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Studie: Jeder fünfte pflegende Angehörige von Armut betroffen
Jeder fünfte pflegende Angehörige in Deutschland ist armutsgefährdet, bei pflegenden Frauen ist es sogar jede vierte. Zu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung Berlin (DIW) in einer am Dienstag vom Sozialverband VdK vorgestellten Studie. "Nächstenpflege macht arm! Das ist die erschütternde Wahrheit, sagt VdK-Präsidentin Verena Bentele bei der Vorstellung dieser und einer weiteren Studie in Berlin.
"Wir appellieren dringend an die Bundesregierung, pflegende Angehörige endlich finanziell besser abzusichern und das Armutsrisiko zu bekämpfen", sagte Bentele weiter. Als einen Weg aus der Armut forderte sie einen Lohn für pflegende Angehörige.
Ein solcher Lohn würde sich anders als der bisherige Lohnersatz nach dem Pflegegrad des Pflegebedürftigen und damit nach der tatsächlichen Tätigkeit. Letzteres würde insbesondere Frauen helfen, die bereits ihre Wochenarbeitszeit reduziert oder ihren Job ganz aufgegeben haben, sowie Eltern von pflegebedürftigen Kindern, sagte Johannes Geyer vom DIW. Damit sinke die Armutsgefährdungsquote von pflegenden Frauen am deutlichsten.
Der VdK fordert die Bundesregierung auf, schnell die im Koalitionsvertrag versprochene Leistung für pflegende Angehörige zu schaffen. "Die Höhe sollte sich nach dem Aufwand der Pflege richten, nicht nach dem letzten Gehalt", sagte Bentele. "Die Pflege durch eine Geringverdienerin ist genauso viel wert wie die Pflege durch einen Gutverdiener."
Eine von der Hochschule Osnabrück vorgenommene Online-Befragung ergab, dass 49 Prozent aller Pflegenden, die nicht mehr Vollzeit erwerbstätig sind, ihre Arbeitszeit wegen der Pflege reduziert haben. Dadurch würden sie Rentenpunkte und Einkommen verlieren. Die Ergebnisse der Umfrage zeigten weiter, dass für ein Drittel der Pflegenden finanzielle Sorgen ein täglicher Begleiter seien, erklärte der VdK. Sie verzichten aus Kostengründen sogar auf wichtige professionelle Entlastung.
Die Wahl der Pflegeleistungen werde davon bestimmt, wie viel ein Haushalt bezahlen kann, geht aus der Studie weiter hervor. Über 50 Prozent der Befragten gaben an, Leistungen wie Pflegedienst, Tages-, Verhinderungs- oder Kurzzeitpflege nicht in Anspruch zu nehmen, weil sie zu viel dazuzahlen müssten.
"Es ist schockierend zu sehen, dass aus finanzieller Sorge heraus auf professionelle Unterstützung und Entlastung verzichtet wird", erklärte Bentele zu den Ergebnissen der Online-Befragung. "Wir müssen die Nächstenpflege jetzt stärken, damit Deutschland kein Pflegedesaster droht."
Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) forderte eine Lohnersatzleistung für pflegende Angehörige. Diese solle sich an der finanziellen Ausgestaltung des Elterngeldes orientieren, erklärte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack. Sie soll Erwerbstätige unterstützen, die ihre Arbeitszeit reduzieren, um Angehörige zu pflegen.
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verwies darauf, dass die pflegenden Angehörigen zumeist im Rentenalter seien. Für eine generationsgerechte und zukunftssichere Lösung fehl immer noch der politische Wille, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch der Nachrichtenagentur AFP. Es brauche unverzüglich den kostenlosen Rechtsanspruch auf Kurzzeit-, Tages- und Verhinderungspflege.
A.Motta--PC