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Antisemitische Gewalt nach Fußballspiel in Amsterdam international verurteilt
Die antisemitischen Ausschreitungen nach einem Fußballspiel eines israelischen Vereins in Amsterdam sind weltweit mit scharfen Worten verurteilt worden. Der niederländische Ministerpräsident Dick Schoof sagte am Freitag in Budapest, er sei "zutiefst beschämt" über die "furchtbare antisemitische Attacke". UN-Generalsekretär António Guterres sei "schockiert" und verurteile "jede Form von Antisemitismus und Islamfeindlichkeit", sagte eine Sprecherin. US-Präsident Joe Biden nannte die "antisemitischen Attacken" im Onlinedienst X "verabscheuungswürdig". Sie erinnerten an "dunkle Momente der Geschichte, als Juden verfolgt wurden".
Nach Angaben der niederländischen Polizei wurden 62 Menschen festgenommen, nachdem es im Anschluss an ein Spiel von Ajax Amsterdam gegen Maccabi Tel Aviv am Donnerstagabend an mehreren Orten zu gewalttätigen Angriffen auf israelische Fußballfans gekommen war. Fünf Menschen mussten im Krankenhaus behandelt werden, 20 bis 30 Fans wurden leicht verletzt.
Amsterdams Polizeichef Peter Holla betonte, die Polizei sei mit 800 Beamten im Einsatz gewesen und habe sich "wochenlang" auf das Spiel vorbereitet. Die Taktik der Angreifer habe es jedoch "außergewöhnlich" schwer gemacht, die Attacken zu verhindern.
Die Bürgermeisterin von Amsterdam, Femke Halsema, sagte, die Stadt sei durch "hasserfüllte antisemitische Randalierer" "zutiefst beschädigt" worden. Die Angreifer hätten Maccabi-Fans ins Visier genommen, geschlagen und seien dann schnell geflüchtet. "Ich kann gut verstehen, dass das Erinnerungen an Pogrome weckt", sagte Halsema und zeigte sich "beschämt" angesichts der Gewalt.
Die Bürgermeisterin kündigte verstärkte Sicherheitsmaßnahmen an, darunter ein vorübergehendes Demonstrationsverbot, mehr Polizeikräfte und zusätzlichen Schutz für bestimmte Einrichtungen.
Der niederländische Regierungschef Schoof sagte in Budapest, er sei "zutiefst beschämt, dass dies 2024 in den Niederlanden passieren konnte". Er kündigte an, die Täter würden bestraft.
Zu Gerüchten über Geiselnahmen sagte die Polizei, dafür gebe es keine "Hinweise". Das israelische Außenministerium teilte später mit, dass der Kontakt zu allen Staatsbürgern in der Stadt wiederhergestellt sei. Die Verletzten konnten demnach das Krankenhaus wieder verlassen.
Am Freitagnachmittag landete auf dem israelischen Flughafen Ben Gurion eine erste Linienmaschine mit israelischen Fans aus Amsterdam. Die Fluggesellschaft El Al teilte mit, sie schicke sechs Flugzeuge in die Niederlande, um die Fußballfans zurückzuholen.
Polizeichef Holla zufolge hatte es bereits in der Nacht zum Donnerstag "Vorfälle auf beiden Seiten" gegeben. Demnach rissen Maccabi-Fans eine Flagge nieder und zerstörten ein Taxi. Zudem sei eine palästinensische Flagge auf einem zentralen Platz verbrannt worden.
Im Vorfeld des Fußballspiels war eine pro-palästinensische Kundgebung gegen den israelischen Fußballclub in eine Gegend weiter entfernt vom Stadion verlegt worden.
In weiteren, nicht-verifizierten Videos, die in Onlinemedien zirkulierten, waren mutmaßliche Maccabi-Anhänger zu sehen, die auf Hebräisch "Nieder mit den Arabern! Wir werden gewinnen" sangen.
Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu wies seinen Geheimdienst Mossad an, einen Plan gegen Gewalt bei Sportveranstaltungen auszuarbeiten. In einem Telefonat mit seinem niederländischen Amtskollegen Schooo sprach Netanjahu von einem "vorsätzlichen antisemitischen Angriff".
Der israelische Präsident Isaac Herzog verurteilte auf X die Ausschreitungen und "die schockierenden Bilder" eines "antisemitischen Pogroms".
Die israelische Armee untersagte vorerst allen Soldaten des Landes Reisen in die Niederlande. Netanjahus Büro riet Fans des Basketballteams von Maccabi Tel Aviv, einem Spiel im italienischen Bologna fernzubleiben. Es gebe in Online-Netzwerken "Aufrufen, Israels und Juden etwas anzutun".
Frankreichs Regierung will derweil an dem geplanten Länderspiel der französischen Nationalmannschaft gegen die israelische Auswahl am nächsten Donnerstag im Stade de France festhalten.
In Deutschland und weiteren Ländern zeigten sich hochrangige Politiker bestürzt. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) nannte die Meldungen über Gewalt gegen israelische Fans in Amsterdam "unerträglich". "Das dürfen wir nicht hinnehmen", schrieb Scholz im Onlinedienst X. "Jüdinnen und Juden müssen sich in Europa sicher fühlen können", forderte er.
Auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verurteilte die Ausschreitungen. "Antisemitismus hat keinen Platz in Europa", schrieb sie bei X.
Der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, schrieb bei X, gerade angesichts des bevorstehenden Jahrestags der Pogromnacht am 9. November in Deutschland sei es ein "Armutszeugnis, dass Juden und Israelis in Westeuropa nicht mehr sicher sein können".
Bundestagspräsidentin Bärbel Bas (SPD) äußerte sich im Bundestag in Zusammenhang mit dem Gedenken an die November-Pogrome 1938 zu den Vorfällen in Amsterdam. "Wir sind uns der Verantwortung bewusst, die aus der Shoah erwächst", sagte sie.
Ein Sprecher des UN-Menschenrechtskommissars bezeichnete die Vorfälle als "sehr verstörend": "Niemand sollte aufgrund seiner Nationalität, Religion, Ethnie oder aus einem anderen Grund Opfer von Diskriminierung oder Gewalt werden".
X.Brito--PC