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Großbritannien verweigert Rapper Kanye West nach antisemitischen Sprüchen Einreise
Nach antisemitischen und Nazi-verherrlichenden Äußerungen hat die britische Regierung dem US-Rapper Kanye West die Einreise verweigert. Eine von West beantragte Einreisegenehmigung für dessen geplante Auftritte bei einem Musikfestival im Sommer wurde mit der Begründung abgelehnt, dass dessen Anwesenheit in Großbritannien dem öffentlichen Wohl nicht dienlich sei, wie die Sendeanstalt BBC am Dienstag unter Berufung auf das Innenministerium in London berichtete. Die Veranstalter sagten das Festival daraufhin ab.
Laut bisheriger Planung sollte West im Juli an allen drei Abenden des Wireless-Festivals in London auftreten. Wegen antisemitischer Äußerungen des Rappers hatte der geplante Auftritt scharfe Kritik ausgelöst. Die Getränkekonzerne Pepsi und Diageo zogen sich als Sponsoren des Festivals zurück.
Aktivisten hatten die Regierung bereits am Wochenende aufgefordert, West die Einreise unter Verweis auf das öffentliche Wohl zu untersagen. Die Gruppe Campaign Against Antisemitism begrüßte die Entscheidung der Regierung am Dienstag. Damit unterstreiche London die Aussage, dass Antisemitismus in Großbritannien keinen Platz habe, mit Taten.
Die Organisatoren des Wireless-Festivals sagten daraufhin das gesamte dreitägige Musikfest ab. Ticketbesitzer würden automatisch entschädigt, erklärten sie.
West hatte in den vergangenen Jahren immer wieder mit antisemitischen Äußerungen Negativ-Schlagzeilen gemacht. Zum 80. Jahrestag des Weltkriegs-Endes im vergangenen Jahr veröffentlichte er einen Song mit dem Titel "Heil Hitler", zuvor vermarktete er T-Shirts mit Hakenkreuz-Aufdruck. Zuletzt hatte der Rapper, der wegen seines erratischen Auftretens viele Fans verloren hat, seine antisemitischen Äußerungen mit einer bipolaren Störung begründet und betont, er sei weder Nazi noch Antisemit.
Der britische Premierminister Keir Starmer hatte sich gegenüber der "Sun" am Wochenende "zutiefst beunruhigt" darüber gezeigt, dass West trotz seiner judenfeindlichen und Nazi-freundlichen Äußerungen für das Wireless-Festival gebucht wurde.
Am Dienstag schlug West in einer Zeitungsanzeige unter der Überschrift "An die, welche ich verletzt habe" ein Treffen mit Vertretern der jüdischen Gemeinschaft in Großbritannien vor. "Ich wäre dankbar für die Gelegenheit, Mitglieder der jüdischen Gemeinschaft im Vereinigten Königreich persönlich zu treffen", schrieb der heute unter dem Namen Ye auftretende Musiker im "Wall Street Journal".
Sein einziges Ziel sei, "nach London zu kommen um eine Show der Veränderung zu präsentieren und durch meine Musik Einheit, Frieden und Liebe zu bringen", schrieb West in seiner Anzeige. Er wisse, dass Worte allein nicht ausreichten - "Ich muss durch meine Handlungen Veränderung zeigen. Wenn ihr bereit seid - hier bin ich."
Der Präsident der Vertretung der britischen Juden, Phil Rosenberg, äußerte am Dienstag grundsätzlich die Bereitschaft zu einem Treffen mit West. Allerdings sei er nicht überzeugt, dass eine Festivalbühne der richtige Ort sei, Reue und Ehrlichkeit unter Beweis zu stellen. "Die jüdische Gemeinschaft will echte Reue und eine Veränderung sehen", erklärte Rosenberg.
Gegen Wests Europa-Tournee hatte sich zuvor bereits in Frankreich Widerstand geregt. Der Bürgermeister von Marseille hatte den Rapper als "nicht willkommen" in der südfranzösischen Hafenstadt bezeichnet.
P.Serra--PC