gelb.
Am Montag registrierten 101 der 828 Aemet-Wetterstationen im Land Temperaturen von mindestens 40 Grad. Bei etwa 30 Messstationen sanken die Temperaturen in der Nacht zum Dienstag nicht unter 25 Grad. An der Küste von Almeira in der südlichen Region Andalusien lagen die Temperaturen die dritte Nacht in Folge auch nach Sonnenuntergang bei über 30 Grad.
In Italien rief das Gesundheitsministerium für 15 Städte, darunter Rom und Mailand, die höchste Hitze-Alarmstufe aus. Ab Mittwoch gelte die Alarmstufe Rot zudem für eine 16. und ab Donnerstag für eine 17. Stadt. Zu den damit verbundenen Empfehlungen gehört es, sich in den heißesten Stunden des Tages drinnen aufzuhalten, viel zu trinken und besonders auf gefährdete Mitmenschen zu achten.
Wegen der übermäßigen Nutzung von Klimaanlagen kam es in Mailand und Turin zu Stromausfällen. In der Zeitung "Corriere della Sera" beschwerte sich ein Ärzteverband über schlecht oder gar nicht funktionierende Klimaanlagen in sieben staatlichen Kliniken in Rom.
Die Hitzewelle, die am Wochenende begonnen hatte, gefährdet insbesondere alte und chronisch kranke Menschen, führt aber auch zu mehr tödlichen Badeunfällen. Auch in Deutschland wird die Liste solcher Unglücke immer länger. In Nordrhein-Westfalen starb ein 14-Jähriger nach einem Badeunfall im Rhein-Herne-Kanal, wie die Polizei in Gelsenkirchen am Dienstag mitteilte. Ein gemeinsam mit ihm verunglückter 19-Jähriger schwebte demnach weiter in Lebensgefahr. In Frankreich kamen seit Donnerstag vergangener Woche 40 zumeist junge Menschen bei Badeunfällen ums Leben.
Wegen der Hitze-Belastung wurde in England an einigen Schulen der Unterricht verkürzt oder gestrichen. Für Mittwoch und Donnerstag rief die britische Wetterbehörde Met Office für Gebiete in Südengland die höchste Hitze-Warnstufe Rot aus, die im Vereinigten Königreich bislang nur ein Mal, und zwar im Juli 2022, ausgerufen worden war. Wegen der Hitze strichen mehrere Bahn-Unternehmen bis Donnerstag einen Teil ihrer Verbindungen.
In Belgien sagte das Meteorologie-Institut IRM eine Woche mit den höchsten Temperaturen seit Aufzeichnungsbeginn voraus.
Wissenschaftlern zufolge werden derartige Hitzewellen im Zuge des Klimawandels häufiger und heftiger. "Das Klima-Chaos beschleunigt sich vor unseren Augen", warnte UN-Generalsekretär António Guterres bei der Londoner Klima-Aktionswoche. Die internationale Gemeinschaft müsse daher viel entschlossener gegen die Erderwärmung vorgehen und die Nutzung klimaschädlicher fossiler Energieträger drastisch zurückfahren.
L.Torres--PC