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Brände in Frankreich und Spanien: Rund 270.000 Menschen von Evakuierungen betroffen
Die beispiellosen Waldbrände in Frankreich und Spanien haben nach offiziellen Angaben bis Samstag rund 270.000 Menschen in die Flucht getrieben. In Südwestfrankreich brannte im Département Gironde bislang eine Fläche von der vierfachen Größe der Hauptstadt Paris ab, wie Innenminister Laurent Nuñez sagte. in Spanien gab es bei dem Brand nahe Madrid trotz verbesserter Löschbedingungen vorerst keine Entwarnung. In beiden Ländern waren weiter hunderte Feuerwehrleute im Einsatz.
In Südwestfrankreich mussten sich laut Innenminister Nuñez 167.000 Menschen im Département Gironde in Sicherheit bringen, außerdem etwa 30.000 im benachbarten Département Landes. Für Spanien gab das zuständige Innenministerium die entsprechende Gesamtzahl am Samstagmittag mit mehr als 70.000 an. Damit waren in beiden Ländern insgesamt gut 100.000 Menschen mehr von Evakuierungen betroffen als noch am Freitag.
In ganz Frankreich waren am Samstag laut Nuñez mehrere Brände weiter nicht unter Kontrolle. Besonders stark war weiter der Südwesten betroffen. Aber auch im Département Var im Südosten loderten Flammen.
Seit Jahresbeginn brannte in Frankreich nach den Worten von Innenminister Nuñez eine Fläche von der zehnfachen Größe der Haupstadt Paris ab - nach seinen Worten ein "historischer Rekord". Das liege vor allem an dem Großfeuer im Département Gironde. Seit Tagen kämpfen in der Gegend nahe der Großstadt Bordeaux und bei Biscarrosse im Département Landes Einsatzkräfte gegen die Flammen. Aus Vororten wurden mindestens 3500 Menschen evakuiert.
Hundert Feuerwehrleute aus Paris sollten nun bei der Brandbekämpfung helfen, sagte der Kommandeur der Pariser Feuerwehrbrigade, Arnaud de Cacqueray, der Nachrichtenagentur AFP. Der Einsatz sei fast dreimal so umfangreich wie die Entsendung Pariser Feuerwehrleute bei den schweren Bränden von 2022. De Cacqueray rechnete deshalb mit längeren Reaktionszeiten in der Hauptstadt und appellierte an die Bevölkerung, die Feuerwehr dort nur in absoluten Notfällen zu rufen.
Zur Unterstützung der Feuerwehr sollte bereits ab Samstag ein militärisches Transportflugzeug vom Typ A400M eingesetzt werden. Premierminister Sébastien Lecornu ordnete nach Angaben seines Büros die Entsendung der Maschine an. Zudem berief er für den Nachmittag erneut einen ministeriumsübergreifenden Krisenstab ein. Am Vortag hatte der Innenminister zudem den Einsatz von insgesamt tausend Militärangehörigen im Kampf gegen die Flammen angekündigt.
Das A400M-Flugzeug soll mit einem versuchsweise entwickelten System ausgestattet werden, mit dem es 20 Tonnen Löschmittel abwerfen kann - etwa doppelt so viel wie ein Löschflugzeug vom Typ Dash. Der A400M-Einsatz war wegen technischer Vorbereitungen und Tests ursprünglich erst für Ende dieses Monats vorgesehen.
In Spanien gab es bei dem Großfeuer nahe Madrid vorerst keine Entwarnung: Teile der Gegend westlich der spanischen Hauptstadt waren am Samstag durch die Waldbrände weiter in Rauch gehüllt. Brandgeruch drang bis ins Zentrum Madrids vor. Allerdings breiteten sich die Flammen nach Regierungsangaben wegen "erheblich" besserer Bedingungen vorerst nur noch wenig aus.
Bei einem Besuch im Dorf Cenicientos in der Brandzone sagte Ministerpräsident Pedro Sánchez, vorrangiges Ziel sei es, "Leben zu retten". Er fügte hinzu: "Wir stehen vor einigen schwierigen Stunden, denn auch wenn die Temperaturen gesunken sind, wissen wir nicht genau, wie sich der Wind entwickeln wird, wie stark er sein wird."
Zwei von drei Bränden westlich von Madrid waren nach Behördenangaben zuvor zu einem Großfeuer verschmolzen, das sich mit einem weiteren Waldbrand in der benachbarten Region Kastilien und León verbinden könnte. Der größte Brand in Spanien in der Provinz Guadalajara nordöstlich von Madrid loderte am Samstag weiter. Dort vernichteten die Flammen bislang etwa 32.000 Hektar Land.
Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) bot Frankreich, Spanien und Italien die Unterstützung Deutschlands bei Löscharbeiten an. Die Bundesrepublik stehe zu entsprechender Hilfe "bereit", erklärte er im Onlinedienst X. "In Krisenzeiten hält Europa zusammen", fügte Wadephul hinzu. Spanien und Frankreich haben bereits Unterstützung aus anderen europäischen Ländern in Form von Flugzeugen erhalten.
Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.
Grünen-Chefin Franziska Brantner forderte angesichts der Feuer mehr Aufmerksamkeit für den Klimaschutz. "Diese Brände zeigen erneut, wie verletzlich unsere Gesellschaften durch die Folgen der Klimakrise geworden sind", sagte Brantner der Nachrichtenagentur AFP in Berlin. "Umso wichtiger ist es, jetzt entschlossen zu helfen und gleichzeitig alles dafür zu tun, solche Katastrophen künftig zu begrenzen."
M.Carneiro--PC