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Report: Wirtschaft im Osten holt auf - Aber noch keine Augenhöhe mit dem Westen
Ostdeutschland und seine Wirtschaftskraft holen auf - aber auf Augenhöhe mit dem Westen befindet sich die Konjunktur insgesamt noch immer nicht. Der Aufholprozess für die ostdeutschen Länder müsse daher "neu gedacht" und die strukturellen Defizite entschlossener angegangen werden, lautet das Fazit des am Donnerstag vorgestellten diesjährigen Wettbewerbsreports Ostdeutschland. Darin fordern die Experten, den Fokus vordergründig auf Investitionen und Fachkräfte zu lenken.
Der Report wurde vom Saarower Kreis, einem Bündnis ostdeutscher Wirtschaftsverbände, initiiert und von einer Reihe von Experten herausgegeben, unter anderem vom Ifo Institut Dresden und dem Ostdeutschen Bankenverband. Grundlage des Berichts ist wiederum der Ifo-Faktenmonitor mit Strukturdaten zu Ostdeutschland, die einen gesamtdeutschen Vergleich erlauben.
Der Report mit dem Titel "Der Aufholprozess ist in Gefahr" zeigt einerseits, dass der Prozess vorankommt: So lag das Bruttoinlandsprodukt je Erwerbstätigem in den ostdeutschen Flächenländern 2025 bei rund 85 Prozent des westdeutschen Durchschnittswerts. Vor zehn Jahren waren es erst 78 Prozent und 1991 lag der Wert bei nur 34,5 Prozent.
Brandenburg steht mittlerweile laut Report sogar stärker da als die drei schwächsten westdeutschen Länder Saarland, Schleswig-Holstein und Rheinland-Pfalz. Auch in einigen Landkreisen ist die wirtschaftliche Leistungskraft nun höher als im gesamtdeutschen Durchschnitt, zum Beispiel in der Uckermark, in Jena und im Saalekreis. Das zeige, dass die Grenze nicht immer zwischen Ost und West, sondern zwischen strukturschwachen und dynamischen Regionen verlaufe.
Gleichwohl gebe es weiterhin zentrale strukturelle Defizite, die angegangen werden müssten. Es brauche "eine realistische und kritische Bewertung sowie konsequente Aktivitäten aus Politik und Wirtschaft, damit der Wachstumsprozess neuen Schwung erhält", forderte der Mitherausgeber Joachim Ragnitz von der Dresdner Ifo-Niederlassung. Die Ostbeauftragte der Bundesregierung, Elisabeth Kaiser (SPD), nur mit der Stärkung des ostdeutschen Standorts "fördern wir den wirtschaftlichen Erfolg unseres gesamten Landes".
Große Defizite sieht der Bericht bei den Investitionen: Unternehmen in Ostdeutschland investierten "viel zu wenig, um stärkere Produktivitätssteigerungen realisieren zu können". Zwischen 2019 und 2023 lagen die Bruttoanlageinvestitionen je Einwohner nur bei gut drei Vierteln des westdeutschen Niveaus. Ein Grund sei die Überalterung der Bevölkerung - und damit auch der Unternehmer. Auch die geringe Größe der ostdeutschen Firmen spiele mit hinein, was sich darauf auswirkt, Kredite zu bekommen.
Außerdem warnt der Bericht vor einer spürbaren Absenkung des Potenzials an Fachkräften und Arbeitskräften bis 2035 - wiederum durch Überalterung, aber auch Abwanderung. Ein "Mangel an Arbeitsplätzen" wie noch kurz nach der Wiedervereinigung sei kein großes Problem mehr. Besonders Sachsen-Anhalt und Thüringen seien von der "demografischen Schrumpfung" betroffen. Eine höhere Zuwanderung von qualifizierten ausländischen Arbeitskräften wäre nötig, "wovon aktuell jedoch nicht auszugehen ist".
Nicht zuletzt fehle es an ausreichenden Ausgaben für Forschung und Entwicklung. Auch der Anteil akademisch qualifizierter Beschäftigter sei "trotz vergleichsweise hoher Bildungsausgaben" gering, monierte der Bericht.
Die Experten forderten daher, sich auf die drei großen Themen Investitionen, Innovation und Bildung zu fokussieren. Denkbar seien etwa bessere Abschreibungsregeln und Steueranreize für Unternehmen, mehr private Kapitalgeber und neben der Zuwanderung eine stärkere Bindung von Hochschulabsolventen an regionale Firmen. Die Bereiche Forschung und Entwicklung müssten ebenso gestärkt werden wie der Standort Ost - etwa durch einen weiteren Ausbau der Infrastruktur und schnellere Planungsverfahren.
H.Silva--PC