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Deutschland könnte laut Studie Hauptziel von Iran-Flüchtenden werden
Sollte es im Zuge des Nahost-Krieges zu größeren Fluchtbewegungen kommen, könnte Deutschland einer Studie zufolge das Hauptzielland für Menschen aus dem Iran sein. Der am Freitag veröffentlichte Bericht der Rockwool Foundation Berlin (RFBerlin) stellt dabei einen direkten Zusammenhang zu den schon bestehenden Verbindungen zwischen den beiden Ländern her. Demnach lag Deutschland Ende 2025 an der Spitze der Zielländer für iranische Geflüchtete.
Die RFBerlin-Studie stützt sich auf eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Gallup von 2024. Demnach gaben 28 Prozent der damals befragten Iranerinnen und Iraner Deutschland als wahrscheinlichstes Zielland an, gefolgt von Kanada mit 13 Prozent, der Türkei mit zehn Prozent, dem Vereinigten Königreich mit sechs Prozent und Frankreich mit sechs Prozent. Von 1007 befragten Iranerinnen und Iranern gaben 252 seinerzeit an, auswandern zu wollen.
Bei Befragten aus dem Libanon liegt Kanada demnach mit 16 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Deutschland mit 14 Prozent, Australien mit 11 Prozent, Frankreich mit neun Prozent und den USA mit acht Prozent.
Angesichts des Iran-Krieges wächst in Deutschland die Sorge hinsichtlich einer möglichen Massenflucht aus der Region. Politiker aus Koalition und Opposition forderten, Deutschland und Europa müssten sich gegen eine mögliche Fluchtbewegung wappnen.
Laut dem Bericht der Rockwool Foundation Berlin stimmen die Migrationsabsichten weitgehend mit den tatsächlichen Ansiedlungsmustern jüngerer Geflüchteter aus beiden Ländern überein. Bis Ende 2025 lebten demnach 29 Prozent der iranischen Geflüchteten in Deutschland, gefolgt vom Vereinigten Königreich mit 26 Prozent, Kanada mit acht Prozent und Österreich mit fünf Prozent.
Auch unter Geflüchteten aus dem Libanon liegt Deutschland nach Zahlen des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR mit 34 Prozent an erster Stelle, gefolgt von Kanada mit zwölf Prozent, Dänemark mit zehn Prozent und Frankreich mit sechs Prozent.
"Migrationsmuster bauen häufig auf bestehenden Verbindungen zwischen Herkunfts- und Zielländern auf", erklärte dazu Christian Dustmann, Direktor von RFBerlin, Professor für Volkswirtschaftslehre am University College London und Mitautor der Studie. "Dies unterstreicht die Bedeutung von Diaspora-Netzwerken, die die Kosten und Risiken von Migration verringern."
"Die geografische Verteilung der Migrationsabsichten spiegelt stark die geografische Verteilung bestehender Flüchtlingsgemeinschaften wider", ergänzte Co-Studienautor Tommaso Frattini, stellvertretender Direktor des Centre for Research and Analysis of Migration (CReAM) bei RFBerlin. "Das deutet darauf hin, dass Migration im Falle zunehmender Vertreibung in der aktuellen Krise wahrscheinlich den bereits bestehenden Migrationskorridoren folgen wird."
Migrationsabsichten führten jedoch nicht automatisch zu tatsächlichen Migrationsbewegungen, betonten die Studienautoren. "Praktische Einschränkungen können die tatsächlichen Migrationsbewegungen insbesondere in den frühen Phasen einer Krise beeinflussen", erklärte Dustmann. So seien weiter entfernte Ziele wie Kanada, Australien und die Vereinigten Staaten schwieriger zu erreichen. "Es ist daher wahrscheinlich, dass Europa – und insbesondere Deutschland – zum wichtigsten Ziel möglicher Flüchtlingsbewegungen wird, falls die Vertreibung infolge des Krieges zunimmt."
L.Torres--PC