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US-Behörden geben Nazi-Raubkunst an Erben von jüdischem Kunstsammler zurück
US-Behörden in New York haben sieben in der Zeit des Nationalsozialismus geraubte Kunstwerke an die Erben des jüdisch-österreichischen Kunstsammlers Fritz Grünbaum übergeben. Die Zeichnungen des österreichischen Künstlers Egon Schiele seien "freiwillig" von den letzten Besitzern, darunter das Museum of Modern Art (Moma) in New York, ausgehändigt worden, erklärte die Staatsanwaltschaft von Manhattan am Mittwoch.
Der Kunstsammler, Kabarettist und Kritiker des NS-Regimes, Fritz Grünbaum, wurde 1938 von den Nazis in Österreich festgenommen und in das KZ-Dachau bei München deportiert, wo er 1941 starb. In Dachau musste er seiner Frau Elisabeth eine Vollmacht ausstellen. Sie wurde später gezwungen, die gesamte Sammlung ihres Mannes den NS-Behörden zu übergeben, bevor sie in das bei Minsk gelegene NS-Vernichtungslager Maly Trostinez verschleppt wurde.
Grünbaums Erben bemühen sich seit Jahren vor Gericht um die Rückgabe von Kunstwerken aus seiner einstigen Sammlung. 2018 sprach ihnen ein US-Gericht zwei Bilder zu, nachdem der damalige Präsident Barack Obama den Holocaust Expropriated Art Recovery Act unterzeichnet hatte, das Gesetz zur Wiedererlangung geraubter Kunst.
Staatsanwalt Alvin Bragg bezeichnete die Rückgabe der sieben Schiele-Zeichnungen als "Erinnerung daran", dass es "nie zu spät ist, um einige der Dinge, die wir verloren haben, zurückzugewinnen" und die Opfer der Nazis zu ehren.
Timothy Reif, ein Verwandter Grünbaums und selbst Richter, dankte den Behörden für die erfolgreiche Aufklärung von "Verbrechen, die vor mehr als 80 Jahren begangen wurden". "Danke, dass Sie sich auf die richtige Seite der Geschichte gestellt haben", sagte er bei einer Zeremonie in New York und wandte sich dabei an Staatsanwalt Briggs und dessen auf den illegalen Kunsthandel spezialisierten Mitarbeitern.
Die sieben Zeichnungen waren dieses Jahr von New Yorker Ermittlern vom Moma, der Ronald Lauder Sammlung, der Morgan-Bibliothek, dem Santa Barbara Kunstmuseum und der Vally Sabarsky Stiftung beschlagnahmt worden. Die Institutionen hätten die Kunstwerke nach der Einsicht von Beweisen, dass es sich um Nazi-Raubkunst handelt, bereitwillig abgegeben, erklärte die Staatsanwaltschaft. Sie schätzt den Wert der Aquarell- oder Kreide-Zeichnungen auf insgesamt mehr als neun Millionen Dollar (rund 8,4 Millionen Euro).
Fritz Grünbaum besaß hunderte Kunstwerke, von denen 80 von Schiele stammten. Die Nazis betrachteten die Bilder des österreichischen Expressionisten als "Entartete Kunst". Laut Staatsanwaltschaft versteigerten oder verkauften sie die meisten von Schieles Werken, um mit dem Erlös die Finanzen ihrer Partei aufzustocken.
Nach dem Zweiten Weltkrieg tauchten die sieben Schiele-Zeichnungen laut Staatsanwaltschaft in den 50er Jahren auf dem Kunstmarkt wieder auf - zunächst in der Schweiz und dann in New York.
Grünbaums Erben setzen unterdessen ihre Suche nach den verlorenen Werken fort. In der vergangenen Woche beschlagnahmte die Staatsanwaltschaft von Manhattan drei verschiedene Schiele-Zeichnungen aus dem Art Institute of Chicago, dem Carnegie Museum of Pittsburgh und dem Allen Memorial Art Museum am Oberlin College in Ohio.
T.Resende--PC