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Hohe Kerosinkosten und Arbeitskämpfe: Lufthansa stoppt Flugangebot von Cityline
Die hohen Kerosinkosten und die derzeitigen Arbeitskämpfe werden für die Lufthansa immer mehr zur Belastung. Die Airline stoppte am Donnerstag mit sofortiger Wirkung das Flugangebot der Tochtergesellschaft Cityline. Die "aktuelle Krise" zwinge das Unternehmen, die schon länger geplante Maßnahme nun früher umzusetzen, erklärte der Finanzvorstand des Lufthansa-Konzerns, Till Streichert. Scharfe Kritik daran kam von der Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).
Die Lufthansa verwies auf die deutlich gestiegenen Kerosinpreise, die sich im Vergleich zum Zeitraum vor dem Iran-Krieg "mehr als verdoppelt" hätten. Zudem gebe es steigende "Mehrbelastungen aus Arbeitskämpfen", erklärte der Konzern, dessen Flugbetrieb seit Beginn dieser Woche durch neuerliche Streiks von Piloten und Kabinenpersonal erheblich beeinträchtigt wird. Finanzvorstand Streichert sprach von einem schmerzhaften Schritt. Umso wichtiger sei es nun, "Weiterbeschäftigungsmöglichkeiten im Konzern zu finden".
Als erster "unmittelbar wirksamer Schritt" werden der Lufthansa zufolge "ab übermorgen zunächst die 27 operativen Flugzeuge von Lufthansa Cityline endgültig aus dem Programm genommen, um weitere Verluste der defizitären Fluggesellschaft zu reduzieren". Zudem sollen mit Ende des Sommerflugplans auch vier ältere Langstreckenflugzeuge die Flotte der Kernmarke Lufthansa verlassen. Im kommenden Winterflugplan sollen in einem dritten Schritt dann die Kapazitäten auf der Kurz- und Mittelstrecke um weitere fünf Flugzeuge reduziert werden.
Zwar ist nach Konzernangaben der Kerosinverbrauch der Passagier-Airlines der Gruppe "auf Basis des Rohöl-Preises mit rund 80 Prozent überdurchschnittlich hoch abgesichert". Die verbleibenden 20 Prozent müssen demnach aber "zu den deutlich gestiegenen Marktpreisen gekauft werden". Dieser besonders teure Anteil des Treibstoffbedarfs werde durch die Maßnahmen "um rund zehn Prozent reduziert".
Wie die Lufthansa außerdem mitteilte, soll es zur "weiteren Absenkung der administrativen Kosten" auch "neue Sparvorgaben für Stellenbesetzungen, interne Veranstaltungen und externe Beratungsleistungen" geben. Diese sollen demnach "das bestehende Abbauziel von konzernweit 4000 Stellen in der Verwaltung bis 2030" flankieren.
Die Vereinigung Cockpit kritisierte die kurzfristige Einstellung des Cityline-Flugbetriebs scharf und zeigte sich besorgt über die Auswirkungen auf die Beschäftigten sowie den Luftverkehrsstandort Deutschland. Die Maßnahme erfolge "ohne Rücksicht auf die Mitarbeitenden", erklärte VC-Präsident Andreas Pinheiro.
Die angeführten geopolitischen Gründe erschienen "nicht überzeugend, da kein Wettbewerber derzeit Kapazitäten in diesem Umfang aus dem Markt nimmt". Vielmehr deute vieles darauf hin, "dass es sich um eine Maßnahme im Zusammenhang mit den aktuellen tarifpolitischen Konflikten innerhalb des Konzerns mit VC und UFO handelt".
Der Flugbetrieb der Lufthansa, die am Mittwoch ihr 100-jähriges Bestehen gefeiert hatte, war am Donnerstag den vierten Tag in Folge von Streiks des Kabinenpersonals und der Piloten massiv beeinträchtigt.
Die Vereinigung Cockpit hatte im Streit um Verbesserungen bei der betrieblichen Altersvorsorge der Piloten bereits für Montag und Dienstag und dann erneut für Donnerstag und Freitag zum Arbeitskampf bei der Lufthansa-Kernmarke, der Cityline sowie Lufthansa Cargo aufgerufen. Die Gewerkschaft Unabhängige Flugbegleiter Organisation (UFO) rief ihrerseits zu einem zweitägigen Arbeitskampf ab Mittwoch auf. Hier geht es im Tarifstreit vornehmlich um die Arbeitsbedingungen der Flugbegleiter und Flugbegleiterinnen.
L.Carrico--PC