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Windkraft auf See: Milliardenschwerer Großauftrag für Neptun-Werft in Rostock
Für den Stromtransport von Offshore-Windparks ans Festland ist der Bau großer Konverterplattformen nötig - davon profitieren soll künftig auch die heimische Wirtschaft, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Der Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz vergab einen milliardenschweren Großauftrag, für den wesentliche Komponenten auf der Rostocker Neptun-Werft gefertigt werden sollen. Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) bezeichnete dies als "hervorragende Nachricht" für ihr Bundesland.
Konverterplattformen sind wichtig, um Strom von Windparks auf See effizient ans Festland zu bringen. Denn Windparks auf See erzeugen Wechselstrom, für eine möglichst verlustarme Übertragung über weite Strecken ist jedoch Gleichstrom nötig.
Wie 50Hertz am Mittwoch mitteilte, sollen nun zum ersten Mal Offshore-Konverterplattformen des neuen 2-Gigawatt-Standards überwiegend in Deutschland gebaut werden. Dafür beauftragte der Übertragungsnetzbetreiber ein Konsortium aus Siemens Energy und dem Unternehmen Neptun Smulders Offshore Renewables (NSORe), welches ein Joint-Venture der Neptun-Werft und des belgischen Bauunternehmens Smulders ist.
Sie sollen ein Konvertersystem für das Offshore-Netzanbindungsprojekt North Sea Connector 2 errichten, dessen Inbetriebnahme bis Ende 2034 geplant ist. Dieses Anbindungsprojekt soll aus einer Plattform auf dem Meer und einer Station an Land bestehen, wobei der landseitige Konverter in der Nähe von Schwerin geplant ist.
Die Installation der Offshore-Konverter erfolgt laut 50Hertz in der Nordsee rund 200 Kilometer westlich von Sylt. Hierfür soll auf der Neptun-Werft die sogenannte Topside als Hauptgebäude der Plattform gefertigt werden. In Rostock werde der Großteil der Konstruktion und Fertigung erfolgen, erklärte der Übetragungsnetzbetreiber. Durch die Aufträge könnten langfristig mehr als 500 neue Arbeitsplätze in Mecklenburg-Vorpommern bei den beteiligten Unternehmen und Zulieferern geschaffen werden.
50Hertz-Chef Stefan Kapferer hob hervor, dass sich in dem Ausschreibungsverfahren "sowohl preislich als auch technisch" ein Konsortium habe durchsetzen können, "das wesentliche Komponenten auf einer Werft in unserem Netzgebiet fertigen lässt". Dies beweise, "dass heimische Werften beim Bau von Offshore-Plattformen mittlerweile wettbewerbsfähige Angebote abgeben können".
Wie 50Hertz weiter mitteilte, wurden mit NSORe außerdem Verhandlungen für eine weitere Konverterplattform in gleicher Dimension aufgenommen. Auch dafür sollten wesentliche Komponenten in Rostock-Warnemünde gefertigt werden. Komme dieser Auftrag zustande, würden sich die beiden Projekte zusammen demnach auf ein Volumen für NSORe von rund 2,5 Milliarden Euro summieren - überwiegend für Produktion und Dienstleistungen in Mecklenburg-Vorpommern.
Ministerpräsidentin Schwesig erklärte, die Großprojekte stünden "für industrielle Wertschöpfung, gute Arbeitsplätze und Zukunftstechnologien". Sie zeigten, "dass Mecklenburg-Vorpommern bei der Energiewende eine wichtige Rolle spielt". Dass nun ein erster Großauftrag vergeben wurde, sei "ein wichtiger Erfolg für die maritime Wirtschaft unseres Landes und ein starkes Signal für den Industriestandort Mecklenburg-Vorpommern".
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) verwies darauf, dass es weltweit bislang nur wenige Anbieter gebe, die 2-Gigawatt-Offshore-Konverterplattformen bauen könnten. Umso bedeutender sei es, "dass nun ein Konsortium entstanden ist, das den Einstieg in den Konverterplattformbau in Deutschland wagt".
Erfreut äußerte sich auch Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), in dessen Bundesland die Meyer-Werft-Gruppe Schiffe fertigt, zu welcher wiederum auch die Rostocker Neptun-Werft gehört. Die Vergabe für den Großauftrag zeige, "dass die Energiewende nicht nur klimapolitisch notwendig ist, sondern auch konkrete Wertschöpfung, industrielle Kompetenz und zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland sichert", erklärte er.
Auf Gewerkschaftsseite wurde der milliardenschwere Großauftrag ebenfalls begrüßt: "Seit über vier Jahren kämpfen wir dafür, dass die Offshore-Industrie an der Ostsee eine echte Zukunftsperspektive erhält", erklärte der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Daniel Friedrich. Die Entscheidung sei "ein wichtiger Durchbruch für den Industriestandort und die Beschäftigten in der Region". Sie zeige, "welches Potenzial in der Offshore-Windenergie und ihren Zulieferketten steckt".
Für Mecklenburg-Vorpommern komme "dieser Erfolg zur richtigen Zeit", erklärte CDU-Landeschef Daniel Peters. "Wir brauchen dringend jede Investition, die neue industrielle Wertschöpfung ins Land holt und qualifizierte Arbeitsplätze dauerhaft sichert", teilte er mit. "Die heutige Entscheidung macht Mut und zeigt, dass der Aufstieg unseres Landes keine Theorie ist, sondern ganz konkret in Rostock-Warnemünde beginnt."
J.Oliveira--PC