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UNO warnt Israel vor Zerstörungen im Libanon wie im Gazastreifen
Die Vereinten Nationen haben Israel mit Blick auf die anhaltenden Angriffe im Libanon vor möglichen "Kriegsverbrechen" sowie Zerstörungen wie im Gazastreifen gewarnt. Entsprechende Drohungen von israelischen Regierungsvertretern seien "völlig inakzeptabel", erklärte am Dienstag ein Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros in Genf. Nach neuen offiziellen Angaben aus Beirut wurden seit dem Wiederaufflammen des Konflikts zwischen Israel und der libanesischen Hisbollah-Miliz im Zuge des Iran-Kriegs mehr als 900 Menschen getötet.
"Ein weiteres tragisches Kapitel in der Geschichte des Libanons wird geschrieben", sagte der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros, Thameen Al-Kheetan. Die Lage sei bereits "katastrophal". Er zeigte sich besorgt angesichts von Äußerungen israelischer Regierungsvertreter, wonach es in Teilen des Libanons in der Zukunft ähnlich starke Zerstörungen wie im Gazastreifen geben könnte. "Vorsätzliche Angriffe auf Zivilisten oder zivile Objekte stellt ein Kriegsverbrechen dar", warnte der UN-Sprecher.
Der rechtsextreme israelische Finanzminister Bezalel Smotrich hatte in der vergangenen Woche erklärt, Beiruts südlicher Vorort Dahijeh - eine Hochburg der Hisbollah - werde "sehr bald Chan Junis gleichen". Damit spielte Smotrich auf die Zerstörungen in der Stadt im Süden des Gazastreifens während des Gaza-Krieges an, der vom Überfall der islamistischen Hamas auf Israel ausgelöst worden war.
Der Sprecher des UN-Menschenrechtsbüros sagte nun, "solche Äußerungen", verbunden mit der Ankündigung des israelischen Militärs, zusätzliche Soldaten zu entsenden und den Bodenangriff auszuweiten, führten zu weiteren Ängsten bei den Menschen im Libanon.
Israel hatte am Montag nach eigenen Angaben einen "gezielten Bodeneinsatz" gegen die Hisbollah im Südlibanon gestartet. Deutschland und vier weitere westliche Staaten riefen Israel daraufhin zum Verzicht auf eine großangelegte Bodenoffensive auf. Am Dienstag teilte die israelische Armee mit, weitere Soldaten seien in den Libanon entsandt worden – im Zuge von "fortgesetzten Bemühungen, eine Vorwärtsverteidigung aufzubauen, um Bedrohungen zu beseitigen".
Die staatliche libanesische Nachrichtenagentur NNA meldete, die israelische Armee habe drei südliche Vororte von Beirut angegriffen. Die israelische Armee hatte mitgeteilt, Angriffe auf "Terror-Infrastruktur der Hisbollah" auszuführen. Sie rief Menschen im Süden des Landes auf, sich in Sicherheit zu bringen. Bei einem Luftangriff nahe dem Flughafen von Beirut wurde laut dem libanesischen Gesundheitsministerium ein Mensch getötet, neun weitere wurden demnach verletzt.
Bei zwei israelischen Luftangriffen im Südlibanon wurden nach Angaben der Armee drei libanesische Soldaten getötet. Die israelische Armee teilte mit, sie gehe im Libanon gegen die Hisbollah-Miliz vor "und nicht gegen die libanesischen Streitkräfte oder libanesische Zivilisten". Trotz der offensichtlichen Bemühungen der libanesischen Armee, nicht in den Konflikt hineingezogen zu werden, waren Anfang des Monats bereits drei Soldaten bei israelischen Angriffen getötet worden.
Der Konflikt zwischen Israel und der Hisbollah ist seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar wieder eskaliert. Bei den israelischen Angriffen wurden seit Wiederaufflammen der Kämpfe mit der Hisbollah am 2. März nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums 912 Menschen getötet und mehr als 2200 weitere verletzt.
A.Motta--PC