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Geplantes Ende der 50-Euro-Grenze beim Einkauf in Deutschland polarisiert
Wer in Deutschland einkauft, soll sich künftig auch bei kleineren Beträgen die Mehrwertsteuer zurückholen können. Möglich macht dies der digitale Ausfuhrschein, mit dem Schweizer ihre Kassenzettel per App erfassen und die Ausreise automatisch registrieren lassen können.
Wer in Deutschland einkauft, soll sich künftig auch bei kleineren Beträgen die Mehrwertsteuer zurückholen können. Möglich macht dies der digitale Ausfuhrschein, mit dem Schweizer ihre Kassenzettel per App erfassen und die Ausreise automatisch registrieren lassen können. Der deutsche Zoll will das System noch dieses Jahr regulär einführen. Damit könnte die 50-Euro-Grenze bereits vor Weihnachten fallen. Für den Schweizer Detailhandel ist das eine weitere Herausforderung: Jährlich geben Einkaufstouristen rund 2,5 Milliarden Euro im südlichen Baden-Württemberg aus. Die Aussicht auf günstigere Einkäufe sorgt für Gesprächsstoff – und spaltet die Gemüter. Das zeigt auch unsere Leserumfrage mit über 4000 Teilnehmenden: Für 33 Prozent spielt die Mehrwertsteuer-Rückerstattung beim Einkaufen keine Rolle. 25 Prozent würden wegen des Wegfalls der 50-Euro-Grenze künftig häufiger in Deutschland einkaufen. 23 Prozent sind ohnehin regelmässig ennet der Grenze unterwegs, während 19 Prozent lieber dem Schweizer Detailhandel treu bleiben.
Leser Walter Pero aus Basel kauft seit Jahren in Deutschland ein. «Jetzt, seit wir Rentner sind, ist es noch rentabler», schreibt er. Früher liess er sich die Ausfuhrscheine regelmässig abstempeln, mittlerweile ist ihm der Aufwand zu gross. «Der Stempel zwingt einen, anzuhalten und Schlange zu stehen.» Deshalb fährt er seit einigen Jahren einfach am Schalter vorbei. Das neue digitale Verfahren dürfte ihm entgegenkommen. Denn: «Wir kaufen dort ein, wo wir gute und billigere Artikel finden.» Auch Leserin Martina Stoll freut sich über die Neuerung: «Eine sehr gute Entscheidung. Jetzt lohnt sich sogar der kleine Einkauf nach Feierabend. Deutschland, ich komme! Für mich gibt es damit noch weniger Gründe, in der Schweiz einzukaufen.»
Mike Lohmann begrüsst den möglichen Wegfall der Bagatellgrenze ebenfalls: «Perfekt, denn ohne die günstigen Einkaufspreise beim Nachbarn kann man sich die Schweiz nicht mehr leisten», schreibt er. Auf der anderen Seite stösst der mögliche Wegfall der Bagatellgrenze nicht nur auf Zustimmung. Einige Leserinnen und Leser sehen darin eine zusätzliche Benachteiligung für den Schweizer Detailhandel. Alexander Ingold hält bewusst am Einkauf im Inland fest: «Ich kaufe lieber in der Schweiz ein und unterstütze die Wirtschaft.»
Auch Fredy Müller findet den Entscheid «ganz blöd». «Man sollte wenigstens die Schweizer Läden nicht benachteiligen», schreibt er. Sein Vorschlag: «Man sollte nur die Differenz der ausländischen zur Schweizer Mehrwertsteuer zurückerhalten.» Die vollständige Rückerstattung verzerrе den Wettbewerb zusätzlich, findet er. Schliesslich hätten Schweizer Geschäfte ohnehin höhere Kosten für Miete und Personal. Noch deutlicher wird Brigitte Rüegg. Sie bezeichnet die Regelung als «völlig widersinnig». Während Einkaufstouristen von der Rückerstattung profitieren, würden die inländischen Geschäfte mit «ungleichen Spiessen» kämpfen. Auch den personellen Aufwand beim Zoll hält sie für fragwürdig. Ihr Fazit: «Gerecht und richtig ist das nicht.»
F.Moura--PC