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Papst Leo XIV. feiert Messe in Istanbul - Aufruf zu interreligiösem Dialog
Papst Leo XIV. hat am dritten Tag seiner Türkei-Reise seine erste Messe in dem Land gehalten. Das Oberhaupt der Katholiken wurde am Samstag von rund 4000 Gläubigen in der Volkswagen Arena in Istanbul mit Gesang und Applaus willkommen geheißen. Zuvor hatte der Papst die berühmte Blaue Moschee in Istanbul besichtigt und gemeinsam mit dem orthodoxen Patriarchen von Konstantinopel, Bartholomäus I., einen Aufruf zum interreligiösen Dialog unterzeichnet.
Zur Papstmesse in Istanbul reisten Christen aus unterschiedlichen Landesteilen an. Der aus dem Iran geflohene 27-jährige Kasra Esfandijari bezeichnete den Gottesdienst als "historischen Moment". Er habe eine sechsstündige Anreise mit seiner Mutter aus der Hafenstadt Izmir hinter sich, berichtete er. In der Türkei leben nur 33.000 Katholiken.
Vor der Messe hatte der 70-jährige Leo mit Patriarch Bartholomäus I. eine Erklärung unterzeichnet, in der sich beide zum interreligiösen Dialog bekannten und unter anderem dazu aufriefen, auf jegliche Instrumentalisierung "zur Rechtfertigung von Gewalt" zu verzichten. Beide erklärten zudem, weiterhin daran zu arbeiten, ein gemeinsames Datum für das Osterfest für Katholiken und Orthodoxe festzulegen.
Zuvor hatte der Papst am Samstagmorgen mit muslimischen Geistlichen die Blaue Moschee besucht. Leo verbrachte 15 Minuten in dem Gotteshaus und ließ sich von den Würdenträgern herumführen. "Er wollte die Moschee sehen, die Atmosphäre in der Moschee spüren und er war sehr angetan", sagte der Muezzin Askin Tunca, der die Gläubigen zum Gebet ruft.
Es war Leos erster Besuch in einer islamischen Glaubensstätte seit seinem Amtsantritt. Wie alle Besucher zog Papst Leo XIV. bei Betreten der Moschee die Schuhe aus und schritt in weißen Socken über den orangefarbenen Teppich.
Die Blaue Moschee mit ihren sechs Minaretten, Kuppeln und blau-weißen Fliesen zählt zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der türkischen Metropole Istanbul.
Mit dem symbolträchtigen Besuch setzte Leo XIV. eine Tradition seiner beiden Amtsvorgänger fort: Papst Benedikt XVI. hatte die Blaue Moschee 2006 besucht, Papst Franziskus im Jahr 2014. Anders als seine Vorgänger besuchte Leo jedoch nicht die nahegelegene Hagia Sophia.
Die Hagia Sophia wurde im 6. Jahrhundert zunächst als Basilika errichtet und war über hunderte Jahre die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und eine der wichtigsten Kirchen der Christenheit. Nach der Eroberung Konstantinopels durch die Osmanen 1453 wurde die Kirche dann in eine Moschee umgewandelt.
Im Jahr 1934 wurde das prachtvolle Kuppelgebäude auf Anordnung des türkischen Republikgründers Mustafa Kemal Atatürk dann zum Museum. Auf Veranlassung von Präsident Recep Tayyip Erdogan wurde das Weltkulturerbe 2020 schließlich wieder in eine Moschee umgewandelt, was international für breite Kritik sorgte. Leos Vorgänger Franziskus I. hatte sich "sehr bekümmert" darüber geäußert.
Am Sonntag beschließt das Oberhaupt der Katholiken seinen Besuch in der Türkei. Laut offiziellem Programm des Vatikan ist am Morgen zunächst ein Gebetstreffen in der armenisch-apostolischen Kathedrale in Istanbul geplant. Später soll Leo XIV. an einem orthodoxen Gottesdienst in der Patriarchalkirche St. Georg teilnehmen und daraufhin mit Patriarch Bartholomäus I. zu Mittag essen.
Am Sonntagnachmittag reist der Pontifex dann weiter in den Libanon, wo er unter anderem junge Menschen treffen und einen Gottesdienst im Freien mit rund 120.000 Gläubigen feiern will.
Vor seiner Ankunft rief die pro-iranische Hisbollah-Miliz den Papst dazu auf, sich gegen das Vorgehen Israels im Libanon auszusprechen. "Wir zählen auf die Haltung Eurer Heiligkeit, um die Ungerechtigkeit und Aggression zurückzuweisen, denen unsere libanesische Nation durch die zionistischen Invasoren und ihre Anhänger ausgesetzt ist", hieß es in einer Botschaft, die die Hisbollah über Online-Netzwerke verbreitete.
Am Freitag hatte bereits Hisbollah-Anführer Naim Kassem erklärt, er habe die Miliz beauftragt, dem Papst einen Brief zukommen zu lassen.
Im Libanon spielt die christliche Gemeinde weiterhin eine bedeutende Rolle. Gemäß der Verfassung muss der Staatspräsident maronitischer Christ sein. In den vergangenen Jahrzehnten ging die Zahl der Christen im Land aber zurück - insbesondere, da zahlreiche junge Gläubige das Land verließen.
P.Sousa--PC