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Auto-Attacke mit elf Toten in Vancouver erschüttert Kanada vor Wahl
Eine Auto-Attacke mit elf Todesopfern und zahlreichen Verletzten in Vancouver hat Kanada kurz vor der Parlamentswahl erschüttert. Ein Mann raste am Samstagabend bei einem Straßenfest in der westkanadischen Großstadt mit einem Fahrzeug in die Menschenmenge. Die Polizei geht nicht von einem terroristischen Motiv aus und erklärte, der festgenommene Fahrer habe in der Vergangenheit unter psychischen Problemen gelitten.
Der Vorfall ereignete sich am Samstagabend im Stadtteil Sunset on Fraser. Nach Angaben von Vancouvers Bürgermeister Ken Sim raste das Fahrzeug während des Lapu-Lapu-Fests der philippinische Gemeinschaft in die Menschenmenge. Umstehende überwältigten den 30-jährigen Fahrer, anschließend wurde er von Polizisten festgenommen. Elf Menschen wurden bei dem Vorfall getötet, etwa 20 weitere wurden verletzt.
Premierminister Mark Carney sprach am Sonntag von einem "Angriff" und zeigte sich erschüttert. "Gestern Abend haben Familien eine Schwester, einen Bruder, eine Mutter, einen Vater, einen Sohn oder eine Tochter verloren", sagte Carney unter Tränen. "Diese Familien durchleben den Albtraum einer jeden Familie."
Auch Oppositionsführer Pierre Poilievre von den Konservativen sprach den Opfern sein Mitgefühl aus. "Ich bin schockiert über die furchtbaren Nachrichten vom Festival zum Lapu-Lapu-Tag in Vancouver", schrieb er im Kurzbotschaftendienst X. Premier Carney betonte vor der Parlamentswahl am Montag, es gebe keine Hinweise auf eine weitere "aktive Bedrohung für Kanadier".
Vancouvers Polizeichef Steve Rai wollte zunächst keine Angaben zum möglichen Motiv des 30-jährigen Angreifers machen. Er sagte aber, der Festgenommene habe in der Vergangenheit wegen psychischer Probleme immer wieder mit der Polizei und Medizinern zu tun gehabt.
Augenzeugen berichteten nach dem Angriff von dramatischen Szenen. "Da lagen Menschen. Sie waren überfahren worden. Manche waren direkt vor Ort tot", sagte Abigail Andiso der Lokalzeitung "Vancouver Sun". Die Sicherheitsfrau Jen Idaba-Castaneto sagte dem örtlichen Nachrichtenportal "Vancouver Is Awesome", sie habe "überall Leichen" gesehen. "Du weißt gar nicht, wem du zuerst helfen sollst, hier oder dort."
Im Internet veröffentlichte und von der Nachrichtenagentur AFP verifizierte Aufnahmen zeigten am Tatort einen schwarzen SUV mit beschädigter Motorhaube, während Rettungskräfte Verletzte versorgen.
Beim Lapu-Lapu-Fest fanden unter anderem ein Straßenumzug, eine Filmvorführung, eine Tanzveranstaltung und ein Konzert mit zwei Mitgliedern der bekannten Hip-Hop-Band Black Eyed Peas statt. Die Feierlichkeiten ehren einen philippinischen Nationalhelden, der 1521 den Kampf gegen den unter spanischer Flagge segelnden portugiesischen Eroberer Ferdinand Magellan gewann.
Der Angriff sorgte auch im Ausland für erschütterte Reaktionen. "Unsere Herzen und Gebete sind bei all jenen, deren Leben durch diese fürchterliche Tragödie erschüttert wurde", erklärte der britische König Charles III., der auch Kanadas Staatsoberhaupt ist. Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) bekundete auf X ihr "tiefes Beileid an diejenigen, die einen geliebten Menschen verloren haben". Der philippinische Präsident Ferdinand Marcos äußerte sich "vollkommen erschüttert".
Der Angriff ereignete sich kurz vor der Parlamentswahl am Montag in Kanada, bei der die regierenden Liberalen von Regierungschef Carney Umfragen zufolge die Favoriten sind. Der Urnengang findet vor dem Hintergrund des von US-Präsident Donald Trump losgetretenen Zollkonflikts mit dem Nachbarland statt - sowie seiner wiederholten Drohung, Kanada zum 51. US-Bundesstaat zu machen.
Lange Zeit hatten die Konservativen in Umfragen vor den Liberalen gelegen. Trumps Auftreten führte in den vergangenen Monaten jedoch zu einem spektakulären Meinungsumschwung in Kanada. Umfragen sahen die Liberalen von Carney, der sich im Wahlkampf auf Trump fokussiert hat, zuletzt knapp vier Punkte vor den Konservativen.
S.Caetano--PC