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Gräueltaten im Kongo: Ex-Rebellenchef steht in Paris vor Gericht
Zum ersten Mal muss sich ein kongolesischer Ex-Rebellenchef wegen Beihilfe zu Gräueltaten in seiner Heimat in Paris vor Gericht verantworten: Am Mittwoch hat der Prozess gegen den 67 Jahre alten Roger Lumbala begonnen, der 2002/2003 eine Rebellengruppe im Krieg um Bodenschätze im Osten der Demokratischen Republik (DR) Kongo angeführt haben soll. Die französische Justiz wirft ihm Beihilfe zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor.
Damals bekämpften sich etwa ein Dutzend verschiedene bewaffnete Gruppen in der Region. Lumbalas Rebellengruppe RCD-N kämpfte mit Unterstützung von Uganda und verbündet mit der Gruppe MLC von Jean-Pierre Bemba gegen die Regierungstruppen des damaligen kongolesischen Präsidenten Joseph-Désiré Kabila.
Die Kämpfe wurden von zahlreichen Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung begleitet, darunter Hinrichtungen, Zwangsarbeit, Folter, Verstümmelungen, Plünderungen sowie Vergewaltigungen von Frauen. Gewalt gegen Frauen wurde in dem Konflikt systematisch als Kriegswaffe eingesetzt. Der Militäreinsatz trug den Namen "Effacer le tableau" (etwa: tabula rasa machen).
Die Ermittlungsrichter bezeichneten Lumbala als "Befehlshaber einer bewaffneten Gruppe", der es seinen Kämpfern erlaubte, Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu begehen. Die französische Justiz macht das Prinzip der universellen Zuständigkeit geltend, das es ermöglicht, mutmaßliche Täter solcher Verbrechen zu verurteilen, auch wenn sie in einem anderen Land begangen wurden.
Mehrere Nichtregierungsorganisationen sprechen von einem "historischen" Prozess. "Lumbala für seine Taten verantwortlich zu machen, sendet ein starkes Signal mit Blick auf den anhaltenden Konflikt in der DR Kongo", erklärte Samuel Ade Ndasi von der britischen Organisation Minority Rights Group.
Lumbala war während der Übergangszeit von 20023 bis 2005 Außenhandelsminister und anschließend Präsidentschaftskandidat. Später setzte er sich ins Exil ab. Die französische Justiz ermittelt seit 2016 gegen ihn.
Zu dem Prozess sind zahlreiche Zeugen geladen. Im Fall einer Verurteilung droht Lumbala eine lebenslange Haftstrafe. Das Urteil wird am 19. Dezember erwartet.
Trotz eines im Juli unterzeichneten Waffenruhe-Abkommens zwischen DR Kongo und Ruanda schwelt der Konflikt im Osten des Kongos weiter.
A.F.Rosado--PC