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Zahl dokumentierter antisemitischer Vorfälle verharrt 2025 auf hohem Niveau
Bedrohungen, tätliche Angriffe, Holocaust-Leugnungen: Die Zahl antisemitischer Vorfälle in Deutschland hat im vergangenen Jahr erneut zugelegt und befindet sich damit weiterhin auf einem hohen Niveau. Die Meldestellen des Bundesverbands der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (Rias) dokumentierten 2025 insgesamt 8725 antisemitische Vorfälle, wie aus dem am Mittwoch vorgestellten Jahresbericht hervorgeht. Besonders Vorfälle mit einem rechtsextremen Hintergrund nahmen stark zu.
Im Jahr 2024 war die Zahl antisemitischer Vorfälle sprunghaft um 77 Prozent auf 8627 Fälle angestiegen, das war ein neuer Höchststand. Grund dafür war vor allem der ungebremste Anstieg dokumentierter Fälle seit dem Angriff der radikalislamischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 und den damit verbundenen Gegenmaßnahmen Israels. Auch für das vergangene Jahr gab der Bundesverband an, dass israelbezogener Antisemitismus bei gut zwei Drittel aller Vorfälle dokumentiert wurde.
Rias zufolge wurden Jüdinnen und Juden häufig an alltäglichen Orten Opfer von Antisemitismus - so wurden Gemeindemitglieder vor einem Gebetsraum beleidigt und gespuckt, Rabbiner im Supermarkt gestoßen oder Jüdinnen und Juden im Bus mit der Leugnung der Schoa konfrontiert. Auch Schmierereien an Wohnhäusern und von Stolpersteinen sowie antisemitische Äußerungen am Arbeitsplatz, in Bars oder in Schulen dokumentierte die Stelle erneut.
Deutliche Steigerungen gab es neben Vorfällen mit rechtsextremem Hintergrund auch bei Antisemitismus im Netz, wie aus dem Bericht hervorgeht. Über ein Viertel (27 Prozent) der Vorfälle ereigneten sich online. Viele davon "vermitteln den Eindruck, dass Antisemitismus online ungehemmter artikuliert wird", heißt es in dem Bericht. Das gelte besonders für Bedrohungen und die Nutzung einschlägiger Symbole und Emojis.
Das Ausmaß antisemitischer Vorfälle sei auch im zweiten Jahr nach dem Angriff der Hamas vom Oktober 2023 auf einem "sehr hohen Niveau" geblieben, heißt es in dem Bericht weiter. "Eine Trendwende war nicht zu erkennen." Erneut habe sich gezeigt, dass die Lage im Nahen Osten vielen als Anlass dafür diente, sich antisemitisch zu äußern oder Jüdinnen und Juden anzugreifen.
Für Jüdinnen und Juden bleibe Antisemitismus damit ein "alltagsprägendes Phänomen, das ihnen in den unterschiedlichsten Lebensbereichen begegnete". Ein "breiter gesellschaftlicher Widerspruch" zu antisemitischen Aussagen und Solidarität mit Jüdinnen und Juden sei hingegen oft ausgeblieben, beklagte der Bericht.
In den vergangenen Wochen hatten bereits einige Bundesländer ihre Bilanz für 2025 veröffentlicht. So stieg die Zahl etwa in Niedersachsen auf einen neuen Höchststand, auch in Sachsen-Anhalt nahm sie zu. In Berlin ging die Zahl antisemitischer Vorfälle zwar leicht zurück, blieb aber auf einem hohen Niveau. In der Bundeshauptstadt ereignete sich 2025 auch ein extremer Gewaltvorfall, als ein spanischer Besucher des Holocaust-Mahnmals mit einem Messer angegriffen wurde und nur knapp überlebte.
A.F.Rosado--PC