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Wachsende Einkommensungleichheit in Deutschland laut WSI-Studie
Die Kluft zwischen Arm und Reich in Deutschland ist so groß wie seit Jahren nicht mehr. Eine neue Studie des WSI zeigt, dass die Einkommensungleichheit auf dem zweithöchsten Niveau seit 1992 liegt und die Armutsquote stark gestiegen ist.
Der Verteilungsbericht des Instituts der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung (WSI) dokumentiert eine deutliche Polarisierung. Der Gini-Koeffizient, das Standardmaß für Einkommensungleichheit, stieg 2024 auf 0,307. Nur im Jahr 2021 war er mit 0,312 noch höher als in den Jahren zuvor. Im Vergleich zu 1992, als der Wert bei 0,252 lag, hat sich die Situation verschärft.
Die Armutsquote ist seit 1992 um 45 Prozent gestiegen und liegt nun bei 17,3 Prozent im Jahr 2024. Als arm gilt, wer weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens zur Verfügung hat. Für Alleinlebende entspricht dies einem Nettoeinkommen von unter 15.673 Euro jährlich. Nur 2021 war die Quote mit 17,4 Prozent leicht höher.
Am oberen Ende der Skala zeigt sich ein gemischtes Bild. Der Anteil einkommensstarker Haushalte schwankte zwischen 1992 und 2024. Während er zeitweise bei rund 8 Prozent lag, liegt er aktuell wieder bei 7 Prozent für Haushalte mit mehr als dem Doppelten des Medianeinkommens. Besonders stark gewachsen ist jedoch die Gruppe der sehr einkommensreichen Haushalte über 300 Prozent des Medians.
Die Studie identifiziert zwei Hauptgründe für das Auseinanderdriften der Einkommen: Steuern und Sozialtransfers gleichen Unterschiede im vergangenen Jahrzehnt weniger aus. Zudem arbeiten mehr Menschen in Teilzeit, oft aufgrund fehlender Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
WSI-Direktorin Bettina Kohlrausch warnte vor den gesellschaftlichen Folgen. Sie betonte, dass Armut auch bei niedriger Arbeitslosigkeit zunehme und bestimmte Gruppen nicht vom wirtschaftlichen Aufschwung profitierten. Dies habe der AfD zugutegekommen. Die Soziologin warnte davor, dass diese Entwicklungen das politische System destabilisieren könnten.
Die Studienautoren Dorothee Spannagel und Claus Schäfer empfehlen Maßnahmen zur Stärkung des Tarifsystems, einen höheren Mindestlohn sowie den Ausbau der Kinderbetreuung. Sie stellen fest, dass sich Reichtum zunehmend an der Spitze konzentriert, während die untere Mittelschicht unter Druck gerät.
A.S.Diogo--PC