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Airbus-Rüstungschef fordert Festhalten an Luftkampf-System FCAS
Der Chef des Rüstungskonzerns Airbus Defence and Space, Michael Schöllhorn, hat sich für ein Festhalten am deutsch-französischen Luftkampfsystem FCAS ausgesprochen, plädiert jedoch für die Entwicklung eines neuen deutschen Kampfjets, sollte es keine Einigung mit Frankreich geben. "Ich glaube nicht, dass FCAS vor dem Scheitern steht", sagte Schöllhorn dem "Spiegel". Das System bestehe nicht nur aus dem Kampfjet, sondern habe sieben Pfeiler. Dazu gehörten Drohnen und die sogenannte Combat Cloud, mit der alle Teile des Kampfsystems digital miteinander vernetzt werden sollen.
Die Abkürzung FCAS steht für Future Combat Air System. Geplant war das System als Rückgrat der deutsch-französischen Luftverteidigung ab den 2040er Jahren. Ein mit Tarnkappentechnik ausgestatteter Kampfjet sollte bei der deutschen Luftwaffe langfristig den Eurofighter Tycoon und bei den französischen Luftstreitkräften das Kampfflugzeug Rafale ablösen.
Für die französische Luftwaffe gelten dabei jedoch andere Anforderungen als für die deutsche. So sollen französische Jets auch auf einem Flugzeugträger landen oder Atomwaffen tragen können. Die deutsche Luftwaffe braucht hingegen eher ein schnelles Jagdflugzeug. Immer wahrscheinlicher ist daher inzwischen, dass Deutschland und Frankreich jeweils einen eigenen Kampfjet auf Grundlage einer gemeinsamen Plattform entwickeln.
"Im Moment funktioniert die Kooperation nur bei einem Pfeiler nicht", sagte Schöllhorn. Deshalb müsse auch über Alternativen zu einem gemeinsamen Flugzeug nachgedacht werden. "Wir brauchen ein FCAS inklusive eines bemannten Flugzeugs in der sechsten Generation", sagte der Airbus-Manager. "Und wenn es nicht mit Dassault passieren sollte, dann muss es in einer anderen europäischen Kooperation passieren."
Ein Führungsstreit zwischen den beteiligten Konzernen Dassault und Airbus verzögert das Projekt seit Monaten. Der französische Rüstungskonzern Dassault nimmt für sich eine Führungsrolle bei der Entwicklung des Kampfjets in Anspruch, bei Airbus ist man der Ansicht, Dassault halte sich damit nicht an Absprachen.
Schöllhorn zeigte sich besorgt über einen zunehmenden Nationalismus in der Verteidigungspolitik. "Wir sehen eine starke Betonung auf rein nationale Champions", sagte der Airbus-Manager. Schließlich gehe es um europäische Souveränität. Es gebe "Tendenzen zu einer nationalen Fragmentierung, die mir Sorgen bereiten". Er verstehe, "dass die Verteidigungsbudgets national sind, dass überall Zeitdruck da ist, dass Politiker sich rechtfertigen müssen, wie viel Geld ins eigene Land zurückfließt". Aber der Druck, immer nationaler zu werden, sei "nicht gesund".
L.Henrique--PC