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Wim Wenders Film "Perfect Days" hat in Cannes Premiere
Eine Goldene Palme hat er schon, nun hofft er auf eine zweite: Star-Regisseur Wim Wenders ist zur Premiere seines Films "Perfect Days" am Donnerstag in Begleitung seiner Frau Donata und der japanischen Filmcrew über den roten Teppich geschritten. Im knielangen Frack mit Schleife am Kragen und ungewohntem Schnäuzer posierte Wenders für die Fotografen und begrüßte dann die deutsche Festivalspräsidentin Iris Knobloch mit Wangenküsschen.
Entgegen der in Cannes geltenden Regel holten Wenders und seine Frau ihre Smartphones heraus, um schnell ein Foto zu schießen. Im Kinosaal wurde der deutsche Altmeister des Autorenkinos mit lebhaftem Beifall empfangen.
Der in Japan gedrehte Film "Perfect Days" erzählt die Geschichte eines feinsinnigen Putzmanns, der in Tokio öffentliche Toiletten reinigt - und zugleich seiner Leidenschaft für Musik und Literatur nachgeht. "Die Idee dazu kam mir in Tokio, und der Film hätte auch nirgendwo anders gedreht werden können", sagte Wenders in einem Interview auf der Website des Festivals.
"Die unheimliche architektonische Schönheit" der stillen Örtchen habe ihn zu dem Film inspiriert. "Ich war fasziniert, wie sehr Toiletten Teil der Alltagskultur sein können, nicht nur eine peinliche Notwendigkeit", sagte Wenders.
Sein Putzmann reinigt auch nicht irgendwelche Toiletten, sondern architektonische Schmuckstücke, die im Rahmen des Projekts "The Tokyo Toilet" seit 2020 eingerichtet wurden. Dazu zählen etwa Toilettenhäuschen mit transparenten Glaswänden, die undurchsichtig werden, sobald ein Nutzer von innen abschließt. Eine andere öffentliche Toilette ist mit Holzlamellen ausgestattet, die das Lüften erleichtern.
Auf die Frage, ob es ein poetischer Film sei, antwortete Wenders in dem Interview: "Poesie lässt sich nicht erzwingen. Es ist ein wunderbares Geschenk, das ein Filmemacher erhält, zu dem die Schauspieler, die Orte und das Licht beitragen."
Wie häufig bei Wenders spielt die Musik eine wichtige Rolle in dem Film. Zum Soundtrack zählen unter anderem der Song "Perfect Day" von Lou Reed, der sich im Filmtitel findet, sowie Songs von Van Morrison und Patti Smith.
Mit den japanischen Schauspielern konnte Wenders nur mit Hilfe eines Übersetzers sprechen. "Wir haben schnell eine stille Körpersprache gefunden", sagt Wenders über den Hauptdarsteller Koji Yakusho, der unter anderem in "Die Geisha" (2005) spielte.
Nach einem Bericht der Zeitschrift "Variety" haben sich bereits vor der Premiere mehrere Verleihe für "Perfect Days" interessiert. In Deutschland kommt der Film am 23. Dezember in die Kinos.
Wenders hatte 1984 mit "Paris, Texas" als zweiter Deutscher nach Volker Schlöndorff mit seiner "Blechtrommel" die Goldene Palme gewonnen. Er gehört zu den Filmemachern, die im Laufe ihrer Karriere am häufigsten nach Cannes eingeladen wurden. Zu seinen bekanntesten Werken zählt der poetische Film "Der Himmel über Berlin", in dem Bruno Ganz und Otto Sander Engel darstellen.
Drei seiner Dokumentarfilme, "Buena Vista Social Club" (1990) über kubanische Musiker, "Pina" (2012) über die Choreografin Pina Bausch und "Das Salz der Erde" (2014) über den brasilianischen Fotografen Sebastião Salgado brachten Wenders Oscar-Nominierungen ein.
F.Carias--PC