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Kenia nimmt mit Staatsbegräbnis Abschied von Oppositionschef Odinga
In Kenia haben unzählige Menschen Abschied von Oppositionsführer Raila Odinga genommen, der am Sonntag in einem Staatsbegräbnis beigesetzt wurde. Bei der offiziellen Trauerfeier am Vortag hatten sich in der am Victoriasee gelegenen Stadt Kisumu zehntausende Menschen versammelt. Es kam zu chaotischen Szenen, als ein Tor zum Stadion durchbrochen wurde, so dass zahlreiche Menschen unkontrolliert auf das Gelände strömen konnten.
Tausende Menschen strömten dann am Sonntag zum Staatsbegräbnis in die Stadt Bondo im Westen des Landes, der Heimatregion des Verstorbenen. Armeeoffiziere salutierten, als Odingas Sarg in die Erde gelassen wurde. Trompeten spielten den Zapfenstreich. "Wir werden ihn vermissen, aber sein Vermächtnis wird in uns bleiben", sagte die 40-jährige Grace Auma Lubale der Nachrichtenagentur AFP. Odinga habe den Kenianern beigebracht, für ihre Rechte zu kämpfen.
Die offizielle Trauerfeier in der Heimat von Odinga fand bereits am Samstag in Kisumu statt. Dabei blieben entgegen ursprünglichen Befürchtungen allzu schlimme Zwischenfälle aus. Zwar mussten mehrere dutzend Menschen im Stadion medizinisch versorgt werden, Todesfälle wurden jedoch nicht gemeldet.
Hingegen waren an den vorherigen Tagen während der Trauerfeiern in Nairobi für den von vielen seiner Anhänger inbrünstig verehrten Odinga mindestens fünf Menschen zu Tode gekommen. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden am Donnerstag bei einer Versammlung in einem Stadion mindestens drei Menschen von Sicherheitskräften erschossen. Am Freitag wurden bei einer Massenpanik während des Staatsakts für Odinga mindestens zwei Menschen getötet und mehr als 160 weitere verletzt.
In Kisumu hatten die Behörden besondere Sicherheitsvorkehrungen getroffen, um ähnliche Vorfälle zu vermeiden. So wurde Odingas Sarg von einem Hubschrauber in das Stadion der Stadt gebracht. Ein ursprünglich geplanter Trauerzug mit Odingas Sarg durch die Straßen wurde abgesagt, um den Ausbruch von Panik im Gedränge zu vermeiden.
Odinga war am Mittwoch während eines Besuchs in Indien im Alter von 80 Jahren gestorben, vermutlich an einem Herzinfarkt. Seine Leiche wurde am Donnerstag nach Kenia überführt. Er war in den vergangenen Jahrzehnten eine prägende Figur der kenianischen Politik, auch wenn er fünf Mal bei Präsidentschaftswahlen unterlag.
Zuletzt war Odinga 2022 als Präsidentschaftskandidat gescheitert. Für seine Niederlagen im Rennen um das höchste Staatsamt machte Odinga bei vier seiner insgesamt fünf Kandidaturen Wahlbetrug verantwortlich.
Sein Tod hinterlässt ein großes Vakuum in der kenianischen Opposition. Kein anderer Oppositionsvertreter hat derzeit das Charisma und die Anziehungskraft Odingas. Die nächste Präsidentschaftswahl in dem ostafrikanischen Land steht 2027 an.
S.Pimentel--PC