Prozess gegen früheren Lehrer wegen mutmasslicher Vergewaltigung einer Schülerin
Prozess gegen früheren Lehrer wegen mutmasslicher Vergewaltigung einer Schülerin

Prozess gegen früheren Lehrer wegen mutmasslicher Vergewaltigung einer Schülerin

Moabit – Er war ihr Lehrer, sie seine Schülerin. Doch nicht nur, denn bald stellte sie ihn ihren Eltern als Freund vor, zog sogar mit ihm zusammen.

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Moabit – Er war ihr Lehrer, sie seine Schülerin. Doch nicht nur, denn bald stellte sie ihn ihren Eltern als Freund vor, zog sogar mit ihm zusammen. Das furchtbare Ende wird jetzt vor dem Landgericht verhandelt. Auf einer Rolltrage wird Kamen M. aus Mitte (44) in den Saal gefahren. Seit einem Autounfall 2021 sei er körperlich stark beeinträchtigt, heißt es am Rand des Prozesses. Reglos und mit leicht angehobenem Kopf folgt er der Verlesung der Anklage. Demnach soll er die damals 16-jährige Tanja (Name geändert) zwischen August 2016 und Dezember 2017 sexuell missbraucht und vergewaltigt haben. Darüber reden will er vorerst nicht.

Als der erste Zeuge aufgerufen wird, verlässt die inzwischen 27-jährige Tanja den Saal. Ihr Vater (62, Dozent) erklärt mehr als eine Stunde aus und schildert, wie seine Tochter nach dem Selbstmord ihres damaligen Freundes in eine schwere Krise geraten sei. „Sie war am Boden zerstört, ich konnte ihr nicht helfen.“ Missbraucht, vergewaltigt, mit Rasierklingen verletzt

Anfang 2016 habe sie ihnen den Angeklagten, ihren Lehrer, vorgestellt. „Ich hätte stutzig werden müssen, mit ihr reden, dass das nicht ginge. Beruhigte mich aber: Es ist vielleicht nur Freundschaft. Jemand, der für sie da ist.“ Dann sei Tanja sogar zu M. gezogen und mit ihm in den Urlaub gefahren. Der Vorwurf der Anklage: Er habe „seine Position als Lehrkraft und Vertrauensperson ausgenutzt, um sich als ihr einziger Bezugspunkt zu etablieren.“ Er soll sie in zwölf Fällen in seiner oder der Wohnung ihrer Eltern sexuell missbraucht und dreimal vergewaltigt haben. Einmal sogar trotz ihres hohen Fiebers. Ausserdem habe er ihr zur „Bekräftigung der Beziehung“ mit einer Rasierklinge Blut aus dem Handballen geritzt.

Tanjas Vater: „Dabei wirkte sie so glücklich.“ Nach zwei Jahren stand sie mit ihren Koffern wieder vor der Tür, aber erzählte erst später, wie schlecht er sie behandelt habe: Er habe sie bedrängt, ihr mit Gewalt gedroht und sein „K“ in ihre Schulter geritzt. Für Fehler sei sie bestraft worden, manchmal habe sie auf dem Fußboden schlafen müssen. Sie habe sich wie eine Gefangene gefühlt. Und trotzdem nicht nach Hause gewollt. Der Vater: „Ich mache mir Riesenvorwürfe, dass ich das nicht gemerkt habe.“

F.Ferraz--PC