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Höchster Stand seit 2003: Türkische Zentralbank hebt Leitzins auf 30 Prozent an
Die türkische Zentralbank hat den Leitzins auf 30 Prozent und damit auf den höchsten Stand seit 20 Jahren angehoben. Die Erhöhung um fünf Prozentpunkte war die vierte Erhöhung in Folge und soll helfen, die im August bei offiziell fast 60 Prozent liegende hohe Inflation zu bekämpfen. So solle "so rasch wie möglich" ein Rückgang der Teuerung erreicht werden, teilte die Notenbank am Donnerstag mit.
Die Inflation habe im Juli und August über den Erwartungen gelegen, fuhr die türkische Zentralbank fort. Sie schloss zudem weitere Erhöhungen in den kommenden Monaten nicht aus, bis eine "signifikante Besserung" der Lage erreicht sei. Unabhängige Experten gehen von noch drastisch höheren Teuerungsraten in der Realität aus.
Die Zentralbank des Landes verfolgt seit Juni eine neue Geldpolitik. Zuvor hatte sich Präsident Recep Tayyip Erdogan lange gegen die herrschende Meinung von Ökonomen gewehrt, dass höhere Zinsen die Inflation eindämmen. Die deutlichen Zinsanhebungen der vergangenen Monate tragen nach Einschätzung von Analysten die Handschrift des neuen wirtschaftspolitischen Teams der türkischen Regierung rund um Zentralbankchefin Hafize Gaye Erkan und Finanzminister Mehmet Simsek.
Erdogan hatte die ehemalige Wall-Street-Bankerin Erkan und den liberalen Ökonomen Simsek nach seiner Wiederwahl im Mai ernannt. Ökonomen hofften daraufhin auf eine rasche Rückkehr zu einer konventionellen Finanz- und Wirtschaftspolitik. Erdogan hatte zuvor wiederholt massiv Druck auf die Zentralbank ausgeübt, um höhere Zinsen zu verhindern.
Mehrere Zentralbankentscheidungen gab es am Donnerstag auch in Europa. Die Notenbank in Schweden hob den Leitzinssatz um 0,25 Punkte auf vier Prozent an, da der Inflationsdruck "noch immer zu hoch" sei. Damit liegt der Zinssatz auf dem höchsten Stand seit 15 Jahren - weitere Erhöhungen könnten folgen, wie die Zentralbank betonte. In Norwegen steigt der Leitzins auf 4,25 Prozent, eine weitere Erhöhung sei möglich, vermutlich im Dezember.
Die Bank of England legte hingegen nach 14 Erhöhungen eine Pause ein und behielt den Leitzins am Donnerstag bei 5,25 Prozent. In Großbritannien war die Inflation im August leicht zurückgegangen. Am Mittwoch hatte bereits die US-Notenbank Fed die Leitzinssätze unverändert gelassen.
T.Vitorino--PC