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Rosenmontagszüge in Karnevalshochburgen: Beißender Spott über Putin in Düsseldorf
Mit beißendem Spott über die Politik haben Jecken und Narren am Montag in den rheinischen Hochburgen den Höhepunkt des Straßenkarnevals gefeiert. Trotz grauen Winterwetters säumten viele Menschen in Köln, Düsseldorf und Mainz die Straßen bei den traditionellen Rosenmontagszügen. Die Blicke waren dieses Jahr insbesondere auf die Karnevalswagen in Düsseldorf gerichtet, die erneut Russlands Präsidenten Wladimir Putin satirisch aufs Korn nahmen.
"Wir haben nicht nur einen Putin gebaut, wir haben drei Putins gebaut", sagte der Düsseldorfer Chef-Wagenbauer Jacques Tilly im Westdeutschen Rundfunk. Man wolle mit den vielen "Russlandwagen" zeigen, "dass wir uns nicht beeindrucken lassen", sagte Tilly weiter. Den "Prozess gegen Pappfiguren" bezeichnete Tilly als "unter aller Würde". Wegen seiner Spitzen gegen Putin läuft in Moskau derzeit ein Strafverfahren gegen den Künstler.
In Köln setzte sich Deutschlands größter Rosenmontagszug bei wechselhaftem Wetter pünktlich um 10.00 Uhr in Bewegung – begleitet von Solidaritätsbekundungen für Tilly. Eine Gruppe des ukrainischen Hilfsvereins Blau-Gelbes Kreuz zeigte Plakate mit früheren Putin-Darstellungen und Mottowagen des Karnevalskünstlers.
Die Kölner Motivwagen selbst griffen das Thema Putin nicht auf. Sie widmeten sich unter anderem den Umfragehochs der AfD sowie US-Präsident Donald Trump. Ein Wagen zeigte eine Männerfigur mit schwarz-rot-goldener Mütze, die sich von einer blauen Schlange mit pfeilspitzer roter Zunge hypnotisieren lässt. Das Motiv griff die Umfragehochs der AfD auf und trägt den Schriftzug: "Mer dun et weil mer blauäugig sin."
Bis zum Nachmittag habe es "keine nennenswerten Zwischenfälle" gegeben, sagte ein Kölner Polizeisprecher. Auch in Düsseldorf verlief der teils von Regen und Gewitter begleitete Rosenmontag ohne besondere Vorkommnisse. Die Polizei beschrieb die Lage am Nachmittag als "friedlich". Es werde nach jetzigem Stand "ausgelassen" und "fröhlich" gefeiert, sagte ein Polizeisprecher in Düsseldorf. Nach Angaben der Stadt verfolgten dort rund 11.000 Jecken den Zug.
Ein Düsseldorfer Wagen zeigte Putin beim Steuern einer Drohne, die AfD-Chefin Alice Weidel trägt. Das Motiv ist mit "AfD: Die Landesverräter" beschriftet. Auf einem weiteren Wagen war Putin in Militäruniform zu sehen, der mit einem Messer einen Narren ersticht. Ein dritter Wagen zeigte ihn gemeinsam mit US-Präsident Donald Trump, während beide Europa verspeisen.
Seit Jahren schon nimmt der Karnevalskünstler Tilly mit seinen Wagen insbesondere den russischen Präsidenten und dessen aggressive Politik aufs Korn. Im vergangenen Jahr leitete ein russisches Gericht ein Strafverfahren gegen Tilly wegen seiner satirischen Spitzen ein. Das Verfahren sorgte zuletzt für viele Diskussionen.
Der nordrhein-westfälische Landtagspräsident André Kuper (CDU) sprach Tilly seine Unterstützung aus. "Wir stehen hinter Jacques Tilly", erklärte Kuper am Montag. Das Strafverfahren in Russland zeige, dass nur Demokratien Freiheit und Rechtsstaatlichkeit garantieren könnten, betonte Kuper.
Auch in Mainz feierten hunderttausende Narren "fröhlich und zumeist friedlich", wie die Polizei am Nachmittag mitteilte. Gefeiert wird in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt unter dem Motto "Die Hofsänger im Gold'nen Mainz – seit 100 Jahr'n die Nummer 1".
Ein Mainzer Wagen zeigte einen lüstern dargestellten Präsidenten Trump, der mit seiner Zunge der Freiheitsstatue sehr nahekommt. Die Freiheitsstatue ist mit einem Maga-Schriftzug (Make America Great Again) geknebelt. Die Werte "Recht" und "Gesetz" liegen zertrümmert am Boden. Daneben behandelten weitere Wagen unter anderem den Fleischkonsum des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU) und die Mainzer Lokalpolitik.
Rosenmontag brachte derweil nicht nur Spott über Politiker - im nordrhein-westfälischen Essen fiel sogar ein Rekord. Der Karnevalsverein Gänsehälse Essen stellte mit einem 15,27 Meter langen Wagen den längsten Karnevalswagen Deutschlands auf, wie das Rekord-Institut für Deutschland in Hamburg mitteilte. Der Rekordwagen sei das Ergebnis monatelanger ehrenamtlicher Arbeit gewesen, hieß es.
Rosenmontag ist traditionell der Höhepunkt des Straßenkarnevals, der mit Weiberfastnacht eingeläutet wird. Am Aschermittwoch ist dann alles vorbei - und die Karnevalisten müssen bis zum 11. November warten, wenn die nächste Session beginnt.
V.Fontes--PC