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Lauterbach und Grünen-Politikerin Lang für Widerspruchslösung bei Organspenden
Angesichts der langen Wartelisten bei der Organspende hat der frühere Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) erneut die Einführung einer Widerspruchslösung gefordert. Es gebe eine "hohe Spendenbereitschaft in Deutschland", das zeige die Zustimmung von fast 90 Prozent der zuletzt Registrierten, sagte Lauterbach der "Rheinischen Post" (Mittwochsausgabe). Diese hohe Bereitschaft werde aber "nicht realisiert, die Organe gehen verloren".
Derzeit ist es so, dass Organspendende nur all diejenigen sind, die das zu Lebzeiten festlegen und entsprechend dokumentieren lassen. Dabei können Spendenwillige angeben, welche Organe und Gewebeteile sie nach ihrem ärztlich festgestellten Tod bereit sind zu spenden - entsprechend können sie auch alles ausschließen. Möglich ist auch, dass eine andere Person benannt wird, die diese Entscheidung dann treffen soll.
Statt der aktuellen Zustimmungslösung, bei der sich Spenderinnen und Spender aktiv registrieren müssen, forderte Lauterbach eine Widerspruchslösung, wonach Erwachsene dann so lange als potenzielle Organspenderinnen und Organspender gelten, bis sie dem aktiv widersprechen. "Wer nicht spenden möchte, kann sich sicher und eindeutig ins Register eintragen lassen und wird so nicht versehentlich zum Spender", sagte Lauterbach.
"Das Argument der Gegner, dass eine Widerspruchslösung abschreckend wirkt, haben wir auch in keinem anderen Land gesehen", sagte der frühere Minister und betonte: "Schlimmer als jetzt kann es nicht werden." Zwar hat sich in Deutschland die positive Entwicklung bei Organspenden zuletzt fortgesetzt - es sind aber noch immer deutlich zu wenige.
Bundesweit stehen nach Angaben der Deutschen Stiftung Organspende (DSO) und des Bundesgesundheitsministeriums mehr als 8000 Menschen auf der Warteliste für ein Organ. Ende vergangenen Jahres waren es exakt 8199.
Auch die Grünen-Politikerin Ricarda Lang hält eine Widerspruchslösung vor dem Hintergrund der langen Warteliste für zumutbar. Sie finde es nachvollziehbar, dass sich Menschen nicht "mit dem eigenen Tod befassen" wollten, sagte sie ebenfalls der "Rheinischen Post". An dieser Stelle setze die Widerspruchslösung an, bei der alle Erwachsenen zunächst eingetragen sind, bis sie widersprechen.
"Niemand darf gezwungen werden, gegen seinen Willen zum Organspender zu werden", sagte Lang. "Aber wir können von erwachsenen Menschen erwarten, dass sie zumindest einmal im Leben eine informierte und bewusste Entscheidung treffen. Denn am Ende hängen andere Leben davon ab."
Eine fraktionsübergreifende Gruppe von Bundestagsabgeordneten aus Union, SPD, Grünen und Linken hatte Anfang Mai einen neuen Anlauf gestartet, um bei der Organspende die sogenannte Widerspruchslösung zu verankern. An der Widerspruchslösung gibt es aber auch Kritik, unter anderem lehnen die evangelische und die katholische Kirche sie ausdrücklich ab.
E.Paulino--PC