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Waffenruhe im Libanon in Kraft getreten - Libanesische Armee wirft Israel Verstöße vor
Nach Inkrafttreten einer Waffenruhe zwischen den verfeindeten Nachbarländern Libanon und Israel bleibt die Lage angespannt. Die libanesische Armee warf Israel am Freitagmorgen Verstöße gegen die Vereinbarung vor. Die pro-iranische Hisbollah verübte nach eigenen Angaben einen Vergeltungsangriff auf israelische Soldaten. International wurde die Feuerpause begrüßt. US-Präsident Donald mahnte die Hisbollah zur Einhaltung der Waffenruhe. In den südlichen Vororten der libanesischen Hauptstadt Beirut waren Freudenschüsse zu hören.
Die zehntägige Waffenruhe begann um Mitternacht Ortszeit (23.00 Uhr MESZ). Die libanesische Armee erklärte am frühen Freitagmorgen im Onlinedienst X jedoch, es seien "mehrere israelische Aggressionen registriert worden". Die pro-iranische Hisbollah-Miliz teilte mit, sie habe als Vergeltungsmaßnahme "eine Ansammlung israelischer Soldaten in der Nähe der Stadt Chiam" im Südlibanon bombardiert.
Trump hatte am Donnerstag auf seiner Onlineplattform Truth Social erklärt, er habe "exzellente Gespräche" mit dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun und dem israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu geführt. Beide hätten einer Waffenruhe zugestimmt, um "Frieden zwischen ihren Ländern zu erreichen".
Netanjahu sprach von der Chance auf ein "historisches Friedensabkommen" mit dem Libanon. Er kündigte zugleich an, die israelischen Streitkräfte würden in einem zehn Kilometer breiten Streifen im Süden des Libanon an der Grenze zu Israel bleiben. Nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums wurden wenige Stunden vor Beginn der Waffenruhe bei einem israelischen Angriff auf die südlibanesische Stadt Ghasieh mindestens sieben Menschen getötet.
Der Hisbollah-Abgeordnete Ibrahim al-Mussawi sagte der Nachrichtenagentur AFP, die Miliz werde sich unter Bedingungen an die Waffenruhe halten. "Wir von der Hisbollah werden uns vorsichtig an die Waffenruhe halten unter der Bedingung, dass es sich um eine umfassende Einstellung der Kampfhandlungen gegen uns handelt", sagte al-Mussawi. So dürfe Israel die Feuerpause nicht für "Morde" an Hisbollah-Vertretern nutzen.
Trump erklärte, er hoffe, dass die Hisbollah sich während der Waffenruhe "anständig" verhalte. "Es wird ein großartiger Moment für sie sein, wenn sie das tun", schrieb er auf seiner Onlineplattform Truth Social. "Kein Töten mehr. Es muss endlich Frieden geben."
In den südlichen Vororten von Beirut waren zum Start der Waffenruhe rund eine halbe Stunde lang Gewehrsalven und Raketenartillerie zu hören, wie AFP-Journalisten berichteten. Die Vororte sind eine Hochburg der Hisbollah-Miliz und waren seit Anfang März das Ziel intensiver israelischer Angriffe. Zahlreiche Bewohner, die wegen der Attacken geflohen waren, kehrten nun dorthin zurück. Auch im Süden des Landes machten sich Vertriebene auf den Weg zurück in ihre Heimatorte.
Die Waffenruhe wurde inmitten von Trumps Bemühungen vereinbart, ein Ende des von den USA und Israel begonnenen Iran-Kriegs zu erreichen. Nachdem Washington und Teheran vergangene Woche eine zweiwöchige Waffenruhe vereinbart hatten, pochte der Iran darauf, dass diese auch für den Libanon gelten müsse. Israel lehnte dies zunächst ab und setzte seine Angriffe auf Hisbollah-Ziele fort.
Zuletzt verstärkten sich aber die Bemühungen für eine Waffenruhe zwischen Israel und dem Libanon. Am Dienstag führten in Washington erstmals seit mehr als drei Jahrzehnten diplomatische Vertreter Israels und des Libanon direkte Gespräche.
Am Mittwoch kündigte Trump dann Gespräche zwischen den "Anführern" Israels und des Libanon an. Der libanesische Präsident Aoun lehnte aber nach Angaben aus libanesischen Regierungskreisen einen "direkten Kontakt" mit Netanjahu ab. Israel und der Libanon unterhalten bisher keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand.
Trump lud Netanjahu und Aoun nun zu einem Treffen ins Weiße Haus in Washington ein. Dann sollten "die ersten bedeutenden Gespräche zwischen Israel und dem Libanon seit 1983" stattfinden, schrieb der US-Präsident auf Truth Social. Er rechne mit dem Treffen in "vier oder fünf Tagen".
Der Libanon war Anfang März in den Iran-Krieg hineingezogen worden. Damals feuerte die schiitische Hisbollah-Miliz als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ayatollah Ali Chamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Bei israelischen Angriffen wurden nach libanesischen Angaben bisher fast 2200 Menschen getötet. Rund eine Million Menschen wurden vertrieben.
Die Nachricht von der Waffenruhe stieß international auf ein positives Echo. Bundesaußenminister Johann Wadephul (CDU) erklärte, die Feuerpause könne "den Menschen auf beiden Seiten der Grenze eine wichtige Atempause verschaffen". Die französische Präsidentschaft sprach von einer "exzellenten Nachricht". Der Iran äußerte sich ebenfalls positiv über die Feuerpause.
UN-Generalsekretär António Guterres appellierte an die Konfliktparteien, sich an die vereinbarte Waffenruhe zu halten. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, es müsse jetzt ein "Weg hin zu dauerhaftem Frieden" gefunden werden.
R.J.Fidalgo--PC