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Kein Problem in Houston: DFB-Raketenstart gegen Curacao
Houston, wir haben kein Problem! Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft hat nach einer kleinen Fehlzündung den erhofften WM-Raketenstart hingelegt. Der viermalige Weltmeister bezwang den krassen Außenseiter Curacao in der texanischen Astronauten-Stadt mit 7:1 (3:1) und feierte seinen ersten Auftaktsieg seit dem Triumph von Rio 2014. Doch auch wenn "Major Tom" siebenmal aus den Boxen tönte - "völlig losgelöst" schwebte das Raumschiff noch nicht Richtung fünfter Stern.
Bei der Rückkehr von Manuel Neuer, dem mit 40 Jahren nun ältesten deutschen Nationalspieler, ließ sich die Auswahl von Julian Nagelsmann aber durch den vorübergehenden Ausgleich nicht beirren. Die Dortmunder Felix Nmecha (6.) und Nico Schlotterbeck (38.), Neuner Kai Havertz (45.+5, Foulelfmeter/88.), der endlich wieder magische Zauberfuß Jamal Musiala (46.), Nathaniel Brown (68.) und Joker Deniz Undav (78.) sorgten für den zehnten Sieg in Folge. Es war der zweithöchste der DFB-Elf bei einer WM nach dem 8:0 gegen Saudi-Arabien 2002.
Livano Comenencia (21.) traf für den kleinsten Teilnehmer der WM-Geschichte zum zwischenzeitlichen 1:1. Vor dem zweiten Gruppenspiel am Samstag (22.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) in Toronto gegen die ungleich stärkere Elfenbeinküste (Cote d'Ivoire) war dies eine Warnung. Allerdings: Der Turniermodus sieht auch acht der zwölf Gruppendritten in der K.o.-Runde - dafür könnte der Erfolg gegen die Karibikinsel schon ausreichen.
Curacao ein Fußball-Zwerg? Von wegen, sagte Bundestrainer Nagelsmann und warnte vor dem Anpfiff eindringlich vor der niederländischen Schule des Gegners. Er fürchtete ein "David-Goliath-Prinzip" - doch die DFB-Elf schrumpfte die Nummer 82 der Weltrangliste auf Normalmaß.
Mit viel Spielwitz und oft durch die Mitte brachte die Offensive den Underdog ins Wanken. Nach einem Doppelpass mit Florian Wirtz ließ der auffällige Nmecha erstmals die Torhymne erklingen.
Nmecha war zur WM auf den letzten Drücker fit geworden und hatte sich den Part im Mittelfeld neben Aleksandar Pavlovic erkämpft. Die zweite enge Personalie löste Nagelsmann wie erwartet: Links verteidigte der Noch-Frankfurter Brown. Er überzeugte.
Die Abwehr und ihr Schlussmann Neuer waren anfangs kaum gefordert. Die wenigen, meist langen Bälle von Curacao auf den früheren Bundesliga-Stürmer Jürgen Locadia waren leichte Beute. Doch nach einigen vergebenen deutschen Chancen schlichen sich Konzentrationsschwächen ein - und der "David" schlug zu.
Nach einem Fehler von Jonathan Tah agierte auch dessen Nebenmann Schlotterbeck unglücklich, Kapitän Joshua Kimmich fälschte den Schuss von Comenencia unhaltbar für Neuer ab. "Jetzt ist das Schlimmste eingetroffen", sagte Rio-Weltmeister Bastian Schweinsteiger in der ARD: "Der Glaube bei Curacao ist da!" Die erste Trinkpause schien für die DFB-Elf wie der rettende Gong für einen angeschlagenen Boxer.
Leroy Sané (32.) vergab nach einem Traumpass von Wirtz die nächste große Möglichkeit, der Druck auf den haushohen Favoriten nahm zu. Ein Standard brachte die Erlösung, als Schlotterbeck eine Ecke von Brown einköpfte. Das 3:1 besorgte Havertz nach einem Foul an Nmecha. Die komplette deutsche Bank jubelte stehend mit - ein Ausdruck des viel beschworenen Teamgeistes.
Positiv für die deutsche Mannschaft: Die Mittagshitze war kein Faktor, das Stadion des Footballteams Texans war überdacht und klimatisiert. Und so glückte ein Blitzstart in die zweite Hälfte, als Musiala nach Kimmich-Pass und nur 68 Sekunden aus spitzem Winkel vollendete.
Nach einer Stunde schwappte La Ola durch die Arena. Sané (63.), für den verletzt abgereisten Lennart Karl in die Startelf gerückt, vergab allein vor dem Tor die nächste Top-Chance.
Fanliebling Undav löste den nach einem Foul leicht humpelnden Musiala ab und legte Brown nur vier Minuten später den fünften Treffer auf. Danach sorgte Nagelsmann mit der Einwechslung mehrerer Edelreservisten für etwas Kaderhygiene. Undav traf aus der Mittelstürmer-Position und legte per Steilpass das 7:1 auf, das Havertz elegant per Lupfer erzielte.
R.J.Fidalgo--PC