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Walschlepper in Cuxhaven eingetroffen - Tierärztin erhebt Vorwürfe gegen Crew
Nach der Freilassung des zuvor mehrfach in der Ostsee gestrandeten Buckelwals in der offenen Nordsee ist einer der beteiligten Walschlepper in Cuxhaven eingetroffen. Eine an Bord gewesene Tierärztin der privaten Rettungsinitiative erhob nach ihrer Ankunft in der Nacht auf Montag schwere Vorwürfe gegen Teile der Schlepperbesatzung und sprach von mangelnder Transparenz sowie tierschutzwidrigem Vorgehen. Wo sich der Wal derzeit aufhält, war am Montag weiter unklar.
Die Tierärztin der Initiative, Kirsten Tönnies, sagte in Cuxhaven vor Journalisten, zwar hätten die Schiffsleute "weitestgehend einen richtig guten Job gemacht", den Wal zu bergen und zu transportieren. Beim Entladen des Wals seien jedoch Unterstützer der privaten Rettungsinitiative "belogen" und "betrogen" worden.
Von der Entladeaktion sei sie selbst "außen vor gehalten" worden, sagte Tönnies weiter. Sie habe "deutlich protestiert", sei aber nicht einbezogen worden. Ihr Gefühl an Bord beschrieb Tönnies als "mulmig".
Besonders kritisch äußerte sich Tönnies zu einem ersten, letztlich gescheiterten Entladeversuch. Ihr sei geschildert worden, dass wiederholt versucht worden sei, den Wal mit der Fluke rückwärts mithilfe von Seilen aus seinem Transportkahn herauszuziehen. Das sei "gegen die Natur dieser Tiere", da sei sie "nicht mit einverstanden", betonte Tönnies.
Zudem kritisierte die Tönnies eine aus ihrer Sicht fehlende Transparenz bei der Entladeaktion des Wals. Die Crew habe dabei "heimlich" und "total früh" gehandelt und lediglich einem Helfer der privaten Initiative Zugang gewährt. Zudem habe die Crew "verhindert, dass es Filmaufnahmen gibt", sagte Tönnies.
Tönnies kritisierte insbesondere, dass der Wal aus ihrer Sicht zu früh freigesetzt worden sei. Es habe "nichts dagegen" gesprochen, die Fahrt weiter fortzusetzen. Aus tiermedizinischer Sicht habe es "keinen Grund" gegeben, nicht einen vorsichtigeren, schrittweisen Entladeversuch zu unternehmen.
Derweil prüfen die Helfer der Initiative nach eigenen Angaben rechtliche Schritte. "Wir werden jetzt alles aufklären und dann werden wir natürlich auch die Fragen entsprechender gerichtlicher Konsequenzen oder auch strafrechtlicher Konsequenzen abstimmen", sagte deren Sprecherin Constanze von der Meden vor Journalisten in Cuxhaven am Montag.
Wo sich der Wal derzeit aufhält, ist demnach unklar. Es sei nicht auszuschließen, dass der an dem Wal angebrachte Peilsender bei der Rettungsaktion beschädigt worden sei, sagte von der Meden. Derzeit würden lediglich Signale empfangen, die anzeigen, dass beim Auftauchen des Tieres überhaupt ein GPS-Signal erkannt werde. Es würden jedoch "keine weiteren Daten" übermittelt. Eine genaue Ortung des Wals sei damit derzeit nicht möglich.
Der mit Wasser gefüllte Transportkahn war mit dem Wal von der Ostsee bei Poel aus durch dänische Gewässer bis zum Skagerrak geschleppt worden. Dort gelangte das Tier dann am Samstagmorgen gegen 08.45 Uhr ins Meer.
Der im Atlantik heimische Säuger irrte seit Anfang März vor der deutschen Ostseeküste umher und strandete mehrfach. Zuvor hatte er sich offensichtlich in Netzen verfangen, deren Reste er im Maul trug. Rund vier Wochen lang lag er in einem Seitenarm der Wismarer Bucht bei der Insel Poel auf Grund.
A.Aguiar--PC