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Ebola-Epidemie im Kongo weitet sich aus - auch Deutschlands Hilfe gefragt
Die tödliche Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo zieht weitere Kreise: Ein mit dem Virus infizierter US-Bürger soll in Deutschland behandelt werden, wie das Bundesgesundheitsministerium am Dienstag bestätigte. Im Kongo wurden mittlerweile bereits mehr als 130 Todesopfer im Zusammenhang mit der Epidemie gezählt. Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, äußerte sich "sehr besorgt" über das "Ausmaß und die Geschwindigkeit" der Ebola-Ausbreitung.
Das Bundesgesundheitsministerium bestätigte, die US-Behörden hätten "die Bundesregierung um Hilfe bei der Behandlung eines US-amerikanischen Staatsbürgers gebeten, der sich im Kongo mit Ebola infiziert hat". Dazu würden nun Vorkehrungen getroffen. Nährere Angaben wollte das Ministerium zunächst nicht machen, verwies aber darauf, dass Deutschland für die Versorgung von Patienten mit hochansteckenden Krankheiten über ein bundesweites Expertennetzwerk verfüge.
Laut der christlichen US-Hilfsorganisation Serge handelt es sich um einen ihrer Ärzte. Die US-Gesundheitsbehörde CDC hatte am Montag erklärt, dass sich ein US-Bürger "im Rahmen seiner Arbeit in der Demokratischen Republik Kongo" mit dem Ebola-Virus infiziert habe. Er habe im Laufe des Wochenendes Symptome entwickelt und sei am späten Sonntagabend positiv auf das gefährliche Virus getestet worden, sagte der CDC-Verantwortliche Satish Pillai.
Die USA versuchen demnach überdies, sechs weitere Menschen im Kongo für eine Überwachung ihres Gesundheitszustands außer Landes zu bringen. Zum Schutz ihrer Bevölkerung kündigten die US-Behörden die Überprüfung von Passagieren aus Ebola-Ausbruchsgebieten sowie die Aussetzung der Visavergabe an.
Der kongolesische Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba informierte in der Nacht zum Dienstag über einen deutlichen Anstieg der mutmaßlich durch Ebola verursachten Opferzahl. Mittlerweile starben demnach 131 der insgesamt 513 Verdachtsfälle.
Staatschef Félix Tshisekedi rief die Bevölkerung am Dienstag zur Ruhe auf. Er habe die Regierung angewiesen, sofort alle notwendigen Maßnahmen für eine verstärkte Ebola-Bekämpfung zu ergreifen, hieß es in einer vom Präsidialamt im Onlinedienst X veröffentlichten Botschaft.
Die WHO hat wegen der Epidemie am Wochenende eine "gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite" ausgerufen - ihre zweithöchste Alarmstufe. Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union rief am Montagabend wegen des "hohen Risikos einer regionalen Ausbreitung" für den gesamten Kontinent den Notstand aus.
Das Zentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der DR Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. Auch aus der Nachbarprovinz Nord-Kivu wurden Verdachtsfälle gemeldet. Bei zwei Erkrankten im Nachbarland Uganda handelte es sich um zwei Kongolesen, einer von ihnen starb.
Für Dienstag berief die WHO eine Krisensitzung zu der Epidemie ein. WHO-Chef Tedros thematisierte seine Besorgnis bei der Weltgesundheitsversammlung, die noch bis Samstag in Genf stattfindet. Die Ebola-Epidemie dürfte die dortigen Beratungen beeinflussen, auch wenn sie nicht auf der offiziellen Tagesordnung steht.
Die WHO-Repräsentantin im Kongo, Anne Ancia, mahnte am Dienstag: "Ich glaube nicht, dass diese Epidemie in zwei Monaten vorbei sein wird." Sie erinnerte daran, dass die Ebola-Epidemie in der Demokratischen Republik Kongo 2018 bis 2020 zwei Jahre gedauert habe. Damals hatte es fast 2300 Todesopfer gegeben.
Das Ausmaß der aktuellen Epidemie werde abhängen "von der Schnelligkeit unserer Reaktion, unserer Fähigkeit, schnell die Übertragung zu stoppen", betonte Ancia, die aus der kongolesischen Stadt Bunia zugeschaltet vor Journalisten in Genf sprach. Mehrere Tonnen Hilfsgüter wie Ebola-Tests und Schutzausrüstung seien in die betroffenen Gebiete unterwegs. Zudem prüft die WHO laut Ancia auf internationaler Ebene, ob existierende Impfstoffe oder Medikamente bei der Eindämmung dieses Ausbruchs "von Nutzen sein könnten".
Die gegenwärtige Ebola-Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Die Sterblichkeitsrate dieser Variante liegt bei 30 bis 50 Prozent.
Eine weitere Schwierigkeit bei der Bekämpfung der Epidemie liegt darin, dass es an schwer zugänglichen Orten Infektionen gibt sowie in Gebieten, in denen bewaffnete Gruppen aktiv sind. François Moreillon vom Internationalen Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) rief die Konfliktparteien auf, Hilfslieferungen und -einsätze nicht zu behindern. Seine Organisation setzte ihr höchstes Interventionslevel in Kraft und will in den kommenden Tagen Schutzausrüstung in die betroffenen Gebiete bringen.
"Wir sind angesichts der Situation äußerst besorgt, da der humanitäre Bedarf bereits jetzt enorm ist", erklärte Julie Drouet, Landesdirektorin der Hilfsorganisation Aktion gegen den Hunger in der DR Kongo. Angesichts internationalen Kürzungen bei humanitärer Hilfe forderte sie, das besonders gefährdete Gesundheitspersonal sowie die Bevölkerung dürften "in einer solchen Krise nicht im Stich gelassen werden".
T.Vitorino--PC