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Mindestens 39 Todesopfer bei Zugunglück in Spanien - Drei Tage Staatstrauer
Spanien seht nach einem schwerem Zugunglück unter Schock: Beim Zusammenstoß zweier Hochgeschwindigkeitszüge in der andalusischen Provinz Córdoba im Süden des Landes sind mindestens 39 Menschen ums Leben gekommen. Die Behörden befürchteten am Montag, dass die Opferzahl noch steigen könnte - laut Andalusiens Regierungschef Juan Manuel Moreno werden unter den stark beschädigten Waggons weitere Leichen vermutet. Regierungschef Pedro Sánchez rief eine dreitägige Staatstrauer aus und kündigte Aufklärung an.
Nach Behördenangaben entgleiste ein Zug am Sonntagabend auf gerader Strecke zwischen Málaga und Madrid nahe dem Ort Adamuz aus bislang ungeklärter Ursache und krachte mit einem entgegenkommenden Zug zusammen, der ebenfalls entgleiste.
Mehr als 120 Menschen wurden nach Angaben des Innenministeriums verletzt. 43 Verletzte wurden am Montagnachmittag nach Angaben des regionalen Rettungsdienstes weiter im Krankenhaus behandelt, zwölf von ihnen auf der Intensivstation.
Es sei zu befürchten, dass die Zahl der Todesopfer noch steigen werde, sagte Spaniens Verkehrsminister Óscar Puente am Montagmorgen. Er sprach von einem "sehr seltsamen" Unglück. Es sei kaum zu erklären, warum der erste Zug auf gerader Strecke entgleist sei. Die betroffene Bahnstrecke sei vollständig saniert und der Zug "praktisch neu" gewesen.
Die zulässige Höchstgeschwindigkeit in dem Abschnitt habe bei 250 Stundenkilometern gelegen, teilten die Behörden mit. Die beiden Züge seien mit 205 und 210 Stundenkilometern unterwegs gewesen.
In dem Zug waren laut dem privaten Bahnbetreiber Iryo waren etwa 300 Fahrgäste auf dem Weg von der Stadt Málaga in die spanische Hauptstadt Madrid. In dem zweiten Zug saßen nach Angaben der spanischen Staatsbahn Renfe 184 Passagiere. Der Zug war demnach auf dem Weg von Madrid in die südspanische Stadt Huelva.
Iryo zufolge war die Lok des Unglückszuges 2022 gebaut und zuletzt drei Tage vor dem Unglück inspiziert worden. Es sei unklar, warum sie plötzlich auf das gegenüberliegende Gleis abgekommen sei.
Renfe-Chef Álvaro Fernández Heredia zufolge ist menschliches Versagen "praktisch ausgeschlossen". Im Sender RNE sagte er, das Unglück müsse mit den Zügen von Iryo "oder einem Infrastrukturproblem zusammenhängen".
Laut Andalusiens Regierungschef Juan Manuel Moreno ist es "leider durchaus möglich, dass sich unter den Trümmern weitere Opfer befinden". Es komme daher schweres Gerät zum Einsatz, um die am schwersten beschädigten Waggons anzuheben. Ziel sei es, "die Opfer so schnell wie möglich zu identifizieren".
Die Rettungskräfte hatten zuvor die Schwierigkeiten beim Befreien der Passagiere aus den Waggons geschildert. "Das Problem ist, dass die Waggons verbogen sind", sagte Feuerwehrchef Francisco Carmona im Sender RTVE. "Wir mussten eine Leiche aus dem Weg räumen, um an einen Überlebenden zu gelangen. Es ist eine harte, komplizierte Aufgabe."
Eine Passagierin aus dem zweiten Zug schilderte, wie sie bei dem Zusammenprall durch den Waggon geschleudert wurde. Gepäck sei auf Passagiere herabgefallen. "Die Schaffnerin hinter mir wurde am Kopf getroffen und hat geblutet. Kinder haben geschrien." Glücklicherweise habe sie im hintersten Wagen gesessen und nicht vorne im Zug: "Ich fühle mich, als ob mir ein zweites Leben geschenkt worden wäre." Der Überlebende Lucas Meriako aus dem ersten Unglückszug sprach im Sender La Sexta von Szenen "wie aus einem Horrorfilm".
Spaniens Ministerpräsident Sánchez sprach von einer "Nacht des tiefen Schmerzes" für das Land und rief eine dreitägige Staatstrauer aus. Bei einem Besuch in Adamuz nahe der Unglücksstelle kündigte der Regierungschef am Montag zudem eine gründliche Untersuchung des Unfalls an und versprach "absolute Transparenz".
Auch König Felipe VI. und Königin Letizia äußerten ihr Mitgefühl für die Opfer und deren Familien. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier drückte den Familien und Angehörigen der Opfer und Verletzten seine tiefe Anteilnahme aus.
Es ist das schwerste Zugunglück in Spanien seit 2013. Damals waren 80 Menschen ums Leben gekommen, als ein Zug nahe Santiago de Compostela auf kurviger Strecke entgleiste. Unglücksursache war damals überhöhte Geschwindigkeit.
H.Portela--PC