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Zahl der Binnenvertriebenen weltweit erreicht mit 83 Millionen neuen Höchstwert
Bewaffnete Konflikte, Naturkatastrophen und die Verschärfung des Klimawandels haben im vergangenen Jahr nach Angaben zweier Nichtregierungsorganisationen die Zahl der Binnenvertriebenen auf einen neuen Rekordstand ansteigen lassen. Im Jahr 2024 seien 83,4 Millionen Menschen in ihrem eigenen Land auf der Flucht gewesen, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten gemeinsamen Bericht der Organisation Internal Displacement Monitoring Centre (IDMC) und des Norwegischen Flüchtlingsrats (NRC).
Die Zahl der Binnenflüchtlinge weltweit entspricht damit in etwa der Bevölkerungzahl Deutschlands. Der beispiellose Anstieg wurde laut den NGOs vor allem durch die Konflikte im Sudan und im Gazastreifen und riesige Wirbelstürme in den USA verursacht. Dem Bericht zufolge erhöhte sich die Zahl der Binnenvertriebenen weltweit innerhalb von sechs Jahren um 50 Prozent. Ende 2023 hatte die Zahl demnach bei 75,9 Millionen gelegen.
Die NGOs betonten in ihrem Bericht, dass fast 73,5 Millionen Menschen und damit 90 Prozent der Binnenvertriebenen weltweit durch Konflikte und Gewalt vertrieben worden seien. Dies entspricht demnach einem Anstieg von 80 Prozent seit 2018. Allein im Bürgerkriegsland Sudan lebten dem Bericht zufolge 11,6 Millionen Binnenvertriebene - so viele wie noch nie in einem einzigen Land.
Bei rund zehn Millionen Menschen seien zudem Naturkatastrophen der Fluchtgrund gewesen - das seien mehr als doppelt so viele wie noch vor fünf Jahren. Rund 99,5 Prozent aller katastrophenbedingten Binnenfluchtbewegungen im vergangenen Jahr waren dem Bericht zufolge auf wetterbedingte Ereignisse zurückzuführen, viele von ihnen aufgrund des sich verschärfenden Klimawandels.
Allein in den USA, wo riesige Wirbelstürme wie "Helene" und "Milton" über das Land fegten, wurden elf Millionen Menschen aufgrund von Naturkatastrophen vertrieben. Sie machten damit fast ein Viertel der weltweiten Zahl aus, wie es in dem Bericht weiter hieß.
Die Leiterin von IDMC, Alexandra Bilak, sprach von einem "Zusammentreffen von Konflikten, Armut und Klima, das die Schwächsten am härtesten trifft". Oft seien die Ursachen und Auswirkungen von Vertreibung miteinander "verwoben, was die Krisen noch komplexer macht und die Not der Vertriebenen noch ausweitet", hieß es in dem Bericht.
Das IDMC war 1998 vom Norwegischen Flüchtlingsrat gegründet worden. Die diesjährigen Zahlen müssten "ein Weckruf für die weltweite Solidarität sein", sagte der Leiter des Flüchtlingsrats, Jan Egeland. "Jedes Mal, wenn die Mittel für humanitäre Hilfe gekürzt werden, verliert ein weiterer Vertriebener den Zugang zu Nahrung, Medizin, Sicherheit und Hoffnung", sagte er. Der Mangel an Fortschritten bei der Eindämmung der weltweiten Binnenvertreibung sei "sowohl ein politisches Versagen als auch ein moralischer Makel für die Menschheit".
A.Seabra--PC