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Israel meldet Tod eines Drahtziehers des 7. Oktober - Hamas bricht Gespräche ab
Bei ihrem Angriff im Süden des Gazastreifens hat die israelische Armee eigenen Angaben zufolge am Wochenende einen mutmaßlichen Drahtzieher des Großangriffs auf Israel am 7. Oktober getötet. Die Luftwaffe habe am Vortag den Kommandeur der Hamas-Brigade in Chan Junis, Rafa Salama, "getroffen und ausgeschaltet", erklärte die Armee am Sonntag. Während es sich laut Israel um einen gezielten Angriff nahe der südlichen Stadt Chan Junis handelte, sprach die radikalislamische Hamas von mehr als 90 Toten bei dem Angriff auf das Flüchtlingslager al-Mawasi und verkündete den Abbruch der Verhandlungen mit Israel über eine Waffenruhe aufgrund der "Massaker an unbewaffneten Zivilisten".
Salama sei ein "enger Komplize" des Militärchefs der Hamas, Mohammed Deif, gewesen, betonte die israelische Armee. Auch Deif war den Angaben der Armee zufolge Ziel des Angriffs nahe der Stadt Chan Junis am Samstag gewesen. Ein Vertreter der islamistischen Palästinenserorganisation erklärte am Sonntag jedoch, Deif sei "wohlauf".
Die israelische Armee hatte Deif und Salama zuvor als "Drahtzieher" des brutalen Überfalls der Hamas auf Israel am 7. Oktober bezeichnet, bei dem israelischen Angaben zufolge 1195 Menschen getötet und 251 weitere als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt worden waren.
Nach Angaben der israelischen Armee erfolgte der Einsatz im südlichen Gazastreifen in einem "umzäunten Gebiet (...), in dem sich nach unseren Informationen nur Hamas-Terroristen aufhielten und keine Zivilisten anwesend waren". Bei einem Großteil der Getöteten handle es sich um "Terroristen".
Die Hamas reagierte umgehend auf die Erklärung aus Israel: Diese ziele darauf ab, "das Ausmaß des schrecklichen Massakers zu verschleiern", hieß es. Laut dem von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministerium wurde bei dem Angriff das Flüchtlingslager al-Mawasi unweit von Chan Junis getroffen. 92 Menschen seien getötet worden, die Hälfte davon Frauen und Kinder, hieß es. Zudem habe es 300 Verletzte gegeben. Das Ministerium sprach von einem "abscheulichen Massaker".
Das Gebiet al-Mawasi liegt an der Küste zwischen Rafah und Chan Junis und war von Israel als "humanitäre Zone" ausgewiesen worden. Schätzungen des UN-Palästinenserhilfswerks (UMRWA) zufolge befinden sich in dem gesamten Gebiet von al-Mawasi, Chan Junis und Rafah rund 1,5 Millionen Menschen. Nach dem Israel zugeschriebenen Angriff waren in dem Flüchtlingslager staubige Krater und plattgedrückte Zelte zu sehen. Einige Menschen durchkämmten die Trümmer nach weiteren Opfern.
Ohne zu bestätigen, dass sich ihr Militärchef in dem Lager befunden habe, verlautete am Sonntag aus Hamas-Kreisen, Deif sei "wohlauf" und beaufsichtige "direkt" die Einsätze der Essedin-al-Kassam-Brigaden.
Deif ist als Anführer der Essedin-al-Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, seit Jahrzehnten einer der von Israel am meisten gesuchten Köpfe der Palästinenserorganisation. Deif soll für die Tötung zahlreicher Zivilisten und Soldaten verantwortlich sein.
Zudem erklärte die Hamas, sich aus den Verhandlungen über eine Feuerpause und die Geiselfreilassung im Gazastreifen vorerst zurückzuziehen. Hamas-Politbürochef Ismail Hanija habe die Vermittler Katar und Ägypten über die Entscheidung informiert, dass die Verhandlungen "aufgrund der mangelnden Ernsthaftigkeit" Israels und der "Massaker an unbewaffneten Zivilisten" abgebrochen würden, erklärte ein ranghoher Hamas-Vertreter.
Bislang war über einen von US-Präsident Joe Biden im Mai vorgelegten Plan verhandelt worden, dessen erste Phase eine sechswöchige Feuerpause im Gazastreifen und die Freilassung eines Großteils der israelischen Geiseln vorsah. Die Gespräche waren in dieser Woche unter der Führung von Katar und Ägypten und mit Unterstützung der USA wieder aufgenommen worden.
Unterdessen setzte Israel seine Angriffe auf den Gazastreifen am Sonntag fort. Die israelische Armee erklärte, die Einsätze in der Stadt Gaza und der südlichen Stadt Rafah weiter zu führen. In Gaza wurden laut Rettungskräften am Sonntag bei Angriffen auf verschiedene Stadtviertel mindestens acht Menschen getötet.
Der Krieg im Gazastreifen dauert mittlerweile seit mehr als neun Monaten an. Das militärische Vorgehen Israels ist eine Reaktion auf den Überfall der Hamas vom 7. Oktober, erklärtes Ziel ist die Zerstörung der islamistischen Palästinenserorganisation. Nach Angaben der Hamas, die sich nicht unabhängig überprüfen lassen, wurden bislang im Gazastreifen mehr als 38.580 Menschen getötet.
O.Gaspar--PC